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ERASMUS in Italien- Weinbau südlich der Alpen | Auslandserfahrungen im Agrarbereich

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ERASMUS in Italien- Weinbau südlich der Alpen
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Titel:

ERASMUS in Italien- Weinbau südlich der Alpen

Beschreibung: Wie alles anfing

Italien- das Land, von dem aus der Wein im Gepäck römischer Besatzer seinen einzigartigen Eroberungszug durch die Länder Westeuropas angetreten hat- aus meiner Sicht konnte sich kein Land besser dafür eignen, Auslandserfahrung in meinem Studiengang „Weinbau und Oenologie“ zu sammeln!

Im Italienischkurs der Fachhochschule Wiesbaden/Geisenheim hatte ich mit zwei Kommilitonen in einem Anfall grenzenlosen Übermutes eine Teilnahme am Doppeldiplomprogramm unserer Hochschule verabredet, das uns neben dem deutschen Diplom auch den korrespondierenden italienischen Abschluss bescheren würde. Als die Anmeldefrist näher rückte und ich versuchte, mich aus unserer Abmachung herauszuwinden, blieben die beiden unerbittlich- mitgehangen, mitgefangen!

Die Anmeldung und Koordination ging sehr einfach über das Fachbereichssekretariat, wo alle notwendigen Anmeldeformulare für uns ausgefüllt wurden und auch sonst in Sachen Hochschulbürokratie keine Fragen offen blieben- alleine wären wir im Papierwust wohl ziemlich hilflos gewesen. Auch eine kleine finanzielle Förderung im Rahmen von ERASMUS (ca. 100 EUR im Monat) war für uns drin.

Endlich in Bella Italia

So kam es, dass ich an einem sonnigen Frühlingstag Anfang April 2007 die italienischen Alpen das erste Mal von der anderen Seite betrachten konnte, nachdem ich meinen altersschwachen Fiat Punto mehr oder weniger mühsam über besagtes Gebirge gequält hatte.

Mein Ziel war Cormòns, beschauliches Dörfchen nahe der slowenischen Grenze und Standort der Weinbaufakultät der Universität Udine. Eine kritische erste Begutachtung meines neuen Zuhauses „für ein Jahr“ ergab: klein, aber fein. An einem kleinen Standort zu studieren, war ich von Geisenheim bereits gewohnt. Auch die Weinberge ringsum erinnerten mich sofort an meine Wahlheimat am Rhein. Das milde Klima (in Deutschland lag zu dieser Zeit noch Schnee!) nahm mich sofort für die neue Gegend ein und in meinem Kopf formte sich sofort ein Bild vom dolce vita und lauen Sommernächten auf der Piazza mit einem schönen Glas friulanischem „Tocai“. Doch bis es soweit kam, musste noch viel Schmelzwasser die Alpen runterfließen.

Zunächst gab es nämlich jede Menge Arbeit. Gleich am nächsten Tag trafen wir, also die zukünftigen deutschen Auslandsstudenten unsere Koordinatoren an der Università degli Studi di Udine (inklusive abenteuerlichem Ausflug in die Kernstadt), bekamen unseren Studentenausweis, besorgten uns die polizeiliche Aufenthaltserlaubnis und italiensche Sim-Karten und regelten unsere Unterkunft im örtlichen Studentenwohnheim (das praktischerweise identisch war mit dem Lehrgebäude der Universität in Cormòns, so dass man aus seinem Zimmer nur ein Stockwerk tiefer gehen musste, um den Vorlesungssaal zu erreichen).

Die Miete im Studentenwohnheim war ausgesprochen günstig (ca. 150 EUR/Monat), so dass wir über das Nicht-Vorhandensein einer Küche großzügig hinwegsahen und lernten, uns anders zu behelfen. Der Kreativität der Studierenden waren hier keine Grenzen gesetzt, die Bandbreite reichte von (verbotenen) Elektroherdplatten in den Zimmern bis zu Schnellkochnudelgerichten mit Wasser aus dem Wasserkocher, oder, wenn man gar kein Land mehr sah, einem Besuch in der örtlichen Pizzeria (wenn man einmal in Italien Pizza gegessen hat, wird man leider an deutscher Pizza nie wieder Freude haben!).

Zunächst sollten wir jedoch nicht studieren, da auch in Italien gerade Semesterferien waren. So wollten wir die Zeit zunächst sinnvoll nutzen um das vorgeschriebene tirocinio, also das Studienpraktikum zu absolvieren. Auch hier bekamen wir alle drei Hilfe vom Koordinator an der Universität, der uns mit Kontaktadressen versorgte, so dass wir zu Beginn der nächsten Woche erste Kontakte zur italienischen Weinbau-Szene knüpfen konnten.

Mein Praktikumsbetrieb war ein Volltreffer, da ich auf einem sehr renommierten Betrieb (Azienda Agricola Mario Schiopetto) der Region arbeiten durfte und einen sehr netten vorgesetzten Kellermeister hatte, der über meine zunächst spärlichen Italienischkenntnisse hinwegsah und sich auch nicht zu blöd war, Begriffe wie „Pumpe“ oder „Spüllappen“ notfalls pantomimisch darzustellen.

