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Pura Vida! | Auslandserfahrungen im Agrarbereich

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Titel:

Pura Vida!

Beschreibung:

Mein Name ist Tina und ich studiere an der Universitaet Hohenheim Agrarwissenschaften mit Vertiefung der Wirtschaftswissenschaften. Dieses Jahr hatte ich die einmalilge Gelegenheit, ein Semester an der Partneruniversitaet "Universidad de Costa Rica" in San José verbringen zu koennen (Juli-Dezember 2012). Wie man an den OEs und AEs sieht, bin ich immer noch hier (inzwischen auf Reisen).


Organisatorisches:
Die Bewerbung ist ein langer Prozess, und die Zusage kam so kurzfristig, dass der Flug relativ teuer war. Das "Schlimmste" allerdings ist der Visa-Antrag. Bereits in Deutschland musste ich eine Unmenge an Dokumenten besorgen und wurde nach Berlin ins Konsulat bestellt. In Costa Rica angekommen stellte sich heraus, dass alle internationalen Dokumente zusaetzlich ins Spanische uebersetzt werden mussten und andere Dokumente, die ich bereits in Berlin eingereicht hatte, nochmals verlangt wurden. Ich habe alles abgegeben, mein Visum habe ich aber auch jetzt nach Ende des Semesters noch nicht erhalten. Finanziert habe ich das Semester mit Hilfe des Baden-Wuerttemberg Stipendiums und Nachtschichten bei der Post.


Ankunft:
Angefangen hat das Semester mit einer kleinen Einstimmung auf Costa Rica: am Flughafen habe ich 4 Stunden auf meine Gastfamilie gewartet. Diese Begebenheit steht fuer zwei Eigenheiten in Costa Rica: 

1. die Hora Tica: die Ticos (= so bezeichnen sich die Costa-Ricaner selbst) haben eine eher freie Interpretation von Uhrzeiten und Terminen, und meine geliebte deutsche Puenktlichkeit musste unzaehligen Stunden des Wartens weichen. Die "Hora Tica" (Tico Uhrzeit) steht dafuer, dass jeder immer zu spaet kommt, einschliesslich der Professoren und auch bei Klausurterminen. Begann beispielsweise mein Kurs um 8:00 und ich legte kurz vor 8:00 die letzten Meter im Laufschritt zurueck, fragte ich mich bei Ankunft stets, ob das der richtige Raum sei, da ich grundsaetzlich die Erste dort war.

2. Loecher in der Strasse: der wahre Grund fuer das zu spaet-Kommen war allerdings (nur) in diesem Fall ein Loch in der Strasse. Schlagloecher sind in Costa Rica so typisch wie Autobahnen in Deuschland. (Und manchmal gibt es mehr Loecher als Strasse)


Einleben:
Nun, endlich angekommen absolvierte ich einen einmonatigen Sprachkurs im Juli, da dies eine der Voraussetzungen der Universidad de Costa Rica war. Den Kurs musste ich selbst zahlen (500$ und Unterkunft +Verpflegung 585$) und gelernt habe ich nicht viel, da die Teilnehmer zu unterschiedliche Sprachlevels hatten. Allerdings habe ich durch meine Gastfamilie Uebung und Einblicke in den Alltag einer (sehr lieben) typisch costa ricanischen Familie erhalten. Dort begegnete ich auch zum ersten Mal "Pura Vida", was uebersetzt so viel wie "reines Leben" bedeutet. Dieser Ausdruck hat mich das ganze Semester begleitet, da er als Begruessung, Verabschiedung oder auch als Zeichen des allgemeinen Wohlbefindens gebraucht wird. Fuer mich steht er fuer die Lebensfreude der Costa Ricaner.


Uni-Alltag:
Nach dem ersten Monat suchte ich mir eine WG, dies aus Kostengruenden und um meine zeit freier gestalten zu koennen, da bie der Gastfamilie die Verpflegung inbegriffen ist. Das Semester begann hier bereits am 6. August, weshalb ich keine Semesterferien hatte. Auch meine Hoffnung, waehrend des Semesters jedes Wochenende reisen zu koennen, erwies sich bald als utopisch. Jeder Professor "Profe" kann entscheiden, wie sich die Note seines Kurses zusammensetzt, und es scheint, als glaube jeder Profe, sein Fach sei das Einzige pro Semester. So gibt es in jedem Fach unzaehlige Kurztests, wissenschaftliche Arbeiten, Gruppenarbeiten und Examen. Das Gute daran ist, dass es persoenlicher ist, jeder Profe kennt deinen Namen und gibt auch gern seine Handynummer. Und es half sicherlich meinem Spanisch, das zu Beginn des Aufenthaltes aus nicht viel mehr als "Hola" und "Cerveza" bestand.


Meine Kurse:
Ich belegte 3 Kurse, die ich frei in Abstimmung auf meine Vertiefung gewahelt habe: Mercadotecnia (Marketing), Comercio international de productos agropecuarios (Internationaler Handel von Agrarprodukten) und Principios de Tecnología de Alimentos (Grundlagen der Lebensmitteltechnologie).

