Das wurde auf dem milchpolitischen Frühschoppen des Milchindustrie-Verbandes (MIV) am Dienstag in Berlin nochmals deutlich. Eva-Maria Schulze vom Bundeskartellamt erklärte die Hauptkritikpunkte ihrer Behörde an der bisherigen Praxis und stellte sich erneut den Nachfragen und Kommentaren der Molkereibranche, nachdem sie dies tags zuvor bereits beim Fachforum-Milch des Deutschen Bauernverbandes (
DBV) getan hatte.
MIV-Vorsitzender Dr. Karl Heinz Engel sprach von einem Damoklesschwert, das über der Branche schwebe. Bisher habe die Molkereiindustrie „eine weiße Weste“ gehabt und sei nicht kartellrechtlich belangt worden. Der Verband will zum kürzlich übersandten Sektorbericht Milch des Bundeskartellamtes Stellung nehmen, erbittet sich für die Auswertung jedoch noch Zeit.
Beim Frühschoppen drückte Engel sein Unverständnis darüber aus, dass einerseits mehr Transparenz gefordert und andererseits weniger Preisveröffentlichungen zugelassen werden sollen. Schulze erinnerte ihrerseits daran, dass erst zahlreiche Beschwerden vom Erzeuger bis zum Verbraucher die Sektoruntersuchung ausgelöst hätten. Insbesondere auf den regionalen Beschaffungsmärkten für Rohmilch sieht das Amt erhebliche Einschränkungen des Wettbewerbs. Dagegen würden die Absatzmärkte weniger problematisch gesehen.
Gleichwohl verwies Schulze auf eine derzeit in Arbeit befindliche Sektorstudie zum Lebensmitteleinzelhandel (LEH), bei dem die Praktiken bei Preisverhandlungen und Zahlungsverhalten für alle Produktgruppen kritisch durchleuchtet werden. (AgE)