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16.09.2008 | 09:51
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Ahnenforschung bei Petersilie
Quedlinburg - 219 mal Petersilie - von kraus bis glatt, von Wurzel bis Blatt - so viele Sorten umfasst die Weltkollektion der grünen Gewürzpflanze.

Ahnenforschung bei Petersilie
Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Quedlinburg und der Deutschen Genbank des Leibnizinstitutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben haben sie alle untersucht. Ihr Ziel war es, u.a. Unterschiede in der Zusammensetzung der flüchtigen Inhaltsstoffe, die dem Küchenkraut sein typisches Aroma verleihen, in Relation zu ihren Genen zu bringen. Es stellte sich heraus, dass sich einerseits äußere Merkmale der Pflanze mit bestimmten Genotypen decken und sich letztlich auch verschiedenen Chemotypen zuordnen lassen.

So ergaben die molekularen Analysen, dass sich alle 219 getesteten Herkünfte, unter ihnen ein hoher Anteil alter Landsorten, klar zwei großen Gruppen zuordnen lassen. Ein Blick auf die Merkmale ergab, dass alle Wurzelpetersilien ausnahmslos zu der nur 87 Genotypen umfassenden Gruppe gehörten. Alle Petersilien mit krausen Blättern tauchten in der größeren Gruppe mit 132 Genotypen auf. Die Arten mit glatten Blättern verteilten sich auf beide Gruppen.

"Auf die Verwandtschaftsverhältnisse übertragen bedeutet dies, dass der Urahn der Petersilie wahrscheinlich glatte Blätter und eine ungenießbare Wurzel hatte. Formen mit rübenartig verdickter, essbarer Wurzel haben sich später herausgebildet. Alle krausblättrigen Typen haben ebenfalls einen jüngeren gemeinsamen Nachfahren", interpretiert Dr. Frank Marthe vom JKI das Ergebnis. Besonders interessant ist, dass z.B. alle Petersilien aus Nordafrika (Tunesien und Libyen) zur kleineren Gruppe gehören. "Das zeigt, dass hier unter speziellen klimatischen Bedingungen nur bestimmte Formen überleben konnten, während im Rest der Welt verschiedene Typen weiterkultiviert wurden", erklärt der Wissenschaftler vom JKI.

Die chemischen Analysen der Zusammensetzung der ätherischen Öle ergaben für vier Bestandteile ebenfalls eine weitgehende Übereinstimmung mit den ermittelten Herkunftsgruppen. Unter den getesteten Petersilien gab es solche, die sich als Myristicin-Typen klassifizieren lassen aber auch solche, die reine Apioltypen sind. So liegen beispielsweise die Apoilgehalte der kleineren Gruppe unter einem Prozent, während in der größeren Gruppe der Gehalt bei durchschnittlich 15 Prozent liegt. Für den geruchsintensiven Stoff Myrcen kehren sich diese Verhältnisse genau um. Beide Stoffe (Apiol und Myrcen) sind für die krampflösende, mild harntreibende und stark uterusanregende Wirkung von Petersilienfrüchten mitverantwortlich. Myristicin sorgt für eine typisch würzige Muskatnussnote. Der Geschmackseindruck ist scharf.

Die Ergebnisse dieser ersten Verwandtschaftsanalyse von Petroselinum crispum, so der wissenschaftliche Name der Petersilie, sind wichtig für weitere Untersuchungen der Steuerung von Stoffwechselprozessen aber auch für die Züchtungspraxis beispielsweise wenn es um den Zusammenhang zwischen Inhaltsstoffen und bestimmten pflanzlichen Resistenzeigenschaften gegen Schaderreger geht. Die Ergebnisse wurden vergangene Woche auf der internationalen Tagung über ätherische Öle in Quedlinburg vorgestellt.

Die Heil- und Gewürzpflanze Petersilie blickt auf eine lange Nutzungstradition zurück. So wurde sie im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen. Petroselinum crispum zählt zu den meistverwendeten Küchenkräutern in Deutschland. Die Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum var tuberosum) ist traditionell Bestandteil von Suppengrün. Auf mehr als 1.700 ha wird in Deutschland Petersilie kultiviert. (JKI)


Anbau der Petersilien-Weltkollektion auf dem Quedlinburger JKI-Gelände (Quelle: Marthe/JKI)Bild vergrößern
Anbau der Petersilien-Weltkollektion auf dem Quedlinburger JKI-Gelände (Quelle: Marthe/JKI)
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