Mein Lieblingsfach "Mercadotecnia" war zugleich das arbeitsintensivste. Es ist wohl deshalb mein Lieblingsfach, weil wir nur sechs Studenten waren (weshalb die Betreuung sehr gut war) und meine Komilitonen bereits in der ersten Stunde auf mich zugekamen, um ihre Hilfe anzubieten. In diesem Kurse musste ich sechs Arbeiten schreiben (insgesamt ca. 60 Seiten), eine Gruppenarbeit (95 Seiten), sechs Kurztests, ein schriftliches Examen und ein "praktisches". Das praktische Examen bestand darin, dass wir in dreier-Gruppen sieben Tage Zeit bekamen ein neuartiges Produkt zu entwickeln (aus einer vom Profe ausgewaehlten Frucht/Gemuese). Mein anfaengliches muedes Belaecheln dieses "Examens" wich bald einer Uebermuedung, hervorgerufen durch die Nachtschichten vor Abgabetermin. Unser Produkt: "Weihnachts-Seifen-Set aus Plátano=Kochbanane" entwickelten wir nicht nur in Theorie, wir stellten es auch her! Und wir gewannen!


Resuemee des Uni-Alltags:
Ich wuerde auf jeden Fall zustimmen, dass Studenten an der Universidad de Costa Rica mehr arbeiten muessen. Trotz meiner geringen Spanischkenntnisse war es aber nie ein Problem dem Unterricht zu folgen, was, wie ich finde, am nicht allzu hohen Niveau lag. Viele der Aufgaben waren einfach sehr zeitintensiv. Fuer mich als Austauschstudnt war es optimal, da ich viel mit anderen Studenten zusammenarbeiten konnte und mein Spanisch ueben konnte.


Landwirtschaft Costa Rica:
Da meine Faecher eher wirtschaftlich orientert waren, ich aber selbst aus der Landwirtschaft stamme, habe ich natuerlich auch Interesse an der tatsaechlichen landwirtschaften Produktion. So war ich begeistert, als eine Komilitonin mir die Nummer eines Landwirtes (Don José) gab, bei dem sie einige Monate arbeitete, um ueber Kaffee- und Zuckerrohranbau zu lernen. Ich rief kurzfristig an, um zu Fragen, ob ich am naechsten Tag mit mit Besuch aus Deutschland kommen koenne, Don José bestand aber sogleich darauf, dass wir doch sofort kommen sollten um auch die Nacht dort verbringen und mit der Familie essen zu koennen. Am naechsten Tag nahm er sich den ganzen Tage Zeit (und haette ich auch noch mehr Zeit genommen) uns seine Finca zu zeigen. Es ist unglaublich, wie viel Handarbeit geleistet werden muss und wie unwegsam das Gelaende ist. Nach diesem Einblick werde auf jeden Fall meinen Kaffee mehr zu schaetzen wissen. Fuer mich war es eine erstauliche Erfahrung, die Familie hatte selbst nicht viel, war aber so gastfreundlich, und das mit einer Selbstverstaenlichkeit, wie ich sie nie zuvor erfahren hatte.


Reisen:
Wie bereits erwaehnt hatte ich waehrend des Semesters nicht viel Zeit zu reisen. Man findet aber immer einen Weg ans Meer und zu erleben gibt es mehr als genug (Vulkane, Waelder, Strand, und eine Unmenge an Freizeiaktivitaeten). Und was ich waehrend des Semesters nicht "geschafft" habe, hole ich jetzt wie die meisten Austauschstudenten nach. Costa Rica ist ein kleines Land mit einem guten Busnetz, allerdings dauert es manchmal doch sehr lange, und es gibt es keine einheitlichen Informationen zu den einzelnen Busunternehmen. Auch in die Nachbarlaender gelangt man relativ einfach. Im Moment bin ich in Mexiko und auf dem Weg hierher habe ich einige Tage Guatemala und Belize verbracht.


Mein Costa Rica:
Costa Rica, das ist fuer mich ausserdem: freundliche Menschen, Natur, Regen (ich habe das Regensemester erwischt) und Reis und Bohnen. Reis und Bohen bekommt definitiv einen eigenen Abschnitt. Reis und Bohnen gibt es immer und zu allem und in allen Variationen. Als Fruehstueck als "Gallo Pinto", als Mittagessen "arroz y frijoles" und auf der Karibikseite "rice and beans" (mit Kokosmilch). Einmal gab es in der Mensa Lasagne, als Beilage gab es natuerlich:(Ueberraschung) Reis und Bohen. Ich mag es inzwischen wirklich, freue mich aber auch auf Knoedel!


Fazit:
Costa Rica war die beste Entscheidung, die ich in meinem Bachelor getroffen habe. Auch wenn es ein zusaetzliches Semester ist, geht auf keinen Fall "Zeit verloren". Ich konnte so viele neue Erfahrungen sammeln, einen Einblick in eine andere Welt bekommen und viele gute Freunde gewinnen. Ich kann es nur jedem empfehlen.


Pura Vida!

Tina

Schlagworte
Costa Rica Universidad de Costa Rica Agrarwissenschaften Auslandssemester
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