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Praktikum auf einer Farm in Alberta | Auslandserfahrungen im Agrarbereich

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Praktikum auf einer Farm in Alberta
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Titel:

Praktikum auf einer Farm in Alberta

Beschreibung: Nach meinem Abitur 2011 habe ich mich entschieden, vor meinem Studium ein Praktikum zumachen. Da mich Kanada mit seinen Weiten schon immer interessiert hat, machte ich mich auf die Suche nach einem Praktikum in Kanada und wurde in der topagrar auch gleich fündig. Es handelte sich um eine private Anzeige eines deutschen Auswanderers. Nach einigen Telefongesprächen bekam ich eine Zusage für ein Praktikum auf einer Farm in der Provinz Alberta.

Der Betrieb befindet sich in der Nähe von Edson auf ca. 800m über NN.(2Std. westlich. von Edmonton). Zu dem Betrieb gehören ca. 300 Simmental Mutterkühe und ca. 800ha Land die als Weideland und zur Futterproduktion genutzt werden. Der Hauptzweig ist die Bullenzucht mit einer alljährlichen, eigenen Auktion.

Mein Praktikum begann im August 2011. Zuvor musste natürlich der Flug gebucht werden; hierbei empfahl es sich einen Flug mit Umbuchmöglichkeit zu buchen, da das Ende meines Praktikums noch nicht genau festgelegt war. Außerdem braucht man ein Arbeitsvisum der kanadischen Botschaft, am besten ist ein sog. „work&travel" Visum.

Nachdem ich mit meinem Flug über London in Edmonton angekommen war, machte ich zunächst zwei Übernachtungen in einem Hotel. Ich schaute mir ein wenig die Stadt an und besuchte die „West Edmonton Mall", das größte Einkaufszentrum Nordamerikas.

Die Gastfamilie holte mich aus Edmonton ab und brachte mich zu ihrer Farm die direkt am „Shiningbank Lake" liegt. Alle Familienmitglieder helfen mit auf der Farm, dazu gehören der Chef und seine Frau sowie die drei Töchter, die auch ihre eigenen Kühe haben, als auch die Großeltern. Der Vater kann zwar noch Deutsch jedoch wurde in der Familie nur Englisch gesprochen, was für meine Englischkenntnisse sehr von Vorteil war.

Untergebracht wurde ich bei der Familie und hatte darüber hinaus vollen Familienanschluss. Wenn es sich ergab und die Arbeit auf der Farm erledigt war hatte man auch Zeit etwas zu unternehmen, so besuchte ich zum Beispiel mit der Familie den Jasper National Park und die ,,Icefields´, was auf jedenfall einen Ausflug wert ist. Oder machte mit einem sehr netten Nachbarn der Familie eine Quadtouren bzw. Jetskitouren durch die Wildnis.

Im August befanden sich alle Kühe in verschieden Gruppen auf der Weide. Regelmäßig wurde kontrolliert wie viel Gras den Kühe noch zur Verfügung steht, wie es mit der Wasserversorgung steht(entweder durch Teiche oder Quellen)und ob alle wohl auf sind. Außerdem mussten die Zäune kontrolliert und nach Bedarf repariert werden. Je nachdem wurden die Gruppen auf andere Weiden umgelassen.

Parallel lief die Heuernte. Dabei wird das Gras zuerst mit einem Mäher gemäht. Wenn das Gras getrocknet ist werden mit einem Schwader jeweils zwei Mähbreiten zusammengepackt zusätzlich wird es dadurch ein wenig aufgelockert so das es noch einmal etwas trocknet. Am Ende wird es in Rundballen gepresst, allerdings werden die Ballen mit einem Sisalband gewickelt. Dieses hat den Vorteil, dass es schneller verrottet als Plastik und falls Rückstände im Ballen beim Füttern verbleiben ist es nicht so tragisch wenn eine Kuh es mit frisst.

Außerdem Stand die Einbringung der Ganzpflanzensilage an. Zunächst wurde der noch grüne Mix aus Gerste und Hafer mit einem Schwadmäher(Swather) mit einem 7m MacDon Schneidwerk abgemäht. Dabei wird das Schwad an der Seite ausgeworfen und es werden jeweils zwei zusammengelegt also besteht ein Schwad aus 14m GPS. Anschließend kommt ein Claas Jaguar 840 Häcksler mit Pick-up-Aufnahme zum Einsatz. Dieser wird in Partnerschaft mit einem anderen Farmer betrieben, zusätzlich wird damit auch Silage auf Lohn gehäckselt. Abgefahren wird mit Lkw´s.

Zuerst stand die Silageernte bei dem anderen Farmer an, der ca. 2 Std. nördlich nahe Valleyview wohnt. Dazu musste der Häcksler auf eine Tieflader geladen werden, der dann hinter einen der Lkw gehängt wurde. Zusätzlich wurde ein zweiter Lkw dorthin gefahren, ein dritter Lkw befand sich bereits dort. Zum festfahren auf der Silagemiete wurde in diesem Fall ein New Holland TJ430 mit einem 4,20m Schiebeschild eingesetzt.

Nachdem die Silageernte dort beendet war, wurde die Silage auf der heimischen Farm eingefahren. Nach der Silage- und Heuernte haben wir angefangen, den Raps(noch grün) mit dem Schwadmäher abzumähen um ihn trocken zu lassen. Hierbei wird das Schwad allerdings mittig abgelegt. Das gesamte Getreide und Raps wird geschwadet, da die Vegetationsperiode nur sehr kurz ist. Interessant ist außerdem, dass der Raps als erstes abgemäht wird, aber als letztes gedroschen wird.

