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Praktikum in Manitoba (Kanada) | Auslandserfahrungen im Agrarbereich

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Titel:

Praktikum in Manitoba (Kanada)

Beschreibung:

Von August 2010 bis November 2010 (3 Monate) habe ich zur Unterstützung meines Studiums der Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim und um selber neue Erfahrungen sammeln zu können ein landwirtschaftliches Praktikum in Kanada gemacht.

Die Farm ist ein Ackerbaubetrieb in Emerson (südl. Manitoba) und ca. 5 Gehminuten von der US-Amerikanischen Grenze entfernt! Der Betrieb farmt auf 1500ha (3700 acre) und baute in dem Jahr neben einem Großteil Soja (GVO und non-GVO) auch Hafer (oats), Sommerraps (canola) und Weizen (weat) an. Die Maschinen sind ziemlich neu und auch auf einem hohen Stand der Technik (GPS usw.)

Die Familie ist 2003 aus Deutschland (Nordfriesland) ausgewandert. Sie haben zwei Kinder, die aber nichts mit der Landwirtschaft zu tun hatten. Im Frühjahr und zur Ernte waren in den letzten Jahren immer ein bis zwei Praktikanten (im Herbst 2009 vier Praktikanten) vor Ort um in den Arbeitsspitzen auszuhelfen (Aussaat, Pflanzenschutz, Ernte, Bodenbearbeitung).

Den Kontakt zu dem Betrieb habe ich über eine Online-Funktion des TopAgrar bekommen: ich habe meine Daten in der dortigen Praktikantenbörse veröffentlicht und wurde per Email von der Ehefrau des Betriebsleiters kontaktiert. In dieser Email wurde mir der Betrieb, die Unterkunft und die Bezahlung mitgeteilt. Bei Interesse sollte ich mich melden – was ich auch dann tat und habe das Angebot angenommen. Ein guter Freund hat ebenfalls dieses Angebot angenommen und so sind wir zu zweit auf die Farm gegangen.

Angereist sind wir mit dem Flugzeug (wer hätte das gedacht!). Den Flug haben wir Anfang Dezember 2009 (9 Monate vorher) über ein Internetportal (flug.de) gebucht. Das hatte den Vorteil, dass wir für insgesamt 781,00 Euro pro Person (incl. 29 Euro p.P. für Reise-Rücktrittskosten-Versicherung) fliegen konnte. Von den Zwischenhalten (Düsseldorf – Amsterdam – Minneapolis – Winnipeg) kann man halten was man möchte: mir macht das Fliegen Spaß und bei dem Regionalflug von Minneapolis nach Winnipeg über die Weiten der Prärie bzw. der tausend Seen hatte man einen fantastischen Ausblick. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es nicht immer eine Möglichkeit gibt diese Art der Flüge kostenlos / kostengünstig umzubuchen (dies mussten wir leider feststellen als es notwendig wurde).

Bei der Ankunft in Winnipeg wurden wir durch die Ehefrau unseres Chefs am Flughafen abgeholt. Auf der Farm selber waren wir in dem alten Farmhaus untergebracht. Die Unterkunft war vollkommen in Ordnung, mit bequemen Betten, Dusche, Waschmaschine, Küche. Während der gesamten Zeit hatten wir jedoch kein Internet. Für ein Telefonat mit zuhause mussten wir um das Telefon unseres Chefs beten (war begrenzt möglich). Kost und Logis waren neben den Lohn von 1.000 CAN-$ inklusive. Die meisten Mahlzeiten wurden in der Küche der Familie bzw. am Feld eingenommen. Nur Frühstück am Wochenende mussten wir uns selber bereiten.

Auf der Farm waren wir im Zeitraum der Ernte und anschließenden Bodenbearbeitung. Neben der Verantwortung für Pflege und Wartung waren unsere Aufgaben während der Ernte:

-
Überladewagen („graincart“) fahren 

-
Getreide mit einem LKW („semi-truck“ , „sattle-truck“) zum Betrieb fahren   und einlagern

-
Mähdrescher fahren

-
Raps mit einem Schwadleger („swather“) schneiden

Danach:

-
Stroh striegeln

-
flache Bodenbearbeitung mit Scheibenegge („disc“) und tiefe Bodenbearbeitung mit Grubber („chisel-plow“)

-
Saatbettbereitung mit Striegel

-
Getreide mit einem LKW zum Landhandel („elevator“) transportieren.

Der Arbeitsalltag begann in der Regel mit einem gemeinsamen Frühstück (7.00 Uhr) bei dem auch die wichtigsten Aufgaben für den Tag besprochen wurden. Gearbeitet wurde in der Regel bis 18.00 Uhr. Ausnahmen waren die Ernte, die Zeit während der Bodenbearbeitung und wenn sonstige Ausnahmen – die kamen häufiger vor - notwendig waren! Am Wochenende wurde teilweise gearbeitet. Da wir aber kaum Möglichkeiten hatten etwas zu unternehmen, haben wir – um die Langeweile zu bekämpfen – auch dann gearbeitet!

