Bauern bangen vor Wetterextremen
Nach einem turbulenten Jahr 2010 setzt sich die Kette der Wetterextreme in 2011 fort. Dürre und Frost machten auch in diesem Frühjahr den Landwirten, Forstleuten und Winzern schwer zu schaffen. Die Trockenheit und die Fröste im Frühjahr dämpfen bereits die Erwartungen an die Ernte in diesem Jahr. Weltweit rechnen Experten mit einer Zunahme derartiger Wetterextreme.
Hitze und Kälte bereiten Probleme
Die Trockenperiode in diesem Jahr hält seit Januar an. Bereits der März war in Deutschland und Österreich der sonnigste seit 1953. Die Sonnenscheindauer lag in Österreich um 40 Prozent, in Deutschland sogar um 71 Prozent über dem durchschnittlichen Wert. Hinzu kamen sehr geringe Niederschläge in dem Monat: Mit nur 22 l/m² erreichten die Niederschlagswerte in Deutschland gerade 39 Prozent des Solls, in Österreich wurden nur 25 bis 75 Prozent der üblichen Märzniederschläge gemessen. Schnee im Alpenraum war daher im März schon Mangelware. Auch in der Schweiz waren laut MeteoSchweiz im Februar/März weniger als 20 Prozent der durchschnittlichen Niederschläge gefallen.
Der April 2011 war der dritte zu warme April in Folge. In Deutschland lag die Durchschnittstemperatur mit fast 11,8 °C um 4,4 °C über dem langjährigen Mittelwert. Der Niederschlag erreichte in vielen Teilen Europas nur 40 bis 80 Prozent der Durchschnittsmenge der Jahre 1951 bis 2000. Nur 22 l/m² Niederschlag fielen im April durchschnittlich in Deutschland, das entspricht gut einem Drittel des Solls. Die Sonnenscheindauer lag mit 242 Sonnenstunden fast 60 Prozent über dem langjährigen Mittel.
Im Mai folgten auf die Sommertemperaturen zunächst Kälterekorde: Spätfröste setzten der Vegetation heftig zu. Laut DWD fiel die Temperatur am 4. Mai dieses Jahres in Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) mit minus 6,1 °C auf den tiefsten je im Mai gemessenen Wert in Deutschland (ohne Hochgebirge).
Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft
Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen hat bereits jetzt die Pflanzenentwicklung beeinträchtigt, so dass besonders bei der Raps- und Getreideernte mit Einbußen gerechnet wird. Den lückigen Rapsbeständen, die schon im Herbst unter den nassen Aussaatbedingungen gelitten haben, machte der Wassermangel besonders zu schaffen. Auf vielen Flächen musste der Raps umgebrochen werden und wurde dann oft mit Mais statt Sommerraps bestellt. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein rechnen derzeit mit Mindererträgen von 30 - 40 Prozent.
Auch die Getreidekulturen sind durch die Trockenheit beeinträchtigt. Winterweizen leidet zudem unter Nährstoffmangel, da der ausgebrachte Dünger ohne Niederschläge zur schwer verfügbar ist. Der Deutsche Bauernverband erwartet daher in diesem Jahr nur eine durchschnittliche Getreideernte, abhängig jedoch von den Niederschlägen der kommenden Wochen.
Die Forstwirtschaft klagt ebenfalls über den anhaltenden Wassermangel. Betroffen sind vor allem junge, neu aufgeforstete Kulturen und Naturverjüngungen, die besonders unter der Dürre leiden und damit auch anfälliger für Forstschädlinge werden. Diese wiederum können sich bei der trockenen Witterung besonders gut ausbreiten. Die Borkenkäferpopulation etwa nimmt derzeit überall bedenklich zu. |
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Hinzu kommt die enorme Waldbrandgefahr, vor der dieses Jahr bereits im April gewarnt wurde. Ende April wurde beispielsweise in Visp in der Schweiz ein Brand gelöscht, von dem vor allem Schutzwald betroffen war. Zahlreiche kleinere Waldbrände meldete die Feuerwehr in der ersten Mai-Hälfte in mehreren deutschen Bundesländern.
Um Ostern brannte im deutsch-belgischen Naturpark Hohes Venn in der Eifel das Hochmoor. Bei diesem größten Brand seit 60 Jahren wurden rund 1.000 Hektar Gras- und Heidelandschaft vernichtet.