Als dann auch das andere Getreide geschwadet und abgetrocknet war konnten wir Ende September mit dem Dreschen anfangen. Gedroschen wurde mit einem gezogenen John Deere 7721. Das Getreide wurde mit den beiden Lkw´s abgefahren und in Silos auf der Farm eingelagert. Dabei ist das Dreschen nicht immer ganz ungefährlich: so begegneten wir beim Hafer Dreschen einige Male einem Schwarzbären, denn diese lieben es, sich mit Hafer den Bauch vollzuschlagen.

Hauptsächlich ist das Getreide für das eigene Futter im Winter. Lediglich ein Teil des Raps wurde im Winter verkauft. Natürlich wurde das gesamte Stroh, inklusive des Rapsstrohs, fallen gelassen und gepresst, da einiges an Stroh zum einstreuen für den Winter benötigt wird. Anschließend bzw. parallel wurde der Stoppel bearbeitet, größtenteils mit einem 9m-Meißelgrubber hinter einem Case IH 9260 Knicklenker. Zusätzlich wurden einige zuvor totgespritzte Grünlandflächen umgepflügt. Bei Bedarf wurden die Flächen noch mit der Scheibenegge bearbeitet oder mit einem 18m Federzinkengrubber.

Im Herbst wurden dann nach und nach die Kühe dichter an die Farm gebracht. Als erstes wurde die Gruppe mit den Bullenkälbern in Kühe und Kälber getrennt. Und die bereits kastrierten Stiere wurden verkauft, die anderen Bullen, die potentiell zur Auktion im März gehen, wurden von da an gefüttert. Ein wenig später wurde auch die Färsenkälbergruppe getrennt und auf die Farm gebracht. Die Kühe wurden auf Trächtigkeit getestet und Kühe, die offen sind, wurden größtenteils verkauft.

Im November waren dann alle Kühe dicht um die Farm untergebracht und wurden gefüttert. Die Kühe bekommen Silage und Heu. Die Kälbergruppen bekommen zusätzlich noch Getreideschrot beigemischt. Wobei die Ration und Mischung von Getreide und Silage langsam aber stetig erhöht wird.

Ab jetzt ist der Boden gefroren und der erste Schnee fällt. Die Bullenkälber die zur Auktion gehen sollen werden jetzt ,,Halftergebrochen" um sie ruhiger und umgänglicher zu machen. Hierbei bekommen die Bullen, in Gruppen von 10-15, ein Halfter angelegt und werden dann angebunden und etwas gestrickelt. Jeden Tag etwas länger, bis sie sich an das Halfter gewöhnt haben. Danach wurde bei allen Bullen der Kopf geschoren und es wurden Fotos für den Auktionskatalog gemacht.

Anfang Januar wurden die Kühe dann in kleine Gruppen geteilt. Kühe die schon bald kalben wurden in ein extra Gatter gebracht. Die Kühe befinden sich das gesamte Jahr unter freiem Himmel, nur im Winter haben sie Windschutzzäune, gegen die Stroh zum liegen geblasen wird.

Das Kalben hat begonnen, ab jetzt müssen die Gruppen regelmäßig kontrolliert werden und das rund um die Uhr. Bei normalen Temperaturen in Intervallen von 3-4 Std., ab - 30°C alle 2 Std.. Im Januar hatten wir eine Woche, in der das Thermometer nachts auf -40°C runterging.

Wenn ein Kalb geboren wurde, wird es mit der Mutter in den Stall gebracht. Dies ist nicht immer einfach, wenn z.B. die Kuh ihr Kalb besonders verteidigen will oder nicht auf Anhieb folgt. Das Kalb bekommt dann eine Ohrmarke, eine Spritze, es wird gewogen und wenn nötig wird es enthornt oder kastriert. Sobald das Kalb trocken ist und angefangen hat zu saugen (meistens nach einem Tag), kommen Kuh und Kalb wieder nach draußen. Zuerst in kleine Gruppen um sich an einander zu gewöhnen und später in größere Gruppen.

Wenn eine Kuh ihr Kalb nicht alleine bekommen kann wird sie auch in den Stall gebracht und das Kalb wird gezogen, in besonders schweren Fällen ist ein Kaiserschnitt nötig. Dazu muss das Tier aber per Anhänger ca. 1,5 Std. zum Tierarzt gefahren werden. Nach dem Kalben bekommen die Kühe anderes bzw. mehr Futter, da sie jetzt ein Kalb versorgen müssen. Die kleinen Kälber müssen auch regelmäßig kontrolliert werden um kranke Tiere rechtzeitig zu erkennen.
Anfang März stand dann die Bullen Auktion an. Am Tag zuvor wurden die Bullen mit einem großen Transporter zur ca. 2 Std. entfernten Halle mit Auktionsring gebracht. Zu den ca. 50 einjährigen Bullen wurden auch 5 zweijährige verkauft.

Die Hauptaufgabe neben dem immer noch andauerndem Kalben ist das Füttern und einstreuen. Gefüttert wird mit einem Mischwagen in Trögen die in den Gattern stehen, manche Gruppen bekommen zusätzlich Heuballen. Die Strohballen werden mit einem Ballenschredder gegen die Windschutzzäune geblasen.

Ende März ist das Kalben größtenteils abgeschlossen. Ab April werden bereits die ersten Kühe rein geholt zur künstlichen Besamung. Die Kühe werden immer noch gefüttert, voraussichtlich bis Mai, bis dahin wird es auch dauern, bis der Boden vollständig aufgetaut ist und die Feldarbeit beginnen kann.

Mein Praktikum endete am 3. April. Es war eine großartige Erfahrung und eine gute Möglichkeit, ein anderes Land mit seinen Menschen und Begebenheiten kennenzulernen. Ich würde es jederzeit wieder tun und empfehlen jedem, so etwas einmal zu machen.
Schlagworte
Agrarpraktikum Farm in Alberta Alberta Kanada
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