Österreichische Lebensmittel-Exporte noch nie so hoch wie 2011 Berlin - Mit dem Lineal lässt sich der Aufwärtstrend beim agrarischen Außenhandel weiterzeichnen. |
 Österreich steht in regem Handel mit seinen Nachbarn. (c) proplanta
Die agrarische Handelsbilanz ist auf einem weiter steigenden Niveau fast ausgeglichen. Österreichische Lebensmittel haben sich einen fixen Platz in den Regalen der Welt reserviert. Besonders beliebt sind rot-weiß-rote Lebensmittel nach wie vor bei unseren deutschen Nachbarn. Dies zeigen die Außenhandelsdaten 2011 der Statistik Austria, hochgerechnet auf Basis der ersten drei Quartale.
Österreich - Welt: Durchschnittswert der Lebensmittel-Exporte noch nie so hoch wie 2011
Die Differenz zwischen agrarischen Exporten und Importen war im Jahr 2011 so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Exporten im Wert von mehr als 9 Mrd. Euro standen Importe von 9,4 Mrd. Euro gegenüber. Das ergibt eine Differenz von 393.525 Mio. Euro. Lediglich in den Jahren 2005 und 2006 war die Außenhandelsbilanz derart ausgeglichen, damals allerdings auf einem um ein Drittel niedrigeren Niveau. Der Wert der Lebensmittelexporte stieg im Vorjahr um 16,1 Prozent. Das ist die zweithöchste Steigerungsrate seit dem EU-Beitritt Österreichs.
Erfreuliches Detail: Der durchschnittliche Wert der Exporte erreichte den höchsten Wert seit Aufzeichnung dieser Daten. „Das zeigt, dass die hohe Qualität der heimischen Produkte auch im monetären Wert ihren Niederschlag fand und wir mit dieser Strategie auf das richtige Pferd gesetzt haben. Insgesamt 8,1 Mio. Tonnen Lebensmittel passierten im vergangenen Jahr die rot-weiß-roten Grenzen. Das bedeutet, dass wir bereits mehr Lebensmittel aus- als einführen.
Der kurzfristige Exporteinbruch von 2009 scheint endgültig überwunden zu sein“, freut sich Dr. Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der AMA Marketing GesmbH, über diesen bahnbrechenden Erfolg. Ein Drittel der weltweiten Exporte geht nach Deutschland Ein Drittel der weltweit agrarischen Exporte geht zu unserem großen Nachbarn. Damit ist und bleibt Deutschland wichtigster Handelspartner Österreichs.
Beispielsweise werden zwei Drittel der weltweiten Exporte von Fleischerzeugnissen wie Wurst-, Schinken- und Speckwaren nach Deutschland geliefert, bei Käse und Milchprodukten rund die Hälfte. Beim Rind- und Schweinefleisch ist Italien wichtigster Exportpartner. Südkorea liegt bereits an zweiter Stelle beim Schweinefleisch, Slowenien folgt an dritter Stelle.
Österreich - Deutschland: Deutschland bleibt Handelspartner Nr. 1
Aufgrund einer Steigerungsrate von 11,4 Prozent konnte ein Absatzvolumen von fast 3 Mrd. Euro in unserem Nachbarland erzielt werden. Das entspricht 2,5 Mio. Tonnen an Agrarprodukten. Wichtigste Umsatzbringer sind dabei Milch und Milchprodukte, insbesondere Käse, sowie Frischfleisch, Fleischprodukte und –zubereitungen, gefolgt von alkoholfreien Getränken und Backwaren . Deutschland lieferte im Gegenzug 2,4 Mio. Tonnen im Wert von 3,5 Mrd. Euro nach Österreich. Käse: Erstmals 50.000 Tonnen-Grenze überschritten Österreich hat 2011 51.768 Tonnen Käse nach Deutschland exportiert und bleibt damit die unangefochtene Nr. 4 bei den Käseimporteuren, nach Holland, Frankreich und Dänemark.
Die Deutschen haben dafür 228 Mio. Euro ausgegeben, das bedeutet insgesamt einen Wertzuwachs von 14,6 Prozent. Erfreuen wird die exportierenden Käsereien auch die Tatsache, dass der Durchschnittswert der exportierten Käse mit 4,42 Euro pro Kilo deutlich höher liegt als jener bei den importierten mit 3,57 Euro . Im Beliebtheitsranking der österreichischen Käse führen Schnittkäse knapp vor Hartkäse wie beispielsweise dem Bergkäse . Wurst, Schinken und Speck im Dauerhoch Seit dem EU-Beitritt 1995 ist dieses Segment gewachsen.
Während jedoch die Menge fast gleich geblieben ist, ist der Wert gegenüber dem Jahr 2010 um 4,2 Prozent gestiegen. Die Deutschen importierten knapp 54.000 Tonnen österreichische Wurst, Schinken und Speck im Wert von rund 227 Mio. Euro. „Das zeigt, dass die geschmacklichen Vorlieben der Deutschen und Österreicher in dieser Warengruppe sehr ähnlich sind und auf Qualität und Geschmack Wert legen“, erläutert Mikinovic. Insgesamt ist die Bilanz in diesen Warengruppen deutlich zugunsten Österreichs, Deutschland liefert nur die Hälfte der Menge in heimische Regale (26.355 Tonnen zu 112 Mio. Euro).
