Er ernährt sich, wann immer möglich, vegan und kauft nur Klamotten, die fair gehandelt und pestizidfrei sind. Aber cool müssen sie sein, wie die Kölner Marke «Armedangels». Er konsumiert politisch: «Diese kleine Macht, die wir alle durch das Geld haben, muss eingesetzt werden.»
Konrad Götz vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt beschäftigt sich mit Lebensstilen. «LOHAS» charakterisiert er so: «Sie sind jung, technikaffin, konsumfreundlich und überwiegend auch industriefreundlich, solange die Industrie keinen Mist baut.» Und: «Es gehört mit zu den neuen Ökos, dass die Sachen gut designt sind, dass sich der Hedonismus und der Spaß mit der Ökologie verbindet.» Geprägt hat den Begriff «LOHAS» (Lifestyle of Health and Sustainability/Lebensstil auf Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit) der US-Soziologe Paul Ray im Jahr 2000.
Inzwischen nennt man den Typus auch «Öko 2.0». Er sei zwischen 25 und 40 Jahre alt, sagt Götz, und mache derzeit rund zwölf Prozent der Bevölkerung aus. Tendenz steigend. Er wisse um sein Marktpotenzial und setze seine Macht als Konsument ein wie die Alt-Ökos ihre Demos.
Öko-Blogger und Carrotmobs
Als Plattform für seine Aktionen nutzt der «Öko 2.0» das Internet: Als Greenpeace beispielsweise darauf aufmerksam machte, dass für Palmöl in Schokoriegeln Regenwälder abgeholzt würden, posteten auf der «Kitkat»-Facebook-Seite viele der rund 700.000 Anhänger wütende Kommentare. Die Fanpage lief so aus dem Ruder, dass die Firma Nestlé sich nicht anders zu helfen wusste, als sie aus dem Netz zu nehmen.
Der Frankfurter Christoph Harrach (36), Yoga-Lehrer mit BWL-Diplom, schrieb in seinem Blog «KarmaKonsum» zunächst hobbymäßig über Nachhaltigkeitstrends. Im Juni organisierte Harrach nun schon die vierte Auflage der bundesweit bekannten «KarmaKonsum Konferenz» - mit anderen Öko-Bloggern, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, Forschern und Unternehmern.
«Wir brauchen Greenpeace und Kampagnen, die sich massiv mit den Konzernen anlegen», sagt Harrach. Er selbst setzt aber eher auf «positive Anreize». Statt gegen Atomkraft zu protestieren, könne man doch auch eine Stromwechselparty organisieren, bei der sich die Feiernden für Ökostrom entscheiden.
Harrach organisiert auch «Carrotmobs». Lauter Leute kaufen nach einem Aufruf im Internet gleichzeitig ein Geschäft «leer», weil der Inhaber versprochen hat, einen bestimmten Teil seiner Einnahmen in den umweltfreundlichen Umbau des Ladens zu stecken. Beim 1. Frankfurter «Carrotmob» kamen in einem Reformhaus im vergangenen Dezember 5.000 Euro Umsatz zusammen. Der Name spielt auf Esel an, die das tun, was man will, wenn man ihnen eine Karotte hinhält.
Guerilla Gardening und Critical Masses
Harrach buddelt auch an öffentlichen Plätzen Pflänzchen ein oder wirft mit Blumensamen um sich - «Guerilla Gardening». Und er radelt in «Critical Masses» mit. Dazu gibt es Anleitungen im Netz. Finden sich mehr als 15 Radler zusammen, dürfen sie laut Verkehrsordnung eine Fahrbahn für sich beanspruchen. Fährt der erste noch bei Grün über die Ampel, dürfen die anderen bei Rot folgen. Sie wollen zeigen: Die Straßen gehören nicht nur den Autos.
Die Macht der Ökos übers Netz hält Lebensstilforscher Götz allerdings für begrenzt. «Ich glaube zwar, dass das Medium unglaubliche Beschleunigung bringt, aber früher gab es auch Telefone:
Da rief man zehn WGs an, um sich rasch zu versammeln.» Ein Ende der neuen Öko-Bewegung ist für den Experten nicht in Sicht: «Bei den Jungen ist eine starke Gruppe, die wieder sozial und ökologisch engagiert ist, und die wird lange so bleiben.»
Götz weist aber auch auf eine andere Gruppe hin, «die genau andersherum läuft: Anti-Ökologen, die militant gegen das Thema sind». Diese bewegten sich im einstelligen Prozentbereich und seien noch namenlos. (dpa)