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30.12.2011 | 11:31
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Milchwirtschaft 2015 - Geht’s ins Grüne?
Göttingen - Die strategische Ausrichtung der EU-Agrarreform ist klar: Es wird eine wettbewerbsfähige europäische Landwirtschaft angestrebt, die sich auf den globalen Agrarmärkten behaupten kann.

Milch
Bei der Erreichung dieses Ziels steht insbesondere die Nachhaltigkeit mit den Aspekten Tier- und Umweltschutz im Vordergrund. Tierschutzplan und Greening sind dabei zwei Begriffe, die in der Diskussion immer wieder genannt werden, aber auch viele Fragen aufwerfen. Aus diesem Grund griff die freiwillige, semesterübergreifende studentische Arbeitsgemeinschaft Milchwirtschaft der Georg-August-Universität Göttingen diese Thematik bei der diesjährigen 6. Göttinger Fachtagung für Milchwirtschaft am 8. Dezember 2011 mit dem Thema „Milchwirtschaft 2015 – Geht’s ins Grüne?" auf.

Dr. Arne Dahlhoff von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen eröffnete die Fachtagung mit dem Vortrag „Die EEG-Novelle und die Auswirkungen auf die Milchproduktion". Mit der aktuellen Novellierung werden zukünftig insbesondere kleinere Gülle-Biogasanlagen aufgrund attraktiver Vergütungen an Reiz gewinnen, allerdings sei vor allem bei 75 kW-Anlagen ein größerer Tierbestand notwendig, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.

Außerdem führen verschlechterte Vergütungssätze im neuen EEG dazu, dass die bisher gängigen landwirtschaftlichen Leistungsklassen zwischen 180 kW und 500 kW durch größere Biogasanlagen abgelöst werden, bei denen Direkteinspeisung in das Erdgasnetz bevorzugt würde. Dr. Dahlhoff merkte jedoch auch an, das Hauptaugenmerk bei Wachstumsschritten und Neuinvestitionen im Bereich der erneuerbaren Energien nicht allein auf Biogasanlagen zu beschränken. Photovoltaikanlagen seien eine sehr interessante Alternative und in vielen Betrieben aufgrund arbeitswirtschaftlicher Aspekte zu bevorzugen.

Der Biolandwirt und Aufsichtsratsvorsitzende der Upländer Bauernolkerei Josef Jacobi ging in seinem Vortrag „Perspektiven auf dem Markt für Biomilch aus Sicht der Upländer Bauernmolkerei" auf das Verhältnis zwischen Landwirten und Molkereien ein. Insgesamt seien die Landwirte unzufrieden mit ihren Molkereien und es sei ein gesteigertes Interesse vorhanden, neue Vermarktungsstrukturen zu entwickeln sowie eigene kleinere Bauernmolkereien zu gründen. Er ermutigte die Landwirte „unternehmerisch" zu werden. Der Markt für Bioprodukte sei nach wie vor vorhanden und auch regionale Produkte würden vom Lebensmitteleinzelhandel verstärkt nachgefragt.

Die Auswirkungen der EU-Agrarreform auf die Milchviehhaltung beleuchtete Prof. Dr. Bernhard Brümmer von der Georg-August-Universität Göttingen näher. Er erläuterte das mögliche neue Gesicht der GAP nach 2013. Die reformierten Direktzahlungen werden sich demnach zukünftig im Wesentlichen aus einer Basisprämie sowie dem Greening zusammensetzen. Das Greening umfasst dabei Auflagen, wie eine dreigliedrige Fruchtfolge oder ein Umbruchverbot für Dauergrünland.

Des Weiteren müssen sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche eines Betriebes im Umweltinteresse genutzt werden, z.B. als Ackerblühstreifen. Die Milchviehhaltung sei von der Reform direkt durch das Auslaufen der Milchquote, das Greening und Änderungen bei den Direktzahlungen betroffen. Professor Brümmer beurteile die Neuerungen der GAP-Reform kritisch und wies darauf hin, dass insbesondere das Greening für die Landwirte hohe Kosten nach sich ziehen werde. Außerdem steige der Grad der Bürokratie weiter an, dennoch gäbe es auch positive Neuerungen, wie einen erleichterten Marktzugang durch den Abbau von Export- oder Zollbeschränkungen und damit eine bessere Integration der EU in die Weltmärkte.

Marco Füllgrabe, Landwirt aus Diemarden, berichtete in seinem Vortrag von seinen Erfahrungen als Direktvermarkter. Die Entscheidung in die Direktvermarktung einzusteigen, sei aus der Not heraus geboren. Da bei der Umstellung seines Betriebes von konventioneller auf ökologische Wirtschaftsweise keine Biomolkerei als Vermarktungspartner zur Ver-fügung stand, musste ein anderer Absatzweg erschlossen werden. Mit-tlerweile beliefert Füllgrabe 1.200 Privatkunden im Umkreis von 20 km um Diemarden mit Trinkmilch, Joghurt und Schnittkäse.

Den Abschluss der Fachtagung bildete der Vortrag des niedersächsischen Staatssekretärs Friedrich-Otto Ripke zum Thema „Tierschutz – der 38-Punkte-Plan in Niedersachsen und Auswirkungen auf die Milchviehhal-tung". Ripke erläuterte, dass der Tierschutzplan das Gesamtziel habe, eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz beim Verbraucher zu erreichen. Insbesondere die in der Öffentlichkeit und den Medien emotional geführten Debatten über Massentierhaltung oder Tierfabriken sollen durch den Tierschutzplan versachlicht werden. Es müsse aber auch deutlich werden, dass größere Milchviehbetriebe bereits jetzt schon aufgrund der moderneren Haltungsbedingungen in Bezug auf Tierschutz oft besser aufgestellt seien als kleinere.

Als wichtige Ansatzpunkte im Bereich Milchvieh, die einer Änderung bedürfen nannte Ripke den Antibiotikaeinsatz bei Kälbern oder auch das Enthornen ohne Betäubung. Er verdeutlichte aber auch, dass bei allen umzusetzenden Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte nicht riskiert werden darf.

Insgesamt stieß die 6. Göttinger Fachtagung für Milchwirtschaft auf ein großes Interesse und es wurde deutlich, dass die Landwirtschaft zwar „grüner" wird, aber die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe dabei nicht aus den Augen verloren werden sollte. Auch für das Jahr 2012 ist wieder eine Fachtagung geplant. (Lena Bartels / Uni Göttingen)

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Greening Göttinger-Fachtagung EU-Agrarreform Milchwirtschaft

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