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18.12.2011 | 11:17
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Pflanzenzüchter ziehen Bilanz
Bonn - 2011 – Ein Jahr geht zu Ende, in dem der siebenmilliardste Mensch geboren wurde und das Bevölkerungswachstum unhaltbar voranschreitet.

Pflanzenzüchtung
Ein Jahr geht zu Ende, in dem der Klimawandel mit hochsommerlichen Temperaturen im Frühjahr, einem verregneten Sommer und dem trockensten November seit über 100 Jahren auch in Deutschland die Landwirtschaft vor große Aufgaben stellte. Ein Jahr geht zu Ende, in dem dramatische Ereignisse das Ende des erdölbasierten Zeitalters anmahnten und Alternativen einforderten. "Wir blicken auf ein Jahr zurück, das uns deutlich vor Augen führte, dass natürliche Ressourcen endlich sind.

Die Erfolge der Pflanzenzüchtung werden entscheidend sein, nachhaltig produzierte pflanzliche Rohstoffe in ausreichendem Maße für die wachsende Weltbevölkerung bereitstellen zu können. Die Politik muss geeignete rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen nicht nur für Forschung, sondern auch für die Anwendung von Innovationen in der Praxis schaffen", sagt Dr. Carl-Stephan Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) im Rückblick auf das Jahr 2011.

Das Jahr 2011 zeigte, mit welchen Schwierigkeiten Menschen weltweit und unsere Landwirtschaft in Deutschland künftig häufiger rechnen müssen. Witterungsextreme beeinträchtigen das Pflanzenwachstum und begünstigen das Ausbreiten von neuen Schädlingen und Krankheiten. Das Wissen über Pflanzen bietet ungeahnte Möglichkeiten, die drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen zu lösen. Darauf machen die Pflanzenzüchter in ihrem Jahresrückblick 2011 aufmerksam.


Forschung fördern

Nur mit einem ganzheitlichen, mit der Umwelt zu vereinbarenden Ansatz können die Ansprüche an Nahrungs- und Energieversorgung der Zukunft befriedigt werden. Die Pflanzenzüchter brachten sich daher intensiv in die Beratungen zur nationalen Forschungsstrategie "BioÖkonomie 2030" ein, die die Schlüsselrolle der Pflanze als Basis allen Lebens erkennt.

"Wir müssen natürliche Ressourcen weiter erschließen, das Wissen über die Bausteine der Pflanzen vervollständigen und uns die Photosyntheseleistung zum Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften nehmen - nämlich aus Sonne pflanzliche Rohstoffe für die Nahrung sowie für die Nutzung als erneuerbare Energien zu erzeugen", erläutert Schäfer. Mit der BioÖkonomie 2030 ist ein wesentlicher Grundstein für eine zukunftsgerichtete Agrarforschung gelegt worden, die die Politik zusammen mit der Administration nun weiterentwickeln muss.


Wettbewerbsfähigkeit stärken

Die Lösung ausschließlich in der Forschung zu suchen, ist jedoch nicht ausreichend, wenn die Anwendung aufgrund der gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erschwert ist. "Ausschließlich emotionale Diskussionen sind kontraproduktiv", so Schäfer. Neue Technologien sind wissenschaftsbasiert zu bewerten, die Produktzulassung international zu harmonisieren und bestehende Hindernisse bei der Anwendung der Produkte abzubauen.

Zudem müssen Investitionsanreize geschaffen werden. Für Aufwendungen in Forschung und Entwicklung (F&E) sind beispielsweise Steuergutschriften und Sozialabgabenbefreiungen für F&E-Personal konkrete Ansätze. Um Züchtungsfortschritt sicherzustellen, ist zudem die Refinanzierung der Investitionsaufwendungen unerlässlich. Daher ist eine lückenlose Umsetzung der Nachbauregelung nötig.

"Wir brauchen einen wirksamen und ausgewogenen Schutz geistigen Eigentums in den Lebenswissenschaften. Eine klare Abgrenzung zwischen Sorten- und Patentschutz ist dafür zwingend notwendig, um auch künftig einen maximalen Fortschritt erzielen zu können", fordert Schäfer.


Verantwortung übernehmen

Die Pflanzenzüchter haben sich auch in 2011 ihrer hohen Verantwortung zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen gestellt und in die Forschung und Innovation investiert. Mit großer Sorge betrachten die Züchter die Entwicklung, die ein stärkeres Ungleichgewicht zwischen privatwirtschaftlichen und staatlichen Aufgabenwahrung im Bereich der Züchtung und Saatgutproduktion befürchten lassen.

"Es ist unabdingbar, dass die öffentliche Hand weiterhin einen Beitrag zum deutschen Sortenprüfwesen leistet. Der geplante Ausstieg aus dem Versuchswesen in Brandenburg kann verheerende Konsequenzen für die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft nach sich ziehen", sagt Schäfer. Die laufende Überprüfung des europäischen Saatgutrechts durch die Kommission beobachten die Züchter auch vor diesem Hintergrund genau.


Lösungskonzepte für Welternährung erarbeiten

Entscheidend zur Bekämpfung des Hungers - dem vorrangigen Ziel in der Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 - ist es auch, dass Pflanzenzüchtung in der ganzen Welt durch geeignete Rechtsrahmen gefördert werde, so Schäfer. "Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, Pflanzenzüchtung auch in Entwicklungsländern voranzutreiben." Forschungsförderung und Capacity Building müssen auch in diesen Ländern durch Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Institutionen weiter voran gebracht werden.


Praktikable Lösungen für GVO-Spuren schaffen

Mit Blick auf die weltweit wachsenden Zahlen des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen auf nunmehr 148 Mio. Hektar und mit dem einhergehenden steigenden Anteil in globalen Warenströmen warnen die Pflanzenzüchter, dass die politisch vorgegebene, aber wissenschaftlich unhaltbare Nulltoleranz für GVO-Spuren im Saatgut von der europäischen und damit auch deutschen Landwirtschaft nicht eingehalten werden kann. Auch sogenannte falsch positive Ergebnisse können nicht ausgeschlossen werden.

Pflanzenzüchter und Landwirte brauchen harmonisierte Methoden für Probenahme und Analytik zur Vereinheitlichung und verlässlichen Reproduzierbarkeit von Ergebnissen, um unnötige, gegebenenfalls auch unrechtmäßige Umbruchaktionen wertvoller Feldbestände zu vermeiden. "Leider ist es uns hier bislang nicht gelungen, gemeinsam mit der Politik eine Lösung zu finden. Ungeachtet dessen werden wir weiterhin für die Etablierung von Saatgutschwellenwerten - wie sie im Übrigen in anderen Wirtschaftsbranchen ganz üblich sind - kämpfen", sagt Schäfer weiter.


Exzellenz ausbauen

Deutsche Pflanzenzüchter genießen in der Welt einen hervorragenden Ruf. Die gute Zusammenarbeit zwischen Forschung und praktischer Züchtung ist ein wesentlicher Punkt für die Exzellenz der Branche. "Das vergangene Jahr hat uns allen gezeigt, wie notwendig eine innovative Pflanzenzüchtung ist, um Antworten auf die Fragen der Welternährung und des Klimawandels zu finden", betont Schäfer. (bdp)
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