Jahreszeitlich bedingt arbeitete ich zu dieser Zeit hauptsächlich im Weinkeller, wo die Vorfiltration der Weine vor der Abfüllung auf dem Programm stand. Auf mein Bitten wurde ich die letzten beiden Wochen in den Außenbetrieb versetzt. Dort stand  das Ausbrechen überflüssiger Triebe auf dem Programm; eine Aufgabe, die ich von jeher gerne mache. Der außergewöhnlich warme italienische Frühling tat sein Übriges, um mir die Arbeit an der frischen Luft zu versüßen.

Nach den Praktikumswochen hatte ich erhebliche Italienischfachkenntnisse in Sachen Weinbau und Kellerwirtschaft im Gepäck und genug Selbstvertrauen, um mich endlich in die Uni zu wagen, wo ich in den außergewöhnlich kleinen Kursen (zumeist nicht mehr als 20 Studenten) zunächst neugierig beäugt, dann jedoch herzlich empfangen wurde.

Ein Italienischkurs wurde während des Semesters nicht angeboten (der wäre während der vorlesungsfreien Zeit gewesen, aber das hatten sie wohl vergessen, uns zu sagen), aber durch unser Praktikum und die Vorkenntnisse aus Geisenheim kamen wir auch so gut zurecht.

Schnell gewöhnte ich mich an den stark verschulten Vorlesungsalltag. Die angebotenen Kurse deckten einen großen Bereich des praxisorientierten Weinbaus ab (zum Beispiel Weinchemie, Kellertechnik, Mikrobiologie, Planung von Weinbergsanlagen, Ökoweinbau…) und das erste Trimester war viel schneller vorbei, als ich mir anfangs hätte träumen lassen. Die Sprache stellte nach der ersten Woche kein Hindernis mehr dar und die hervorragende Betreuung der zuständigen Professoren tat ihr Übriges, um mich schnell in Cormòns einzuleben.

Als Freizeitbeschäftigung trat ich einer Capoeiragruppe bei, wo ich viel Zeit in schweißtreibendes Training investierte, was ein gutes Kontrastprogramm zu den Stunden in der Vorlesung und am Schreibtisch abgab. In meiner Freizeit unternahm ich mit den anderen Studenten Ausflüge in die nähere und auch weitere Umgebung: so waren wir zum Beispiel in Grado (am Mittelmeer), in Trieste (der Hauptstadt des Friaul), Ljublana (Hauptstadt von Slowenien) und Venedig.

Die Weinlese- einer meiner persönlichen Höhepunkte


In den Sommersemesterferien zog es mich in die Lombardei- ich hatte mir im Vorfeld einen Praktikumsplatz in einem Weingut am Gardasee gesucht, dessen Kellermeister (ja, die Weinwelt ist klein!) als Student im Rahmen des Doppeldiplomabkommens für ein Jahr in Geisenheim studiert hatte.

Im Weingut Avanzi konnte ich endlich meine erste Weinlese miterleben (eine Art Initiation für Oenologiestudenten), mit allen Höhen und Tiefen, die dieser Arbeitshöhepunkt des Jahres so mit sich bringt: keltern bis in die tiefe Nacht, frischen Most direkt aus dem Tank trinken, das Putzen unzähliger Edelstahltanks, Anrühren der Hefeansätze für den Most und, was mir als Hauptaufgabe zufiel, die Wein- und Mostanalytik im hauseigenen Labor.

Nach den sieben Wochen Praktikum konnte ich ausgesprochen erschöpft, aber sehr zufrieden und um unzählige Erfahrungen reicher, meinen Weg zurück ins Friaul antreten, wo jetzt die Zeit anfing, zu rasen. Vorlesungen und Klausuren wechselten einander ab und plötzlich waren Weihnachtsferien und ich machte mich auf den Weg zurück über die Alpen auf Heimaturlaub.

Der Abschied

Im neuen Jahr musste ich noch mal richtig Gas geben, um mir möglichst gute Zensuren zu sichern, da ich mit den in Italien erzielten Noten versuchen wollte, die „Beste-10-%-des-Jahrgangs“ zu knacken, um die damals in Hessen noch existenten Studiengebühren zurückerstattet zu bekommen. So ging die Zeit in Italien schneller als gedacht dem Ende entgegen und Freizeit war bis zum Bestehen der Prüfungen von Woche zu Woche rarer.

Plötzlich war März und Zeit für die Heimreise. Zurücklassen musste ich den italienischen Frühling (ja, ich bin seither ein großer Fan des südalpinen Klimas geblieben!) und jede Menge neue Freunde, von denen ich im kommenden Jahr einige in Geisenheim begrüßen konnte, wo sie ihrerseits am Doppeldiplomabkommen teilnahmen.

Ich habe die Teilnahme am Doppeldiplom als sehr bereichernd empfunden und würde jederzeit wieder meine Koffer packen, wenn ich die Möglichkeit hätte, fachspezifisch und auch persönlich solch einzigartigen Erfahrungen zu sammeln. Bella Italia, der gute Wein, das hervorragende Essen und eine sehr gastfreundliche Kultur haben mich ein Jahr lang in Atem gehalten. Saluti, alla prossima volta!
Schlagworte
Weinbau Geisenheim Auslandserfahrungen Erasmus Doppeldiplom Auslandssemester Wein Önologie Italien
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