Mit verlässlicher Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette zum Erfolg
„Das Marktumfeld für die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist so günstig wie seit hundert Jahren nicht mehr”, sagte Ken Ash, OECD-Direktor für Handel und Agrar beim diesjährigen Internationalen Wirtschaftspodium in Berlin. Zum dritten Mal hatten die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Deutsche
Bauernverband (DBV), die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zu diesem Podium im Rahmen der Grünen Woche eingeladen. In seiner Begrüßung im Namen der fünf Veranstalter betonte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer, dass europäische Landwirte überwiegend in gut funktionierende Wertschöpfungsketten eingebettet seien. Global seien hier jedoch erhebliche Defizite zu beobachten, die Produktion und Warenfluss erheblich einschränken und dadurch die Hungerproblematik dramatisch verschärfen.
Ken Ash begründete seine positive Einschätzung des aktuellen Marktumfeldes vor den etwa 250 Vertretern aus Wirtschaft und Politik mit knapper werdenden Ressourcen und steigender Nachfrage und forderte sie auf: „Helfen Sie den Menschen, die landwirtschaftliche Produktivität und Produktion zu erhöhen.“ Für Ash sind die aktuellen Rohstoffpreisanstiege keineswegs ungewöhnlich. In der Vergangenheit habe es Perioden mit wesentlich stärkeren Schwankungen gegeben. Auch der Einfluss der Spekulation auf die Märkte ist für ihn keinesfalls erwiesen.
Internationale Wertschöpfungsketten sind eine Möglichkeit, solche Produktivitätssteigerungen zu erreichen, wie Hubert Weber, zuständig für das europäische Kraft Foods Kaffeegeschäft, mit Beispielen belegte. Bereits Mitte der 1990er Jahre begann das Unternehmen in Zusammenarbeit mit GIZ und der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance, Bauern in Peru zu qualifizieren, um deren Kaffeeanbau effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Nach vielen Kaffeeländern entlang des Äquators sind inzwischen auch Kakaobauern in Westafrika dazugekommen. „Die
Nachhaltigkeit muss in den Ursprungsländern ansetzen“, betonte der Kaffee-Experte. „Unser Engagement dient der Qualität und Quantität der Rohstoffe und einer intakten Versorgungskette.“ Immer mehr Verbraucher wollen Produkte von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen kaufen. Daher müsse man auch als Unternehmen Impulse geben, um die Konsumenten zu nachhaltigem Handeln zu ermutigen. Damit nachhaltige Wertschöpfungsketten erfolgreich seien, brauche es aber Transparenz, denn Nachhaltigkeit dürfe kein „Greenwashing“ sein. Sein Appell an die anwesenden Vertreter aus Wirtschaft und Politik: „Unternehmen brauchen Visionen, die von einem Ende der Wertschöpfungskette zum anderen gehen.“ Gleichzeitig erteilte er den intransparenten Börsenspekulationen an den Agrarrohstoffmärkten eine Absage und begrüßte es, dass sich die europäischen Agrarpolitiker verstärkt dieses Themas annehmen wollen.