Mehr Unternehmen als vor zwei Jahren achteten darauf, dass ihre Lieferungen von Plantagen kommen, für die kein tropischer Regenwald gerodet worden sei, berichtet der
WWF in einer neuen Studie. Es werde allerdings doppelt so viel Palmöl mit dem Gütesiegel des «Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl» (RSPO) angeboten wie tatsächlich gekauft werde. «Das frustriert manche Produzenten, die sich fragen, wie der Markt sich entwickelt», heißt es in der Studie, die der WWF am Dienstag zum Treffen der im RSPO organisierten 542 weltgrößten Produzenten, Händler und Käufer in Kota Kinabalu in Malaysia vorlegt.
«Tropische Wälder für Palmölplantagen zu roden, ist eine Gefahr für Tiere, Bewohner und die Umwelt» heißt es in der Studie. «Vor allem, weil die Abholzung stark zu den von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen beiträgt.» Palmöl befindet sich in rund der Hälfte aller Lebensmittel, darunter Margarine und Schokolade, und auch in Waschmitteln und Kosmetika.
Vorreiter beim Einsatz von nachhaltigem Palmöl in Deutschland sind nach WWF-Angaben die Firma Henkel und der Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz. Sie erhielten bei einer Analyse von 63 deutschen Unternehmen Top-Wertungen. 23 Firmen erhielten mehr als die Hälfte der möglichen Punktzahl. Bewertet wurde unter anderem, ob die Firmen sich verpflichtet haben, auf nachhaltiges Palmöl umzustellen, und ob und wie viel nachhaltiges Palmöl sie verwenden. Der Runde Tisch hat 60 Mitglieder aus Deutschland.
«Nachhaltiges Palmöl ist zumindest in Deutschland kein Ladenhüter mehr», sagte Martina Fleckenstein vom WWF Deutschland. «Die Befragung ist aber eine Momentaufnahme und kein Blankoscheck für die Zukunft.»
Die Hauptproduzenten für Palmöl sind Malaysia und Indonesien. Palmöl macht etwa ein Drittel der weltweit produzierten 151 Millionen Tonnen Pflanzenöl aus. Zehn Prozent davon sind von der RSPO zertifiziert. Von den rund 50 Millionen produzierten Tonnen Palmöl gehen jedes Jahr 1,3 Millionen Tonnen nach Deutschland. Der WWF schätzt, dass der Bedarf von heute 50 auf 77 Millionen Tonnen im Jahr 2050 steigen wird.
Von 132 Firmen, die der WWF weltweit untersuchte, haben 66 Prozent sich verpflichtet, bis 2015 oder eher nur noch nachhaltiges Palmöl zu verwenden. Topnoten erhielten in der internationalen Bewertung unter anderem die zu Wal-Mart gehörende britische Supermarktkette Asda, die britische Drogeriekette Boots und die Schweizer Supermarktkette Coop. (dpa)