Eier und Geflügel: Käfigverbot macht sich bemerkbar
Das Verbot der Legehennen-Käfighaltung macht sich in der Statistik deutlich bemerkbar. Sowohl Deutschland als auch Österreich haben früher als von der EU vorgeschrieben auf alternative Haltungsformen umgestellt. Die Eierexporte Richtung Deutschland lagen in den Jahren 2009 und 2010 auf einem extrem hohen Niveau, im Vorjahr ist der Export um 21,3 Prozent zurückgegangen. Die deutschen Legehennenhalter haben die Eier-Produktion in alternativen Haltungsformen ausgebaut und damit deren Eigenversorgung steigern können.
Auch in Österreich wurde die Produktion von Alternativ-Eiern massiv aufgestockt und Importe im Ausmaß der vorangegangenen Jahre waren nicht mehr notwendig (minus 8,9 Prozent) Auch wenn Österreich noch immer mehr Geflügel aus Deutschland importiert als umgekehrt, so entwickelt sich dieser Bereich besonders in den letzten Jahren auch in die andere Richtung auffallend gut. Der Export an Geflügelfleisch legte um 17 Prozent im Wert zu und stieg auf knapp 30.000 Tonnen mit 2,69 Euro pro Kilo.
EHEC-Krise beschert Gemüse eine Export-Sensation
So dramatisch die Absatzeinbußen beim Gemüse aufgrund der EHEC-Krise waren, so exorbitante Steigerungen bescherte sie dem Export von Gemüse mit plus 31,1 Prozent. Erstmals seit dem EU-Beitritt sanken die Importe an Gemüse (minus 3,6 Prozent). „Die heimischen Konsumenten setzen offenbar immer stärker auf Regionalität, was sich erstmals auch in den Außenhandelszahlen niederschlägt“, erklärt der AMA-Marketing-Chef diese Zahlen.
Auch beim Obst gab es einen Import-Rückgang um 5,1 Prozent, die Exporte stiegen um 13,6 Prozent auf 93.791 Mio. Euro oder 68.248 Mio. Tonnen . Einen großen Teil zur Wertschöpfung in Österreich tragen auch zubereitetes Obst und Gemüse bei, mit einem Exportwert von 225 Mio. Euro. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 21,7 Prozent. Die Importe verzeichnen einen Verlust von neun Prozent.
Österreich - neue EU-Länder: Handelsüberschuss in die neuen EU-Länder hält an
Der Exportzuwachs in die neuen EU-12 hält unvermittelt an und stieg im vergangenen Jahr um 14,1 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro. Dem stehen Importe im Wert von 1,4 Mrd. gegenüber. Im Länder-Ranking dominieren Ungarn bereits an der dritten Stelle weltweit, gefolgt von Slowenien, Tschechien und der kleinen Slowakei, wo der Ballungsraum rund um Bratislava seit Jahren bestens für Agrarexporte genutzt wird.
Fleischexporte weiter auf hohem Niveau
Die Zeiten der extrem hohen Zuwachsraten in diesem Bereich sind zwar vorbei, trotzdem bleibt Frischfleisch das wichtigste und umsatzstärkste Segment auf hohem Niveau. Auch wenn diese Warengruppe im Vergleich zur Vorjahresperiode ein kleines Minus von 2,4 Prozent aufweist, dürfen sich die heimischen Exportbetriebe über Einnahmen von 220 Mio. freuen . Die Warengruppe Fleischzubereitungen ist im Vergleich dazu mit 60 Mio. Euro zwar klein, gewinnt aber jedes Jahr kontinuierlich dazu, im Vorjahr 15,9 Prozent.
Milchfluss aus dem Osten sinkt weiter
Die massive Einfuhr von Milchprodukten - allen voran aus dem Functional Food-Bereich - nach Österreich geht weiter kontinuierlich zurück. Der Export von Milch und Milchprodukten erholt sich nach den Krisenjahren, wenn auch langsam. 2011 wurden 7,1 Prozent weniger Milch exportiert als im Jahr davor .
Der Käseexport in die neuen EU-Länder scheint sich auf dem Niveau der letzten Jahre eingependelt zu haben. Die exportierte Menge ging leicht zurück, der durchschnittliche Wert stieg auf 2,80 Euro pro Kilo Käse . „Das zeigt, dass offenbar der Verzehr von Käse noch nicht so gelernt ist, wie in westlichen Ländern. Es ist jedoch zu erwarten, dass das steigende Einkommen den Käse-Genuss fördern wird und darin großes Potenzial für die österreichischen Käse liegt“, so Mikinovic.
In den Bereichen Obst und Gemüse wurde der Markt in den neuen EU-Ländern gut erschlossen und entwickelt sich seit Jahren kontinuierlich weiter. So setzen die heimischen Betriebe Obst im Wert von 80 Mio. Euro sowie Frischgemüse im Wert von 72 Mio. Euro in diesen Ländern um. Ebenfalls auf diesem Niveau liegen Obst- und Gemüsezubereitungen mit einem Wert von 83 Mio. Euro . (ama)
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