Auf der Farm arbeiteten wir zu drei Praktikanten und einer längerfristigen Aushilfskraft. Nahezu alle Aufgaben wurden durch uns erledigt. Untereinander haben wir uns sehr gut verstanden und hatten viel Spaß an der Arbeit. Unser Chef jedoch war menschlich nicht ganz einfach: er hat selten andere Meinungen akzeptiert und wenn diese ihn doch überzeugt haben, hat sie als seine Idee präsentiert. Teilweise hat er uns bis spät in die Nacht dreschen oder ackern lassen, obwohl für die kommende Zeit sehr beständiges Wetter abzusehen war. Weiterhin hat er sich vor Ort ein wenig kolonialistisch aufgeführt (nach dem Motto: Ich komme aus Deutschland und zeige euch Affen jetzt erst einmal wie Landwirtschaft richtig geht). Auch haben ihn die dortigen Regel und Gesetze nicht wirklich interessiert. So kam es vor, dass neben illegalen erfolgten Drainagearbeiten auch Praktikanten mit völlig überladenen LKW (90t) zum Landhandel geschickt wurden (in meinen Augen eine riesige Unverantwortlichkeit, da er in meinen Augen sich im Falle eines Unfalls aus der Sache hätte ziehen können).

Man muss sich bewusst sein, dass wenn man auf eine fremde Farm geht einem auch so etwas passieren kann. Es ist aber nicht die Regel! Während der Fahrten zum Landhandel oder auch in Gesprächen mit den Farmern in der näheren Umgebung ist aufgefallen, dass unser Chef auch von den anderen Farmern als unsympathisch wahrgenommen wird.

Die anderen, mir begegneten Farmer hingegen waren alle durchweg sehr freundlich und aufgeschlossen (Merke: Der zweite Satz einer Begrüßung ist immer ein „How are you?“ und wichtig für die Farmer ist das vergangene und kommende Wetter („forecast“)).

Dieses Bild hat sich auch verfestigt, als wir einige Tage durch Kanada gereist sind (von Emerson bis Thunderbay, die Niagarafälle waren uns dann doch zu weit). Dabei haben wir vorwiegend in Motels gewohnt, was auch recht günstig war.

Kosten und Förderung

Finanziell war das Praktikum ausgeglichen – es gab kaum eine Möglichkeit Geld auszugeben (man war ja nicht mobil)!

Kosten:           Flug                781,00 Euro

                      
Visum             110,00 Euro

                      
Reisepass        50,00   Euro

Einnahmen:     Lohn               1.000   Euro / Monat

Sonstige Ausgaben hängen davon ab, was man noch so unternimmt. Alkohol ist in Kanada teurer als in Deutschland und gibt es nur in „Bottle-Shops“. Treibstoff ist aber günstiger.

Gefördert wurde dieses Auslandspraktikum durch einen Reisekostenzuschuss des DAAD. Leider gibt es diese pauschale Form des Zuschusses nicht mehr, bei dem – in Abhängigkeit des Ziellandes und unter der Bedingung, dass ein Praktikumsbericht angefertigt wird – eine bestimmte Geldsumme bekommt. Das sollte einen aber nicht davon abhalten im Internet zu recherchieren welche anderen Stiftungen ähnliche Programme haben (z.B. mystipendium.de). Sprachlich habe ich mich nicht sonderlich auf dieses Praktikum vorbereitet – ich habe mich auf meine bisherigen Kenntnisse aus Schul- und Universitätsenglisch verlassen. Außerdem fuhr ich nach Kanada um mein Englisch auszubauen. Dennoch glaube ich das es sinnvoll ist wenigstens halbwegs Englisch sprechen zu können und falls das noch nicht der Fall ist dieses im Vorfeld zu üben.

Allgemeine Tipps zur Vorbereitung:

1. Vermeide das Arbeiten für ein Festgehalt, wenn es keine festen Arbeitszeiten gibt (Landwirtschaft). Solltet ihr dennoch ausgenutzt werden gibt es in Kanada ein „Underpayment-Office“.

2. Kläre mit deinem Betrieb, wie die Unterkunft ist und heutzutage auch wichtig, ob du Zugang zum Internet hast.

3. Wie ist deine Mobilität auf dem Betrieb organisiert. Es gibt Farmen, auf denen können die Praktikanten den Farm-Pick-Up in der Freizeit nutzen um die Umgebung kennen zu lernen oder andere Farmer zu besuchen.

4. Wenn ihr mehrere Betriebe zu Auswahl habt, dann lasst auch die Nähe zu Städten in eure Bewertung mit einfließen. Merkt euch dass dort wo manchmal noch Landwirtschaft betrieben wird ziemliche Einöde sein kann.

5. Ein schriftlicher Vertrag ist bei möglichen Streitigkeiten immer hilfreich (Eventualitäten beachten).

6. Es kann immer mal vorkommen, dass man überhaupt nicht mit dem Leuten auf der Farm kann (warum auch immer). Daher sollte man immer noch ein paar Ausweichaddressen haben, wo man hingehen könnte.

7. Versucht immer auf Betriebe zu kommen, von denen Ihr schon was Gutes gehört habt bzw. auf denen Freunde oder Bekannte schon gewesen sind.

8. Macht Euch im Vorfeld auch schon einmal Gedanken (und Pläne) für den Fall dass Ihr die Zeit für eine Tour habt. Manchmal kann das sehr schnell kommen, dass Ihr dafür Zeit habt und dann ist es schlecht erst mit einer mühseligen Planung sich rumzuschlagen.

9. Nehmt wenn möglich ein altes Zweithandy von zu Hause mit und kauft euch vor Ort eine Prepaidkarte.

10. Lasst euch auch einfach mal auf neue Dinge ein – Deutschland ist nicht der Nabel der Welt, aber auch die Sachen die wir hier machen haben ihre Berechtigung

Viel Spaß in Kanada …

Schlagworte
Ackerbau Farm Erfahrungsbericht Manitoba Kanada
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