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17.08.2010 | 21:28
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Selten und scheu: Deutschlands größte Schlangenart
Schlangenbad - Egon ist es an diesem Sommermorgen einfach zu heiß, oder er ist vor den Eindringlingen getürmt.

Äskulapnatter (Foto: Nabu Deutschland)
Auf jeden Fall ist die 1,50 Meter lange Äskulapnatter wie vom Erdboden verschluckt. Bis Biologe Andreas Malten auf einer Wiese in der Nähe von Schlangenbad ein paar Grasbüschel entfernt, mit beiden Händen kurz in der Erde buddelt und dann entschlossen zupackt. «Das ist Egon», sagt der 55- Jährige und hält die Schlange nach oben. Züngelnd ringelt sich der braun-gelbe Schlauch um den Arm des ungebetenen Gastes. Die Heimat der Schlange ist ein waldiges Gebiet westlich von Wiesbaden.

Auf etwa 100 Quadratkilometer Fläche lebt in mildem Klima die größten Schlangenart Deutschlands. Vorkommen der Äskulapnattern gibt es auch noch in drei weiteren, voneinander isolierten Gegenden im Odenwald und in der Nähe der bayerischen Städte Passau und Burghausen. Doch der größte Bestand wird in Rheingau und Taunus vermutet.

Egon ist auch deshalb ein besonderes Exemplar, weil ihm ein Peilsender eingepflanzt wurde. Damit erhofft sich die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen mehr Erkenntnisse über die vom Aussterben bedrohte Schlangenart. Und nur deshalb ist es Malten überhaupt gelungen, das so scheue Tier mit Hilfe einer Funkantenne aufzuspüren. Wer Äskulapnattern beobachten will, braucht Glück und Geduld. «In der Regel führen sie ein verstecktes Leben und sind selten zu sehen», sagt Schlangenexperte Malten, der für das Frankfurter Senckenberg-Institut arbeitet.

Oft suchen die Tiere aber doch die Nähe zum Menschen, oder besser gesagt: zu deren Kompost- oder Misthaufen. Und so kommt es ab und zu vor, dass ein Anwohner eine Schlange in seinem Gartenhaus findet. Angst muss aber niemand haben. Äskulapnattern, die so lang werden können wie ein Erwachsener groß ist, sind für den Menschen nicht gefährlich. Sie haben kein Gift, und ein Biss der kleinen, spitzen Zähne schmerzt einen Menschen etwa so wie ein kleiner Nadelstich.

Die Nattern bevorzugen als Nahrung kleine Nagetiere wie Wühlmäuse, die sie erwürgen oder erdrücken. Ab und zu schnappen sie sich ein Vogelei, denn sie können auch ganz gut auf Bäume klettern. In Schlangenbad ist es kein großer Aufreger mehr, wenn irgendwo eine Schlange auftaucht, wie Thomas Wenzler von der Gemeindeverwaltung erzählt. Die Anwohner hätten eine besondere Beziehung zu der Schlange und seien auch ein bisschen stolz, «weil man ein Wahrzeichen bei sich zu Hause weiß». Denn bekannt ist die Schlange auch, weil sie Symbol von Ärzten und Pharmazeuten für die Heilkunst ist. Die mit einer Schlange umwickelte Schale ist noch heute auf vielen Apothekenschildern zu sehen.

Dass dieser Schlangenart besondere Heilkräfte zugeschrieben werden, geht auf die griechische Mythologie zurück. Benannt ist die Natter nach Asklepios, dem Gott der Heilkunst. Unter anderem soll er als Schlange verkleidet Rom vor der Pest gerettet haben. Auf vielen antiken Darstellungen ist der Gott mit einem Schlangenstab abgebildet. Heute muss die Äskulapnatter selbst auf Rettung hoffen, weil ihr Lebensraum durch den Menschen immer weiter eingeschränkt wird. Bis 2014 läuft ein Forschungsprojekt in der Gegend von Rheingau und Taunus sowie im südlichen Odenwald, das mehr Erkenntnisse über die scheuen Tiere bringen soll.

Wie groß ist ihr Lebensraum wirklich? Wo legen die Weibchen ihre Eier ab? Auch ist wenig bekannt darüber, wo die Schlangen, die 20 bis 30 Jahre alt werden können, überwintern. Antworten auf diese Fragen könnten dabei helfen, ihr Überleben zu sichern. Die Tiere werden dazu - soweit möglich - gefangen, markiert und dann wieder freigelassen. Einige wie Egon, den die Biologen so benannt haben, erhalten einen Peilsender eingepflanzt. Man will die Tiere aber so wenig wie möglich stören. Und so erlöst Malten auch Egon wieder, vorsichtig setzt er ihn auf dem Boden ab. Schnell schlängelt sich die Natter in das Erdloch, um Ruhe vor den Eindringlingen zu haben. (dpa)
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