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19.07.2011 | 18:36
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Ölpest vor Chinas Küste: Jetzt kommen Algen
Peking - Eine heftige Algenplage folgt der Ölkatastrophe in der Bohai-Bucht an der nordostchinesischen Küste.

Ölverschmutzung (Foto: © mystock - Fotolia.com)
Die chinesische Zeitung «Nanfang Dushibao» zitierte am Dienstag einen Experten, die Algen wüchsen massenhaft nahe der Förderplattformen, an denen das Öl ausgetreten sei. Nach offiziellen Angaben ist die Küste von der Ölpest nicht betroffen. Umweltschützer berichteten allerdings von der nahe gelegenen Insel Changdao, dass Dorfbewohner ungewöhnlich viele Ölreste am Strand finden.

Ein Fischsterben in Züchtereien auf den anderen Inseln Daqing und Tuoji habe mit der Ölpest nichts zu tun, befanden das Landwirtschaftsministerium und die staatliche Meeresbehörde (SOA). Untersuchungen der Fische und des Wassers hätten keine unzulässig hohen Ölspuren ergeben. Experten gingen von einer möglichen bakteriellen Infektion in der Fischaufzucht aus.

Durch zwei Lecks bei Ölbohrungen an den zwei Plattformen im Juni waren nach Angaben des Ölunternehmens ConocoPhillips China (COPC) 1500 bis 2000 Barrel Öl ausgelaufen. Die undichten Stellen seien inzwischen verschlossen, hieß es.


Schwamm drüber? - Ölpest lässt sich schwer verstecken

Der Umgang mit der Ölkatastrophe in der Bohai-Bucht am Gelben Meer hat in China einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Betreiber des großen Offshore-Ölfelds, sondern auch gegen zaudernde Aufsichtsorgane. Die staatliche Ozean-Verwaltung (SOA) hatte wochenlang über die Lecks geschwiegen. Dann kam die Wahrheit auch nur langsam ans Licht - via Internet-Blogs. Erst als die Meereshüter zunehmend ins Kreuzfeuer gerieten, gingen sie in die Offensive und ordneten in der vergangenen Woche einen Förderstopp auf den zwei betroffenen Plattformen des Ölfelds Penglai 19-3 an.

Angeprangert werden jetzt ConocoPhillips China (COPC), die chinesische Tochter des amerikanischen US-Ölunternehmens aus Houston (Texas), sowie seine Partner vom staatlichen chinesischen Ölkonzern China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Beide versichern, dass die Lecks inzwischen gestopft seien. Chinesische Beobachter zogen Vergleiche zu der Ölkatastrophe von BP im vergangenen Jahr im Golf von Mexiko. Auch wurde daran erinnert, wie im vergangenen Sommer das Ausmaß einer Ölkatastrophe an einer Pipeline nahe der Hafenstadt Dalian auch nicht offiziell mitgeteilt wurde.

Erst sechs Wochen nach Entstehen des ersten Lecks am Grund der flachen Bucht an der nordostchinesischen Küste enthüllten die Behörden nun in der vergangenen Woche: Die Verschmutzung umfasst mit 4250 Quadratkilometern eine etwa fünfmal größere Fläche als anfänglich mit 840 Quadratkilometern zugegeben. Weitere 3400 Quadratkilometer seien in geringerem Maße verunreinigt, berichtete die Meeresbehörde. Zusammen entspricht das einer Fläche von etwa der Hälfte Schleswig-Holsteins.

Es waren chinesische Blogger, die die Ölunfälle am 4. und 17. Juni via Internet publik machten. Erst am 5. Juli traten die Meeresverwalter von der SOA an die Öffentlichkeit. «Nicht akzeptabel», fand die vom kommunistischen Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegebene englischsprachige Zeitung «Global Times» und schrieb: «Wir können nicht anders, als uns zu wundern. Ist die SOA eine ernstzunehmende Aufsichtsbehörde, die größere Zwischenfälle verhindern soll, oder die liebende Mutter, die übermäßig ihre eigenen Kinder schützt?»

In Blogs im Internet zog ein Sturm der Entrüstung auf. Auch das benachbarte Südkorea, dessen Fischer das Gelbe Meer befahren, fühlte sich «im Dunkeln gelassen», wie seine Medien beklagten. Das Unglück werde heruntergespielt. «Chinas Schweigen über die Schäden durch die Öllecks schadet seiner Glaubwürdigkeit», befand das südkoreanische Blatt «Chonsun Ilbo».

Als der Druck zunahm, ging Chinas Meeresbehörde in Vorwärtsverteidigung über und nahm das Ölunternehmen ins Visier. «COPC hat es nicht geschafft, die Situation vollständig unter Kontrolle zu bringen. Seine Bemühungen, die Ursachen der Lecks zu finden und sie zu stopfen, waren langsam», begründete das Amt vergangene Woche den Förderstopp: «Ein weiteres Leck kann jederzeit auftreten, was eine enorme Gefahr für die Bohai-Bucht darstellt.»

Elf chinesische Umweltorganisationen schrieben einen Brief an Aufsichtsgremien der Aktienmärkte in New York und Hongkong, wo ConocoPhillips und CNOOC gelistet sind, und forderten eine Untersuchung. Angeblich wird eine Klage erwogen. Das US-Unternehmen bestreitet jede Vertuschung: «ConocoPhillips reagierte schnell auf beide Vorfälle.» Eine umfassende Säuberung laufe. «Zuständige Behörden wurden umgehend unterrichtet, zusammen mit CNOOC.»

Kopfschütteln erntete in China auch die geringe Geldstrafe in Höhe von 200 000 Yuan, umgerechnet 22 000 Euro, die gegen ConocoPhillips verhängt wurde. Es ist die höchste vom chinesischen Gesetz vorgesehene Strafe für solche Fälle - «minimal im Vergleich zu dem Schaden an der Umwelt», kommentierte die «China Daily» und beklagte: «Es ist dieses hohe Maß an Toleranz und die nachsichtige Bestrafung, die es so schwer machen, den Kampf zum Schutz der Umwelt in China zu gewinnen». (dpa)
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Ölbohrung China Fischsterben Ölkatastrophe Ölunfall-China Ölunfall Ölpest Bohai-Bucht Fischzucht CNOOC

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