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02.08.2017 | 07:37 | Pilotprojekt 

Akustische Wildretter: Gemischtes Fazit der Landwirte

Bitburg/Idenheim/Gensingen - Wenn im Sommer große Wiesen gemäht werden, ist das für Rehkitze und andere junge Wildtiere eine gefährliche Zeit: Sie verstecken sich ahnungslos im hohen Gras und fallen so häufig den Mähmaschinen zum Opfer.

Akustische Wildretter
Landwirte in der Eifel versuchen seit gut einem Jahr, junge Rehe mit einer Sirene vor dem Tod durch die Mähmaschine zu bewahren. Auch wenn das den Bauern keine hundertprozentige Sicherheit gibt, wollen andere Landwirte den «akustischen Wildretter» ebenfalls nutzen. (c) proplanta

Um das zu verhindern, haben Landwirte und Jäger in der Eifel im vergangenen Jahr das Pilotprojekt «Akustischer Wildretter» gestartet: Eine laute Sirene soll die im Gras liegenden Tiere erschrecken und rechtzeitig zur Flucht bewegen.

Gut ein Jahr nach dem Beginn des Projekts fällt die vorläufige Bilanz der Landwirte gemischt aus: «Manche haben gesagt, ihnen bringen andere Möglichkeiten der Wildtierrettung mehr», sagt Andreas Lenz vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau in Bitburg. «Der ein oder andere wollte wegen einer höheren Arbeitsbreite aber auch noch ein zweites Gerät haben.»

20 landwirtschaftliche Betriebe im Eifelkreis Bitburg-Prüm nutzen seit April vergangenen Jahres das kleine Gerät. Initiiert worden ist das Pilotprojekt von der Kreisgruppe im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. (LJV), vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau Kreisverband Bitburg-Prüm und vom lokalen Maschinenring. Sie teilen sich auch die Kosten von knapp 50 Euro pro Wildretter.

«Im letzten Jahr habe ich etwa 400 bis 500 Hektar Wiese mit dem Gerät gemäht und kein Tier erwischt», sagt Thomas Neises, Landwirt aus Idenheim in der Eifel. Das kleine Gerät, das er und die anderen Bauern benutzen, wird mit Magneten am Mähwerk oder Schlepper befestigt. Über den Zigarettenanzünder des Traktors erhält der Wildretter Strom und erzeugt 120 Dezibel laute Sirenentöne in verschiedenen Tonlagen.

Eine hundertprozentige Sicherheit gebe die Sirene allerdings nicht. «Die hätte ich nur, wenn ich beispielsweise eine Wärmebildkamera hätte, mit der ich das Gras absuchen könnte.» Weil solche Kameras allerdings sehr teuer sind, kommen sie in der Landwirtschaft so gut wie nicht zum Einsatz - im Gegensatz zum «akustischen Wildretter». Mehrere Kollegen hätten sich bei ihm schon nach dem Gerät erkundigt, erzählt Landwirt Neises. «Die 50 Euro kann man ja ruhig investieren», sagt er. «Es schadet jedenfalls nicht.»

Wie viele Wildtiere den Mähmaschinen pro Jahr zum Opfer fallen, kann nicht genau beziffert werden. Schätzungen zufolge sind etwa 20 bis 25 Prozent der geborenen Rehkitze betroffen. Der Tod durch den Mähdrescher ist für die Tiere besonders qualvoll. Meist sterben sie nicht sofort, sondern werden so schwer verletzt, dass sie an Ort und Stelle langsam verenden. Im Gras liegende Tiere sind zudem eine Gefahr für die Rinderhaltung. Ist das Heu durch die Kadaver kontaminiert, könnten die Rinder, an die es verfüttert wird, erkranken oder sogar sterben.

Der «akustische Wildretter» kann jedoch nicht alle vor dem Tod bewahren. Rehkitze, die erst wenige Tage alt sind, haben meist noch keine Fluchtreflexe entwickelt und reagieren daher nicht auf den Signalton. Der Geschäftsführer des Bauernverbands in Bitburg, Andreas Lenz, bestätigt deswegen die Einschätzung von Landwirt Neises: «Das Gerät ist kein Allheilmittel, aber es ist ein weiterer Weg zum Tierschutz.»

Auch die Mährichtung ist nicht ganz unwichtig. «Wenn der Bauer von innen nach außen mäht anstatt andersherum, gibt er den Tieren die Chance, sich an die Ränder der Wiese zu flüchten», sagt Günther Klein vom Landesjagdverband Rheinland-Pfalz. Neises erzählt, er mähe zusätzlich immer in Richtung Wald: «So können die Tiere direkt dorthin flüchten.»

Der schrillste Warnton nutzt allerdings nichts, wenn sich Bauern und Jäger nicht absprechen. «Der Landwirt muss den Jäger rechtzeitig informieren, wenn eine Mahd ansteht», sagt Klein. Nur dann könnten beide Hand in Hand arbeiten und überlegen, wie sie die Tiere schützen. Landwirte sind zwar gesetzlich zum Tierschutz verpflichtet - wie sie das gewährleisten, können sie in Kooperation mit dem jeweiligen Jagdpächter aber selbst entscheiden.

Kommunikation ist auch an anderer Stelle entscheidend. «Wenn ich mit der Maschine bis auf wenige hundert Meter an Wohnhäuser heranfahre, kommt schon mal der ein oder andere Anwohner und fragt, was das für ein Geräusch sei», sagt Neises. Er erkläre ihnen dann, woher die Sirene komme und warum er sie benutze. Das würden die Leute dann direkt verstehen. «Es dient ja schließlich dem Tierschutz.»
dpa/lrs
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