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04.12.2021 | 11:00 | Corona-Politik 

Hospitalisierungs-Inzidenz als Richtwert fatal - Doch verzögertes Melden lohnt sich

Stuttgart - Noch vor zwei Wochen erklärten Bund und Länder die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz zur wichtigsten Bezugsgröße in der Corona-Pandemiebekämpfung. Jetzt räumt Kanzleramtsminister Helge Braun ein: Dieser Wert ist unnütz. Experten hatten bereits im Vorfeld gewarnt.

Hospitalisierungs-Inzidenz als Richtwert fatal
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Darstellung der hospitalisierten COVID-19-Fälle/100.000 Einwohner über 7 Tage in Deutschland nach Meldedatum (05.07.2021, 0:00 Uhr). Die tagesaktuell berichtete Hospitalisierungsinzidenz (fixiert) wird in blau, mit Berücksichtigung der verzögert berichteten Hospitalisierungen (aktualisiert) in grau dargestellt. Die Schätzung der zu erwartenden Anzahl an verzögert berichteten Hospitalisierungen wird als gestrichelte Linie mit 95%-Prädiktionsinterval (in grün) gezeigt. (Quelle: RKI)
Mit der Hospitalisierungsinzidenz hoffte man sich einen besseren Überblick über die Lage in den Krankenhäusern zu erhalten. Denn die alte Bezugsgröße der 7-Tage-Inzidenz könnte etwa auch dadurch zustande kommen, dass sich vermehrt Kinder anstecken, bei denen eine Covid-19-Erkrankung i.d.R. wesentlich milder verläuft. Angesichts der Impfquote eigne sich somit die Krankheitsrate als Parameter besser, wie es noch seitens des Gesundheitsministeriums geheißen hat.

Doch der neue Parameter entpuppte sich schnell als Trugschluss. Da die Hospitalisierunginzidenz lediglich Menschen erfasst, die mit einer Covid-19-Erkrankung binnen 7 Tagen nach der Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, sind die Menschen, die sich z.B. vor acht Tagen infiziert haben und heute ins Krankenhaus eingeliefert wurden, nicht mit berücksichtigt. Zudem wird die Hospitalisierungsinzidenz nach Meldedatum des Falles ausgewiesen und nicht nach dem Hospitalisierungsdatum. Durch Nachmeldungen kann sich der Wert daher für zurückliegende Zeiträume teils erheblich noch verändern. Der aktuelle Hospitalisierungswert ist daher bis zu 14 Tage nur unter Vorbehalt zu betrachten.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) waren in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 durchschnittlich vier Tage zwischen Infektion und Hospitalisierung vergangen. Eine Beatmung auf der Intensivstation war im Schnitt nach 16 Tagen nötig. Das heißt, die Hospitalisierungsrate zeigt das Pandemiegeschehen stark zeitverzögert an, was die Reaktionszeit für politische Entscheidungen massiv verkürzt.

Die tagesaktuellen Werte liegen insofern stets zu niedrig, da ein großer Teil mit Meldeverzug nachgereicht wird. Bis die Gesundheitsämter und daraufhin das RKI von einer Hospitalisierung erfahren, können durchaus zwei Wochen vergehen. Hierzu tragen vielerorts fehlende digitale Meldesystem in Deutschland bei. So erfolgt die Meldung nach wie vor oft auf Papier und per Fax. "Die Realität wird hier nicht immer abgebildet“, betonte im November der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft Gerald Gaß.

Verzögertes Melden lohnt sich

Dass der neue Richtwert als Entscheidungsgrundlage für ein adäquates Pandemie-Management ungeeignet ist, darauf hatte schon am 25. Oktober eine Expertengruppe vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hingewiesen. Die Abweichung zwischen der ausgewiesenen Krankenhausauslastung und der tatsächlichen Hospitalisierungsinzidenz (mit Nachmeldungen) liegt in den vergangenen Monaten laut aktuellem Situationsbericht (Stand 3.12.2021) des RKI bei fast 50 Prozent.

Außerdem kommt hinzu, dass die Corona-Situation in den den einzelnen Bundesländern aufgrund der Differgenzen beim Melden kaum vergleichbar ist. So ist es möglich, dass bei gleicher Zahl an Krankenhauseinweisungen die offizielle Hospitalisierungsinzidenz in einem Bundesland noch im grünen Bereich liegt, während sie wiederum in einem anderen bereits deutlich darüber liegt, nur weil ein Land verzögert meldet.

Am Beispiel Sachsen wird das sehr gut deutlich. Die Hospitalisierungsrate wurde am vergangenen Donnerstag in Sachsen mit 5,25 angegeben und lag damit etwas niedriger als der Bundesdurchschnitt von 5,47. Gleichzeitig weist Sachsen allerdings mit Abstand die höchste 7-Tage-Inzidenz in Deutschland auf (1.224,7). Patienten werden sogar schon von den überfüllten Intensivstationen in andere Bundesländer verlegt. Die Krankenhäuser sind zwar am Limit, aber die Hospitalisierungsrate gibt das nicht wieder.

Da die Ministerpräsidentenkonferenz die Schwellenwerte der Hospitalisierungsinzidenz für verschärfende Maßnahmen mit 3, 6 und 9 viel zu hoch ansetzte, bleiben den Bürgern weitere Einschränkungen vielerorts erspart. Das RKI hatte mit 1,5 und 5 wesentlich niedrigere Grenzwerte empfohlen. Dennoch entschieden sich die Teilnehmer für andere Zahlen. Wie sich jetzt bereits deutlich zeigt, eine fatale Entscheidung.

dpa/Pd/RKI/Proplanta
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