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14.06.2010 | 12:31
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Bienensterben lehrt US-Farmer das Fürchten
New York - Es mutet an wie ein Hitchcock-Szenario: In den USA verlassen Arbeiterbienen zu Tausenden ihre Stöcke, urplötzlich, ohne Warnzeichen und ersichtlichen Grund.

Bienensterben lehrt US-Farmer das Fürchten
Sie schwärmen aus in die Ferne, verenden dort aber bald geschwächt und aus Mangel an der Nahrung, die sie zurückgelassen haben. Ebenso besiegelt ist das Schicksal ihrer Königin und der Brut: Sie können allein nicht überleben. Seit 2006 hat das Phänomen, für das es bis heute keine eindeutige Erklärung gibt, maßgeblich zum Verlust amerikanischer Bienenvölker beigetragen. Ihre Zahl sank landesweit um bis zu 50 Prozent.


Allein in diesem Winter verloren Imker wieder jedes dritte Volk (33,8 Prozent)

Das ergab eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Imkerei-Inspektoren und des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA). Vor 2006 waren nur etwa 10 bis 15 Prozent der Bienenkolonien im Winter eingegangen. Zwar gehen nicht alle Einbußen auf das Konto der mysteriösen Verhaltens, das inzwischen als Colony Collapse Disorder (CCD) bekannt ist - auf Deutsch Völkerkollaps.

Ein Teil der Bienenvölker verhungerte der Umfrage zufolge zwischen Oktober 2009 und April 2010, andere fielen der Kälte zum Opfer oder waren zu schwach zum Überleben. Fast jeder dritte Züchter aber fand seine Bienenstöcke eines Tages leer vor, ein sicheres Zeichen für CCD. Der Trend könnte für Amerikas Farmer und die Bevölkerung, die sie ernähren, bedenkliche Folgen haben.


Jeder dritte Bissen, der in den USA verzehrt wird, ist der Bestäubung von Honigbienen zu verdanken

Die Insekten befruchten rund 90 Obst- und Gemüsearten - Äpfel, Avocados, Blau- und Erdbeeren, Kiwis, Kirschen, Melonen, Sojabohnen und Zitrusfrüchte, sogar einige Getreidesorten. Ihr Anteil an dem Prozess liegt bei 80 Prozent, den Rest erledigt der Wind.

Da Bienen auch das Rinderfutter Luzerne bestäuben, ist selbst die Viehzucht von ihrem Schwund betroffen. Der kommerzielle Wert der Bienen wird, gemessen an ihrer Arbeit in der US-Landwirtschaft, auf 15 bis 20 Milliarden Dollar (12 bis 17 Milliarden Euro) im Jahr geschätzt, schrieb ein USDA-Experte in der Zeitung «West Central Tribune» im ländlichen Willmar (US-Bundesstaat Minnesota).

Ohne den Einsatz der Bienen steht es schlecht um die Versorgung der US-Bevölkerung, warnt USDA-Forscher Kevin Hackett. Hackett gehört einem Team von US-Wissenschaftlern an, das für das Ministerium nach den Ursachen des Bienensterbens forscht und die Ergebnisse 2009 in einem ersten «CCD Progress Report» vorstellte.


Das Team fand Milben, vor allem Varroa-Milben, in den toten Bienenstöcken

Es erbrachte den Nachweis für ein Virus (Israel Acute Paralysis Virus), das zu einem zitternden Flügelschlag führt und die Bienen lähmt. Sie sterben fast immer außerhalb ihres Stocks. Mangel- und Fehlernährung schwächen ihre Abwehrkräfte weiter.

Schädlich ist offensichtlich auch der Maissirup (High Fructose Corn Syrup - HFCS), den viele Imker ihren Bienen im Winter als Zusatz geben. Durch den einseitigen Einsatz auf bestimmten Fruchtplantagen fehlt den meisten Bienenvölkern eine gesunde Vielfalt an Pollen.


Ein weiterer Faktor sind Pestizide

Unter Verdacht haben die Forscher vor allem die neueren Schädlingsbekämpfungsmittel auf Nikotinbasis (Neonicotinoide), die bis in die Pollen und den Nektar behandelter Pflanzen vordringen. Für den Insektenforscher Steve Sheppard von der Staatlichen Universität von Washington steht fest, dass Stress dem Immunsystem der Bienen zusetzt: Amerikanische Imker kreuzen vom Frühling bis in den späten Herbst mit Riesenlastern durchs Land und setzen ihre summende Fracht saisonbedingt mal in Florida und bald darauf in Alaska oder Maine zum Bestäuben aus.

«Wahrscheinlich schwächt die Kombination verschiedener Faktoren und ihre Wirkung aufeinander unsere Bienen», folgern die Experten in ihrem Bericht. (dpa)
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