Das dürfte in diesem Jahr ganz anders aussehen. Das vergangene Jahr gehörte laut Deutschem Wetterdienst (
DWD) zu den fünf wärmsten Jahren seit 1881.
Trotz teils saftiger Preiserhöhungen sanken die Gaskosten daher nach Angaben des Verbraucherportals toptarif.de auf das Jahr gesehen um rund 15 Prozent. Das mache bei einem Haushalt mit einem Verbrauch von 15.900 Kilowattstunden Gas pro Jahr rund 160 Euro weniger aus - bei Einfamilienhäusern seien sogar 200 bis 300 Euro Ersparnis möglich.
Viele Mieter können sich daher wohl auf Rückzahlungen freuen, auch wenn Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund noch vorsichtig ist. «Im ersten Quartal 2011 gab es immer noch einen sehr hohen Verbrauch. Ich glaube daher nicht, dass dies eklatant durchschlagen wird.» Aber es fiele auf, dass die Leute angesichts der Kosten mehr Energie sparten.
Die Deutsche Energie-Agentur betont: «Schon ein Grad weniger spart bis zu sechs Prozent Heizkosten.» 16 bis 20 Grad Raumtemperatur seien optimal. Die 38,2 Millionen Wohnungen in Deutschland werden nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wie folgt beheizt: 49 Prozent der Wohnungen mit Gas; 12,6 Prozent per Fernwärme; 6,1 Prozent mit Strom und 29,6 Prozent mit Öl.
Wie stark sich die Spirale zuletzt nach oben drehte, zeigen Zahlen aus dem Heizspiegel des Mieterbunds für 2010. Damals kostete das Beheizen einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Heizöl durchschnittlich 850 Euro. Das waren 220 Euro mehr als noch 2009. Mieter mit Erdgasheizungen zahlten 805 Euro und damit 20 Euro mehr. Die Heizkosten für Fernwärme stiegen ebenfalls um 20 Euro auf 880 Euro.
Diese Preissteigerungen gingen auch 2011 ungebremst weiter - nur, dass diesmal der Wettergott eine entscheidende Rolle spielte. Mit rund 1.824 Stunden war 2011 das drittsonnenscheinreichste Jahr der letzten 50 Jahre. Der Dezember war mit einer Durchschnittstemperatur von knapp 4 Grad etwa 7,3 Grad wärmer als der Dezember 2010.
Auch beim BDEW geht man daher von sinkenden Heizkosten für 2011 aus. «Die Witterung hat zumindest bei Privatkunden dazu geführt, dass der Verbrauch sinkt und damit wohl auch die Kosten», sagt Sprecher Frank Brachvogel. Beim BDEW deuten die bisher vorliegenden Zahlen für 2011 auf einen deutlich sinkenden Brennstoffeinsatz von Erdgas für die Strom- und Wärmeerzeugung in deutschen Kraftwerken hin.
Doch das könnte nur eine Momentaufnahme sein - auch wenn der aktuelle Winter erneut eher mild ist. Für 2012 drohten wieder höhere Rechnungen, fürchtet Daniel Dodt von toptarif.de. Der hohe
Ölpreis könne weitere Kostensprünge beim Gas zur Folge haben. «So folgt der Gaspreis in langfristigen Lieferverträgen den Preisentwicklungen beim Öl in der Regel mit einem Abstand von etwa sechs Monaten», so Dodt.
Besonders die Drohung des Iran, die Straße von Hormus wegen des Konflikts um sein Atomprogramm zu sperren, könnte stark preistreibend wirken. Durch das Nadelöhr befördern Tanker bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls - unter anderem in die EU. Bis 2015 könnten nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kerney die Gaspreise in Europa um 30 bis 40 Prozent zulegen.
Während sich die Energiewende auf den Bereich Strom konzentriert, bleibt häufig das Potenzial unberücksichtigt, dass im Wärmebereich schlummert, um hierauf reagieren zu können. «Es ist wichtig, dass weiter und mehr als bisher energetisch saniert wird, gerade, wenn die Preise in die Höhe gehen», sagt Mieterbund-Sprecher Ropertz.
Seit Monaten ringen Bund und Länder um einen Steuerbonus, mit dem die Kosten für eine energetische Sanierung von der Steuer abgesetzt werden können. Ohne den Bonus, der die bereits bestehende Förderung von 1,5 Milliarden Euro ergänzen soll, kann die Sanierungsquote kaum auf jährlich zwei Prozent verdoppelt werden. Die Regierung betont, die billigste Energie sei die, die erst gar nicht verbraucht wird.
Ziel der Regierung ist es, dass in Gebäuden bis 2050 keine oder nur noch sehr wenig Energie verbraucht wird, die aus erneuerbaren Quellen kommen soll. Doch zuletzt wurden einer Studie zufolge nur 3,6 Milliarden Euro pro Jahr in die erneuerbare Wärmesparte (Solarwärme, Wärmepumpen, Biomasseanlagen) investiert, während in den Strombereich fast 30 Milliarden Euro flossen.
Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für erneuerbare Energien, mahnt daher eine bessere und verlässliche Förderpolitik im Wärmesektor an, damit Deutschlands Bürger unabhängiger werden können von hohen Gas- und Ölkosten. (dpa)