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23.10.2021 | 13:33 | Weltklimakonferenz 

Schwieriger Weg vom Klimawissen zum Klimaschutz

Berlin - Nach der Flutkatastrophe in Westdeutschland und den verheerenden Waldbränden dieses Jahres treibt das Thema Klimawandel die Menschen in Deutschland um wie nie.

Klimawandel
Die Klimaprognosen sind düster, das Thema Klimaschutz ist in aller Munde. Und doch fällt der Kampf gegen die Erderwärmung schwer. Wie lässt sich der Schalter umlegen? (c) proplanta

Gleichzeitig stößt eine Erhöhung der Sprit- und Energiepreise auf wenig Zustimmung. Die umstrittenen SUV erfreuen sich weiter großer Beliebtheit. Dabei will Deutschland doch bis 2045 klimaneutral werden - also nicht mehr Treibhausgase produzieren als wieder aufgenommen werden können. Wie kann das gelingen?

Entscheidend sei, die richtigen Prioritäten beim Klimaschutz zu setzen, sagt Michael Bilharz, Experte für nachhaltigen Konsum. «Wir haben ganz wenige «Big Points» beim CO2-Ausstoß, die wirklich stark ins Gewicht fallen. Da reden wir über den Kraftstoffverbrauch beim eigenen Auto, die Größe der Wohnung und deren Dämmstandard, über Flugreisen, über den Konsum tierischer Produkte.» Diese zentralen CO2-Quellen ließen sich nicht durch regionale Produkte, den Verzicht auf Plastikverpackungen oder «die Zahnbürste aus Holz» aufwiegen.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim eigenen Klimaschutz oft weit auseinander. Der Klimawandel erscheine vielen als abstrakte Bedrohung, sagt Psychologin Julia Scharnhorst. «Der Mensch entscheidet häufig nicht rational, sondern - und das ist uns angeboren - eher emotional.»

Hinzu komme, dass Effekte beim individuellen Klimaschutz nicht sichtbar würden. Das Gefühl, dass der eigene Verzicht keinen Unterschied machen könnte, könne zu Resignation führen. «Natürlich kann man nicht alleine eine globale Krise lösen. Deshalb ist das Gefühl der Hilflosigkeit groß», erklärt die Expertin, die im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie leitet. Manche neigten dann dazu, das Problem zu verdrängen oder sogar zu leugnen.

Der Psychologe Felix Peter vom BDP weist auf die Lage ärmerer Menschen hin: Für sie seien etwa steigende Spritpreise oft mit größeren finanziellen Sorgen verbunden. «Eine eigene finanzielle Notlage, die ja direkte Auswirkungen auf das aktuelle Leben hat, erscheint psychisch viel näher als die Sorge um klimatische Veränderungen.»

Ganz konkret kann jeder Einzelne laut Konsum-Experte Bilharz durch die langfristige Anpassung alltäglicher Strukturen einen großen Beitrag zur Einsparung von CO2 leisten - etwa durch die Wärmedämmung des Hauses. Die entsprechende Aufrüstung sei ein aufwendiger Schritt, «aber dann habe ich auch 40 Jahre das Thema Heizenergie erledigt», so Bilharz. Auch die Investition in eine Solaranlage auf dem Dach sei sinnvoll, wenn auch ein größeres Projekt. Einfacher, aber ebenfalls hochwirksam sei beispielsweise der Wechsel zu einem Ökostromanbieter oder - ganz banal - der Wechsel zu einem Duschsparkopf.

Doch nicht nur der eigene Fußabdruck lässt sich verbessern - auch durch eine Spende für klimawirksame Projekte auf der ganzen Welt könnten Emissionen wirksam reduziert werden, sagt Bilharz. Zudem ließen sich so lokale Lebensbedingungen verbessern, etwa durch neue Arbeitsplätze und Ökostrom in ärmeren Weltregionen.

Die Experten sehen neben den Bürgern aber auch die Politik und die Wirtschaft in der Pflicht. Für den Umschwung in Sachen CO2-Bilanz braucht es aus Sicht von Konsumforscherin Lucia Reisch große Veränderungen bei Angebot und Preisgestaltung von Konsumgütern: «Die nachhaltige Alternative muss auch die naheliegende, attraktive, bezahlbare und verfügbare sein.»

Auch sei der Faktor Machbarkeit ganz entscheidend, damit nicht nur eine Minderheit der Menschen die klimafreundliche Alternative wähle: «Schmeckt das vegane Essen? Ist es erschwinglich? Brauche ich nicht viel zu lange mit dem Fahrrad? Gibt es eine Alternative zum Billigflug?»

Die Vorstellung, dass alles mit den gleichen Produkten und Preisen wie bisher weiterlaufe und Klimaziele dennoch erreicht werden könnten, sei eine Illusion, so Reisch. «Der Benzinpreis muss einfach steigen - und zwar nicht nur um ein paar Cents.» Auch Flüge müssten viel teurer werden. Etwaige Preisanpassungen müssten aber unbedingt sozialverträglich gestaltet werden.

Bilharz betont, wie nötig letztlich ein Dreiklang von Politik, Industrie und Verbrauchern für den Klimaschutz sei. Sich zurückziehen und sämtliche Verantwortung der Politik zuschieben - das sei zu kurz gedacht. «Die Politik muss sich bewegen und die Rahmenbedingungen gestalten, ohne die es nicht funktioniert.» Die Industrie müsse innovative, klimafreundliche Produkte entwickeln. «Aber in beiden Fällen brauchen wir eine kritische Masse an Menschen, die schon einmal freiwillig vorausgeht und Politik und Industrie zeigt, was beim Klimaschutz möglich ist.»

Damit sich im Denken vieler Menschen etwas tut, hält es Peter, der beim BDP in der Arbeitsgruppe Klima und Psychologie mitarbeitet, für nötig, die gedankliche Verbindung zwischen Wetterkatastrophen und der Klimakrise herzustellen, um den Klimawandel auch als akute Bedrohung begreifen zu können. Viele seien «nicht genug emotional aktiviert, um ausreichend motiviert zu sein, schneller angemessen zu handeln».

Psychologin Scharnhorst schlägt vor, sich in Sachen Klimafreundlichkeit aktiv mit Gleichgesinnten zusammenzutun - etwa gemeinschaftlich mit Familie und Freunden bestimmte Gewohnheiten umzustellen. So sei nicht nur der Effekt größer. Tatsächlich schaffe das Gefühl, als Teil einer sozialen Gruppe zu handeln, auch Motivation und Antrieb.

Der Klimaschutz bleibt eine Mammutaufgabe. Um Frustration zu vermeiden, rät Konsumforscherin Reisch zunächst zu kleinen, aber konsequenten Schritten in bestimmten Bereichen des Alltags. «Man sollte nicht versuchen, alles auf einmal zu verändern. Das schafft man nicht. Aber jeder kann Bereiche finden, die er oder sie verändern kann und die sich gut in den Alltag einbinden lassen.»
dpa
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