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24.01.2011 | 15:52
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Europas Bienen geht es schlecht
Brüssel - Die Bienen in Europa sind in Gefahr.

Sorgen um Bienen
Ihr rätselhaftes Sterben bedeutet große wirtschaftliche Verluste für die Europäische Union. Die Brüsseler Kommission will die Insekten retten - mit einem EU-Bienenlabor.

Viele Menschen könnten wohl auch ohne Honig leben - doch ohne Bienen geht es nicht. Die Insekten liefern nicht nur den süßen Brotaufstrich, sondern bestäuben vor allem Blüten. Damit sichern sie die Existenz von Pflanzen und sorgen für gute Erträge der Bauern. Ohne die Tiere wäre beispielsweise die Obsternte bedroht. Wenn Bienen sterben oder kränkeln, betrifft das alle, warnt die Europäische Kommission. Und genau das ist seit Jahren der Fall.

«Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen ist sehr, sehr besorgniserregend», warnte Ungarns Agrarminister Sandor Fazekas am Montag bei einem Treffen mit Amtskollegen in Brüssel. Ungarn führt turnusmäßig die Amtsgeschäfte der Union. Bislang sei zu wenig getan worden, um das Ausmaß des Bienensterbens einschätzen zu können, schreiben EU-Fachleute in einem Bericht.

Nun zwingt das weltweite Sterben der Pflanzen-Bestäuber, die als wichtigste Nutztiere nach Rind und Schwein gelten, die EU-Kommission zum Handeln. «Es ist ernst», sagt EU-Agrarkommissar John Dalli. Um die rätselhafte Bienen-Krankheit aufzuklären, brauchen Forscher Daten aus allen EU-Mitgliedsländern und standardisierte Messmethoden. Die Kommission eine einheitliche Bienenforschung aufbauen.

Bis spätestens April soll in Frankreich ein sogenanntes EU-Referenzlabor zur Bienengesundheit entstehen. Wichtigste Aufgabe der Forscher wird es sein, ein Pilotprogramm zur Überwachung von Bienenvölkern zu erarbeiten - auf Wunsch der Kommission bis Ende des Jahres.

Der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske, lobt die Initiative: «Untersuchungen und Ergebnisse werden durch das Referenzlabor EU-weit standardisiert.» Derzeit forsche jedes Land in eine andere Richtung. Ein Labor sei jedoch nur ein Schritt auf dem Weg zur Rettung der Bienen. Das weiß man auch in Brüssel. Die Kommission appelliert an die Industrie, neue Medikamente für Bienen zu entwickeln. Außerdem sollten Imker besser geschult werden.

Europa braucht die Insekten. Bienen und andere Bestäuber bringen der EU-Landwirtschaft nach Angaben der Behörde jährlich rund 22 Milliarden Euro ein. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (NABU) schätzt, dass in Deutschland bis zu 80 Prozent aller Pflanzen von Insekten bestäubt werden müssen und ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von ihnen abhängt. NABU-Präsident Olaf Tschimpke sagt: «Ihr weltweiter Rückgang gefährdet die Lebensmittelsicherheit und die Vielfalt an gesunden Lebensmitteln.»

In Deutschland erregte ein Massensterben der Bienen 2002/2003 große Aufmerksamkeit. Damals soll eine Milbe verantwortlich gewesen sein - fast ein Drittel der deutschen Bienenvölker verendete. Doch es bleiben Fragen offen: Die Milbe kann aus Expertensicht nicht erklären, warum auch weiterhin europa- und weltweit Bienen kränkeln.

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes lag die Bienensterblichkeit in Deutschland im vergangenen Jahr bei 15 Prozent. Bei Imkereien, die nicht wissenschaftlich betreut würden, seien es sogar 30 Prozent gewesen, berichtet Präsident Maske: «Das ist sehr hoch.»

Die Ursachen für den schlechten Gesundheitszustand der Bienen liegen nach Kommissionsangaben weitgehend im Dunkeln. Forscher nennen häufig Krankheitserreger, Vergiftungen durch Pestizide, Klimaveränderungen sowie Methoden von Imkereien. Immer wieder wird außerdem beklagt, den hochempfindlichen Honigbienen gingen durch einseitige Landwirtschaft das Futter und die Lebensräume aus.
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Nutztier EU EU-Referenzlabor europäische-Bienen Bienenvölker Pflanzen-Bestäuber Gesundheitszustand Bienengesundheit

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