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25.09.2022 | 13:18 | Biokraftstoffe 
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Staatliche Förderung von Biosprit beenden

Berlin - Einen sofortigen Förderstopp für Biokraftstoffe fordern Umweltverbände sowie eine Reihe von Wissenschaftlern, darunter die Agrarwissenschaftler Prof. Peter Feindt, Prof. Sebastian Lakner und Prof. Alois Heißenhuber.

Biokraftstoffe
Umweltverbände und Wissenschaftler fordern sofortigen Verzicht auf „klima- und umweltschädliche“ Subventionierung von Biokraftstoffen - Verweis auch auf die Ernährungskrise - Schreiben an Abgeordnete von SPD und FDP - Biokraftstoffindustrieverband kritisiert „Sammelsurium aus falschen Behauptungen“. (c) proplanta

Sie appellieren in einem Schreiben an Abgeordnete der Bundestagsfraktionen von SPD und FDP auf, ihre bisherige Zustimmung zu einem Einsatz von Biokraftstoffen zu überdenken und sich für das Ende der staatlichen Unterstützung von Biokraftstoffen auf der Basis von Nahrungs- und Futtermitteln einzusetzen.

„Wir fordern die FDP- und die SPD-Fraktion auf, die klima- und umweltschädliche Subventionierung von Biokraftstoffen sofort zu stoppen und sich dem Vorschlag von Bundesumweltministerin Steffi Lemke für einen Biokraftstoff-Förderstopp anzuschließen“, erklärte der Geschäftsführer vom Deutschen Naturschutzring (DNR), Florian Schöne.

Angesichts der Debatte um die Ernährungssicherheit und der anhaltenden Biodiversitätskrise sei es nicht zu verantworten, Nahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Rapsöl für Biokraftstoffe zu verwenden. Scharfe Kritik an dem Schreiben übte der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Gewinn für die Ernährungssicherung



Den Unterzeichnern zufolge sind Biokraftstoffe mitverantwortlich dafür, dass sich Pflanzenöle global betrachtet in den vergangenen zwei Jahren und insbesondere seit Beginn des Ukraine-Krieges von allen Lebensmitteln am stärksten verteuert haben. Rund 78 % des in der EU eingesetzten Biodiesels und 96 % des Bioethanols würden vor allem aus Pflanzenölen und Getreide hergestellt, die auch der menschlichen Ernährung dienen könnten.

Allein die in Deutschland im Jahr 2021 zu Biokraftstoff verarbeitete Getreidemenge von 2,4 Mio t würde nach Angaben der Unterzeichner ausreichen, um ein Jahr lang fast 16 Millionen vom Hunger bedrohte Menschen mit einer täglichen Getreideration zu versorgen.

Der Biokraftstoffkonsum der EU-27 beanspruche rund um den Globus insgesamt eine Fläche zwischen 5,1 Mio ha und 8,9 Mio ha. Das seien deutlich mehr als die 4 Mio ha an Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF), die die EU als Reaktion auf den Ukraine-Krieg nun vorübergehend für den Ackerbau zugelassen habe.

„Ein Biokraftstoff-Förderstopp wäre demnach ein weit größerer Gewinn für die Ernährungssicherung als die Freigabe der Artenschutzflächen“, so die Autoren.

Ein Armutszeugnis



Demgegenüber kritisierte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann „ein Sammelsurium aus falschen und nicht haltbaren Behauptungen, die weder wissenschaftlich begründet noch durch Fakten gedeckt sind“. Es sei bedrückend, so Baumann, „dass Öko-Lobbyisten meinen, zu solchen Halb- und Unwahrheiten greifen zu müssen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen“. So beriefen sich „die Lobbygruppen“ wieder einmal auf angebliche negative indirekte Effekte durch Biokraftstoffe.

Dass der Weltklimarat (IPCC) die dahinterstehende Theorie der indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC) als völlig unsicher und unbrauchbar abkanzle, störe „weder die Öko-Kämpfer noch die sich mit ihnen gemein machenden Professoren“. Baumann sieht darin „ein wirkliches Armutszeugnis.“
AgE
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Kommentare 
A. Fischer schrieb am 26.09.2022 09:46 Uhrzustimmen(1) widersprechen(11)
Ich kenne die gesteigerte Bezeichnung eines
- wirkliches Armutszeugniseines - nicht Herr Elmar Baumann.

Ich möchte ihnen auch kein Zeugnis ausstellen, sondern sie eigentlich in die persönliche Haftung nehmen wegen Beihilfe.

"Globaler Hunger

Mehr Biosprit, mehr Hunger: ein fataler Kreislauf
Der Ukraine-Krieg hat das globale Ernährungsproblem verschärft. Trotzdem wird ein Teil der Ernte noch immer für Biosprit verwendet." (1)

Und wenn es nicht der Regenwald ist der zerstört wird sind es gute Böden die eigentlich zur menschlichen Ernährungssicherheit beisteuern sollten.

"Bioethanol und Biodiesel aus Nahrungsmitteln für den Verkehr sowie Palmöl als Biobrennstoff für Kraftwerke zur Erzeugung von elektrischem Strom und Heizwärme sind nichts anderes als Kahlschlag-Energie, Klimaschwindel und bedeuten Hunger für Millionen Menschen. Wie die Agrarenergie den Regenwald zerstört." (2)

"Warum gibt es Biosprit?

Erstens:
Weil die Erdölvorräte abnehmen, aber weltweit immer mehr Menschen Auto fahren. In Deutschland zum Beispiel wurden 2019 47,7 Millionen Personenkraftwagen zugelassen,
Platz 1 in Europa (Quelle: Statista). Durch Pflanzenkraftstoff soll Erdöl immer mehr ersetzt werden.

Zweitens:
Man muss dringend etwas für das Weltklima tun. Denn die Verbrennung von Erdöl setzt gewaltige Mengen an Schadstoffen und Treibhausgasen wie CO2 frei.

Deshalb fördern die Bundesregierung und die Europäische Union mit Gesetzen und sehr viel Steuergeldern die Herstellung der Pflanzenenergie für Benzin und Diesel.

Ist Biosprit besser für das Klima?

Leider nein – ganz im Gegenteil.
Wissenschaftler haben sogar bewiesen, dass zum Beispiel Biodiesel aus Palm-, Raps- oder Sojaöl für das Klima noch schädlicher ist als Erdöl."(3)

(1)
https://www.srf.ch/news/international/globaler-hunger-mehr-biosprit-mehr-hunger-ein-fataler-kreislauf
(2)
https://www.regenwald.org/themen/biosprit
(3)
https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/biosprit
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