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29.01.2012 | 13:43
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Perspektiven für das Grünland
Braunschweig - Am Rande der Grünen Woche diskutierten Experten über Grünlandnutzung und -schutz.

Grünland
„In der Landwirtschaft sind Grünlandflächen nicht nur für die Agrarproduktion wichtig. Sie spielen auch eine bedeutende Rolle für den Klima- und Naturschutz sowie für die Landschaftsqualität. Umso bedenklicher, dass sie in vielen Regionen Europas, darunter in Deutschland, zurückgehen", so umriss Bernhard Osterburg, Wissenschaftler am Thünen-Institut in Braunschweig, das Dilemma um das Grünland.

Als Moderator eines Fachforums über die Zukunft des Grünlands, das anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin stattfand, nannte Osterburg auch gleich die Gründe für diese Entwicklung: „Der Ausbau des Energiepflanzenanbaus, der Strukturwandel in der Tierproduktion und Änderungen der agrarpolitischen Rahmenbedingungen führen dazu, dass viele Landwirte die Nutzung ihrer Grünlandflächen aufgeben oder sie in Ackerland umwandeln.

Gleichzeitig lägen fast 20 % des Grünlands der EU im Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000.

Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts, zeigte auf, dass gerade die Rindfleischproduktion von herausragender Bedeutung für die Grünlandnutzung in der EU ist. Die extensive Grünlandnutzung hänge jedoch stark von der agrarpolitischen Förderung ab, so Isermeyer, da Produktionsstandorte in Übersee zu deutlich niedrigeren Kosten produzierten.

Die Milchproduktion in der EU sei vergleichsweise wettbewerbsfähiger, spiele aber für die Grünlandnutzung eine geringere Rolle. In spezialisierten Milchviehbetrieben der 27 EU-Mitgliedsstaaten werden 66 % der gesamten Milch produziert, sie bewirtschaften aber nur 16 % der Grünlandfläche.

Ybele Hogeveen von der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen erinnerte daran, dass Grünland in Europa erst durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung entstanden ist. Angesichts sich wandelnder technischer und soziökonomischer Verhältnisse könnten selbst die für den Naturschutz wertvollsten Flächen nur mit hohem Förderaufwand und nicht in vollem Umfang erhalten werden.

Kritisch diskutiert wurde das Referenzjahr 2014. Flächen, die in diesem Jahr Grünland sind, sollen als solche erhalten bleiben. Das eröffnet Spielräume für Grünlandumbruch in den Jahren vor der Reform. Weiterhin soll die Flexibilität bestehen, auch danach bis zu 5 % des Grünlandes umwandeln zu können. Klaas Johan Osinga von der Copa-Cogeca sprach sich für einen kooperativeren Umgang mit den Landwirten aus.

Viele Landwirte fühlten sich von zunehmenden Auflagen der Gemeinsamen Agrarpolitik bedroht. Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, forderte in ihrem Statement, das noch vorhandene Grünland zu erhalten und aufzuwerten. Sie kritisierte, dass viele besonders wertvolle Naturschutzflächen aufgrund der Förderkriterien von den Direktzahlungen ausgeschlossen werden.

Das Fachpodium „Welche Zukunft hat das Grünland?" fand am 20. Januar 2012 auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) anlässlich Internationalen Grünen Woche statt. Veranstalter war das Thünen-Institut mit Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. (vTi)
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