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19.06.2015 | 09:14 | Umwelt-Enzyklika 

Franziskus trifft den Nerv der Zeit

Rom - Politiker loben den Papst, Wissenschaftler sind begeistert und auch Orthodoxe und Protestanten stimmen ein Loblied an: Mit seiner Öko-Enzyklika «Laudato si» ist Papst Franziskus ein Kunststück gelungen.

Umwelt-Enzyklika
Der Papst setzt sich mit seiner neuen Enzyklika an die Spitze der Ökobewegung. Seine Kritik zielt auf Politiker, Finanzspekulanten und all jene, die ihr Heil im Konsum suchen. (c) proplanta

Er kritisiert die Umweltzerstörung und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Klimawandel, greift Politiker und Wirtschaft an, spart nicht mit Vorwürfen - und doch sind die Reaktionen auf sein gut 220 Seiten langes Weltrundschreiben überwiegend positiv.

Mit dem Text positioniert sich Franziskus rechtzeitig vor dem Weltklimagipfel Ende des Jahres in Paris einmal mehr als einer, der politisch mitreden will.

Mit seiner Umwelt-Enzyklika hat der Papst ein Thema angesprochen, das nicht nur Katholiken betrifft, sondern den ganzen Planeten. Über Umweltschutz, Klimawandel und über das Paradigma des stetigen Wachstums streitet nicht nur die Politik, sondern werden ideologische Grabenkämpfe in allen Gesellschaftskreisen ausgetragen. «Franziskus hat den Nerv der Zeit getroffen», sagte die Professorin für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster, Marianne Heimbach-Steins, der Deutschen Presse-Agentur.

Franziskus nutzt seinen Einfluss als Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken, um den Kampf gegen den Klimawandel auf eine neue Stufe zu heben. «Wenn das Gewicht von einer Institution, die eher mit Tradition und konservativem Denken in Verbindung gebracht wird, sich an die Spitze einer fortschrittlichen Bewegung stellt, dann ist das schon etwas», sagte der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist ein historisches Ereignis.»

Zwar ist es nicht neu, was der Papst sagt. Auch seine Vorgänger haben sich immer wieder für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Dass er das aber in einem päpstlichen Lehrschreiben tut und derart viele Aspekte einbindet, ist eine Premiere. Alleine die Art, wie die Enzyklika geschrieben ist - Franziskus macht einen Ausflug in die Welt der Mangrovensümpfe, der Meerestiere, der Biotechnologie, der Gentechnik, der Nuklearenergie und der Klimaforschung -, zeigt den universalen Anspruch, den der Papst offenbar hatte.

Umweltzerstörung, Konsumsucht, Finanzspekulationen, leere Worte von Politikern, gescheiterte Klimagipfel: Franziskus lässt keinen Aspekt aus und spart nicht an klaren Worten. Er sieht vor allem die reichen Länder des Nordens in einer «ökologischen Schuld», da die Umweltzerstörung zulasten der Armen gehe. Wenn kein Umdenken stattfinde, verwandle sich die Erde in eine «unermessliche Mülldeponie» und schlittere in die Katastrophe.

Franziskus fordert einen Ausstieg aus Energiegewinnung mit fossilen Brennstoffen. Er moniert die Vereinsamung durch den Gebrauch sozialer Netzwerke. Und er kritisiert die Unterwerfung der Politik unter die Wirtschaft und Technologie. Für Schellnhuber starke Worte - die vor dem Klimagipfel in Paris genau zur richtigen Zeit kommen. «Das ist ein Ruf zu einer Zeit, wo die katholische Kirche den Eindruck hat, dass wir uns sputen müssen, wenn wir dieses gemeinsame Haus noch vor Zerstörung bewahren wollen.»

Das Interesse an der offiziellen Präsentation der Enzyklika in Rom war so groß, dass selbst Papst-Sprecher Federico Lombardi staunte: «Ich habe in den vergangenen 25 Jahren im Vatikan viele Veröffentlichungen miterlebt. Aber es gab noch nie eine so langanhaltende, intensive und weltweite Erwartung.»

Franziskus trifft mit seiner unbequemen Botschaft nicht überall auf fruchtbaren Boden. Vor allem in den USA hatten konservative Klimaskeptiker schon vorab kritisiert, er solle die Wissenschaft den Wissenschaftlern überlassen. Auch innerhalb des Vatikans gibt es Gegner, denen der generelle Kurs von Franziskus nicht passt. Spekuliert wurde, dass Franziskus-Feinde die Enzyklika schon vorab den Medien zuspielten, um die Botschaft des Papstes zu sabotieren.

Auch in Deutschland wird sich der Papst nicht nur Freunde machen. «In Deutschland polarisiert er vielleicht nicht so sehr wie in den USA. Aber seine Kritik am Wirtschaftssystem wird nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen», sagte Heimbach-Steins. Offen sei aber, welchen Einfluss das Schreiben wirklich auf politische Handlungen haben kann. Doch zumindest den Einzelnen will der 78-Jährige zum Nachdenken anregen. Denn schon wenn jeder an seinen eigenen (Konsum-)Gewohnheiten etwas verändere, könne dies etwas bewirken, schreibt Franziskus. «Während das Herz der Menschen immer leerer wird, braucht er immer nötiger Dinge, die er kaufen, besitzen und konsumieren kann.»
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