Doch nicht nur die Dürre, auch ein anderes Temperaturextrem machte vor allem den Winzern und Obstbauern zu schaffen. Anfang Mai sorgten Spätfröste in vielen Regionen für massive Frostschäden. Betroffen waren vor allem die Reben im Rheinland und in der Pfalz, doch auch aus Franken, Hessen und Baden-Württemberg wurden große Schäden gemeldet. Lokal sind auch im Obstbau schwere Frostschäden bei Erdbeeren, Zwetschgen, Kirschen oder auch Kernobst zu verzeichnen. Teilweise wird sogar mit Totalausfällen gerechnet.
Aktuelle Agrarwettervorhersage
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| Wetterkapriolen bestimmten auch 2010
Im vergangenen Jahr 2010 führten global betrachtet insbesondere die Dürre in Russland mit schweren Bränden sowie die Trockenheit im Süden der USA zu schweren Ernteausfällen. Auch in Deutschland waren Erntemenge und -qualität bereits 2010 wetterbedingt stark beeinträchtigt.
Obwohl letztes Jahr die durchschnittlichen Wetterdaten nicht außergewöhnlich waren, bestimmten sehr extreme Wetterlagen das Geschehen: Schneechaos, Tornados, Regenmassen und Hitzeperioden meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Jahresverlauf.
 Enorme Schneemassen im Dezember 2010 führten vielerorts zum Ausverkauf von Streusalz und Schneeschaufeln.
Das Jahr begann mit sehr winterlichen Verhältnissen bis weit in den März. Im Februar richtete Sturmtief Xynthia schwere Schäden an. Es folgte ein trockener April und ein sehr nasser Mai mit Tornados und schweren Hagelschauern. Dauerregen im Juni führte zu Überschwemmungen. Im Juli herrschte drei Wochen lang große Hitze, andererseits führten Gewitterstürme und Tornados zu erheblichen Schäden. In August und September traten hohe Niederschlagsmengen mit erneutem Hochwasser auf. Im Dezember schließlich begann ein kalter Winter mit enormen Schneemassen. Deutschlandweit sorgte die Schmelze im Januar 2011 zu Rekordpegelständen in den Flüssen und bescherte damit in vielen Gegenden Jahrhundertüberschwemmungen.
 Jahrhundertüberschwemmungen im Januar 2011
Zahlreiche Tote durch Wetterextreme
Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re registrierte in 2010 weltweit 950 Naturkatastrophen, von denen wetterbedingte Ereignisse einen Anteil von neun Zehntel ausmachten. Nach Erhebungen des Schweizer Rückversicherers Swiss Re starben über 56.000 Menschen allein durch die sommerliche Hitzewelle und Feuersbrunst in Russland. Die Überschwemmungen in China und Pakistan im gleichen Zeitraum kosteten rund 6.200 Menschen das Leben. Die großen Versicherungsunternehmen rechnen insgesamt für die Zukunft mit steigenden Ausgaben durch Naturkatastrophen.
Längerfristige Wetterprognosen schwierig
Darin, dass Extremereignisse in den nächsten Jahrzehnten insgesamt zunehmen werden, sind sich die meisten Experten einig. Eine Studie des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), des Technischen Hilfswerks (THW), des Umweltbundesamtes (UBA) sowie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu den Auswirkungen des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse prognostiziert erheblich mehr Starkniederschläge und Überschwemmungen ab 2040. In Küstenregionen wird dann sogar mit einer Verdoppelung der Anzahl extremer Niederschläge gerechnet (Vergleichszeitraum 1960-2000).
Detaillierte längerfristige Prognosen bereiten jedoch nach wie vor Probleme. Erst Mitte April haben Meteorologen beim 6. Extremwetterkongress eine "Hamburger Erklärung" unterzeichnet, in der empfohlen wird, auf detaillierte Aussagen über das Wetter der kommenden Jahreszeit zu verzichten. Langfristige Prognosen seien zwar ein Ziel in der Meteorologie, doch man stehe noch am Anfang der Entwicklung, hieß es in der Erklärung.
Der DWD zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass Klimamodelle und Simulationen für die Wettervorhersage und Klimaprojektion bald noch aussagekräftigere Ergebnisse erreichen werden. Danach sollen auch Veränderungen bei den Extremen durch den Klimawandel in den nächsten 30 Jahren noch besser simuliert werden können. (Pp)
Wettervorhersagen für Deutschland, Österreich und die Schweiz http://www.profi-wetter.de/ http://www.profi-wetter.at/ http://www.profi-wetter.ch/
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