Europaweiter Handlungsbedarf bei Campylobacteriosen Wien - Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat gestern ihren 2. Bericht zu "Campylobacter in Mastherden von Hühnern und Masthähnchen" veröffentlicht. |
Während die vorangegangene Grundlagenstudie im März 2010 eine europaweite Datenerhebung zum Vorkommen von Campylobacter zum Ziel hatte, werden nun jene Faktoren beleuchtet, die zur Verbreitung in Mastherden von Hühnern und auf Masthähnchen führen. Die von der Europäischen Kommission angesprochene negative Entwicklung im Bereich der Campylobacteriosen gilt auch für Österreich und bestätigt den in den vergangen Jahren steigenden Trend der Fallzahlen. Die von der EFSA vorgeschlagenen Maßnahmen decken sich mit den Erkenntnissen der im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eingerichteten österreichischen "Task-Force Campylobacter". Reduktionsprogramme laufen über Jahre, bis klare Erfolge erkennbar sind. Wie beim ehemals massiven Problem der Salmonellen soll dies auch im Fall Campylobacter in Angriff genommen werden.
EFSA: Hauptrisikofaktoren für die Kontamination mit Campylobacter
- Einzelne geschlachtete Masthähnchen, die aus mit Campylobacter kolonisierten Mastherden stammen, tragen ein um 30% höheres Risiko, mit Campylobacter kontaminiert zu sein als jene aus nicht kolonisierten Herden.
- Ebenso kann beobachtet werden, dass höhere Campylobacter-Keimzahlen auf Masthähnchen mit der Campylobacter Kolonisierung der Herde stark assoziiert sind.
- Kontaminierte Masthähnchen können auch bei nicht kolonisierten Herden gefunden werden, was auf eine Kreuzkontamination am Schlachthof hindeutet. Der Schlachthof scheint in der Verbreitung der Campylobacter neben der Primärproduktion (Mäster) eine zentrale Rolle zuzukommen.
- Weitere Risikofaktoren stellen das Alter der geschlachteten Tiere ("Je älter, desto höher belastet."), der Schlachtzeitpunkt während eines Tages ("Je später, desto eher kontaminiert.").
- Signifikante Assoziationen zur Besiedlung von Herden mit Campylobacter werden betreffend fraktionierte Schlachtung ("Thinning") jedoch nicht betreffend der Haltungsform ("Bio" oder andere) gefunden.
Situation in Österreich
Im Jahr 2009 wurden in Österreich 5.510 humane Campylobacter-Infektionen ("Campylobacteriosen") registriert. Damit stellt Campylobacteriose weiterhin die häufigste lebensmittelassoziierte Infektion in allen Bundesländern dar. Die im Jahr 2008 von der EFSA durchgeführte und im März 2010 veröffentlichte 6. Baseline Study weist darauf hin, dass ungefähr die Hälfte der menschlichen Infektionen mit Campylobacterkeimen auf den Genuss von unsachgemäß zubereiteten Geflügelprodukten zurückzuführen ist. Darüber hinaus sind andere Infektionsquellen wie Trinkwasser, nicht-pasteurisierte Milch und Milchprodukte sowie enger Kontakt mit Haustieren zu berücksichtigen. Zur Ausarbeitung von Bekämpfungsmaßnahmen in der Primärproduktion wurde im BMG eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Belastung mit Campylobacterkeimen zu reduzieren.. Die AGES hat in diesem Zusammenhang mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien einen Campylobacter-"Schnelltest" entwickelt. Dieser Test zum direkten Nachweis von Campylobacter aus Hühnerkot erlaubt aufgrund einer einfachen Probenaufbereitungsmethode ein schnelles und sicheres Ergebnis unter Feldbedingungen in der Herde.
EFSA-Maßnahmen zur Bekämpfung von Campylobacter
Es können viele Ergebnisse dieser EU-weiten Studie auf Österreich umgelegt werden. So auch die von den österreichischen Experten ausgesprochenen Bekämpfungsstrategien, die in vergleichbarer Form in der EFSA-Publikation enthalten sind: Es wird vorgeschlagen, ein ganzheitliches Bekämpfungsprogramm durchzuführen, das sowohl die Primärproduktion als auch den Schlachtprozess integriert, um eine Kontamination der Masthähnchen zu verhindern oder zu reduzieren und somit den Schutz der öffentlichen Gesundheit zu verbessern. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wird in Österreich Geflügel meist als "frisches Produkt" (keine Tiefkühlware) konsumiert. Diese Konsumgewohnheit schließt ein Tieffrieren der Geflügelkarkassen aus und erschwert auch so genannte "all-in/all-out"-Verfahren in der Mastgeflügelerzeugung. Aus diesem Grund muss aber an dieser Stelle wieder darauf hingewiesen werden, dass eine gute Küchenhygiene bedeutend dazu beiträgt, das Infektionsrisiko für jede/n einzelne/n Konsumenten/-in massiv zu vermindern. Als Alternative bietet sich auch der Kauf von tiefgefrorenen Masthähnchen an, da durch das Tieffrieren eventuell vorhandene Campylobacter zu einem großen Teil abgetötet werden.
Konsumenten/-innen Tipp: Küchenhygiene beste Prävention gegen Erkrankung
- Küchenhygiene ist neben behördlichen Maßnahmen einer der Schlüssel in der erfolgreichen Bekämpfung von Erkrankungen mit Campylobacter wie auch Salmonellen.
- Lebensmittel - insbesondere Fleisch, Geflügel und Eier - sollen gut abgekocht und im gekochten Zustand nicht über mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.
- Nach dem Hantieren mit rohem Geflügelfleisch ist das gründliche Waschen der Hände unverzichtbar, insbesondere bevor weitere Küchenarbeiten begonnen werden.
- Das Auftauwasser von gefrorenem Fleisch sollte sofort in den Ausguss geleert und dieser heiß nachgespült werden.
- Sämtliche Arbeitsflächen und -geräte, die mit rohem Geflügel oder rohem Ei in Kontakt waren, sind mit Spülmittel und heißem Wasser zu reinigen. Im Unterschied zu Salmonellen kommt Eiern für Campylobatcer-Erkrankungen aber keine relevante Bedeutung als Infektionsquelle zu.
- Frisch zubereitete Speisen, sofern sie nicht sofort verzehrt werden, abkühlen lassen und anschließend unverzüglich im Kühlschrank aufbewahren.
- Campylobacter und Salmonellen wachsen generell in einem Temperaturbereich von 10° bis 47° C und werden durch Einfrieren nicht abgetötet. Als gesicherte Keimabtötung gilt ein Erhitzen auf über 70° C für mindestens 15 Sekunden. (ages)
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