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13.06.2016 | 00:03 | Welternährung 
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Geschäft mit dem Hunger - Agrarchemie als Weltretter?

Monheim - Auf dem Firmengelände von Bayer CropScience im rheinischen Monheim herrscht Campus-Idylle. Das 65 Hektar große Areal mit weitläufigen Rasenflächen, Teichanlagen und Gewächshäusern markiert einen Kontrapunkt zu stinkenden Dämpfen und brodelnden Kesseln eines Chemiestandortes.

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(c) proplanta

Hier am Stammsitz der Bayer-Tochter, die der Konzernvorstand mit der Übernahme von Monsanto an die Weltspitze im Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäft katapultieren will, laufen nicht nur die Fäden der weltweiten Aktivitäten von Bayer in der Agrarchemie zusammen. Hier entwickeln Biologen, Chemiker und Ingenieure neue Wirkstoffe gegen Schädlinge und Pilzerkrankungen.

Doch das Forschen in grüner Idylle ist trügerisch: Die Pflanzenschutzsparte von Bayer steht nicht erst unter Beschuss, seitdem Konzernchef Werner Baumann den höchst umstrittenen Saatgutspezialisten Monsanto aufs Übernahme-Radar genommen hat. Kritisch beäugen Umweltschützer das Unternehmen seit vielen Jahren. Wegen eines massiven Bienensterbens zum Beispiel, für das das Beizmittel Poncho verantwortlich sein soll, geriet Bayer vor einigen Jahren unter Druck.

Die Coordination gegen Bayer-Gefahren und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) verlangten erst vor ein paar Wochen ein Verbot des Pestizids Glufosinat Ammonium, dessen Herstellung Bayer in den USA für den dortigen Markt derzeit massiv ausbaut. Das Herbizid, das ähnliche Anwendung findet wie das derzeit umstrittene Glyphosat von Monsanto, soll angeblich Missbildungen hervorrufen können.

Für Bayer, Syngenta, Monsanto & Co gehören Pflanzenschutzmittel aber zum tragenden Geschäftsmodell, genauso wie die Gentechnik, das Saatgutgeschäft und die Züchtung ertragreicher Hybridsorten. «Gemeinsam mit Monsanto wollen wir helfen, die Ernten zu steigern», beteuert Bayer-Chef Baumann. Ihm schwebt vor, den Landwirten weltweit und in großem Maßstab alles aus einer Hand anbieten und sich von der Konkurrenz absetzen zu können. Und es geht auch um Kostenersparnis und die Bündelung teurer Forschungsaktivitäten.

Angesichts der enormen Marktchancen im Agrargeschäft, das von den großen Sechs (Syngenta, Bayer, BASF, Dow Chemical, Monsanto, DuPont) dominiert wird, flüchten die Anbieter zunehmend in Fusionen und Übernahmen. Wer von den lukrativen Aussichten profitierten will, der muss fressen, um nicht gefressen zu werden. Möglicherweise hat diese Perspektive, selbst zu einem Übernahmeopfer zu werden, Bayer zum Angriff auf Monsanto getrieben.

In der Branche herrscht nämlich seit Monaten große Nervosität. Wer unternimmt welchen Schritt zuerst? So versuchte Monsanto zunächst den den Branchenprimus Syngenta zu schlucken, blitzte bei den Schweizern aber ab. Freundlicher empfangen wurde ChemChina, die für die Übernahme 43 Milliarden US-Dollar bot. In den USA steht zudem der Zusammenschluss von Dow Chemical und Dupont bevor; und Bayer geht nun bei Monsanto in die Offensive.

Ob solche Elefantenhochzeiten von den Wettbewerbsbehörden am Ende abgesegnet werden, steht noch auf einem anderen Blatt. Am Ende könnten zwei bis drei Anbieter übrig bleiben, die Branche fest im Griff haben, vor allem im Saatgutgeschäft - eine Schreckensvision für Umweltschützer, Nicht-Regierungsorganisationen und Aktivisten: «Es droht eine nie da gewesene Monopolisierung des Saatgut-Sektors», heißt es bei der Coordination für Bayer-Gefahren.

Angesichts der rasanten Zunahme der Weltbevölkerung - die UN rechnet bis zum Jahr 2050 mit 10 Milliarden Menschen - stellt die Industrie immer wieder die Frage: Wie kann die Ernährung in Zukunft gesichert werden? Nur Chemie, Gentechnik, Hybride und Pflanzenschutz können das schaffen, wird argumentiert. Dabei geht es am Ende um viel Geld.

Nach Angaben des Industrieverbandes Agrar erreichte der Weltmarkt im Pflanzenschutz 2015 ein Volumen von 46,1 Milliarden Euro; einschließlich Saatgut kommen 85 Milliarden Euro zusammen. Bis 2025 könnte sich das Marktvolumen beim Pflanzenschutz und Saatgut Bayer zufolge bereits auf 120 Milliarden Euro erhöhen.

Das sind verlockende Aussichten. Aber wohin nur mit der Produktion, wenn schon heute im Jahr nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel im Müll landen? Das sind ein Drittel der weltweiten Produktion jährlich. Der World Wildlife Fund (WWF) spricht von einer «Ressourcenverschwendung ungeheuren Ausmaßes».

Industrielle Landwirtschaft, Pestizide und Hybride - das sind für Valentin Thurn Kennzeichen eines Produktionssystems, das nicht länger als Vorbild dienen kann. Der Dokumentarfilmer und Buchautor («Zehn Milliarden - Wie werden wir alle satt», «Taste the Waste») hat viele Entwicklungsländer bereist und resümiert: Viele Menschen haben überhaupt keinen Zugang zu den Nahrungsmitteln oder können sich diese nicht leisten. «Wir brauchen nicht mehr Agrarindustrie und noch mehr Ungleichheit», folgert er, «sondern angepasste Technik und mehr klein-bäuerliche Strukturen».
dpa
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agricola pro agricolas schrieb am 13.06.2016 13:21 Uhrzustimmen(99) widersprechen(77)
Der Eyecatcher in der BAYER-Werbung: „ADVANCING TOGETHER“ - Dahinter verbirgt sich ganz unumwunden medial preisgegeben bis 2025 ein Weltmarktvolumen beim Umsatz von Saatgut und Pflanzenschutz von möglichen 120 Mrd. Euronen. Hehre Ziele, führwahr!!! Und WER ZAHLT!?// Erklärlich nun das durchaus ernüchternde Fazit vorstehenden Artikels, wonach blindwütig unsere weltweiten Ressourcen im Hier und Jetzt innerhalb westlicher Wohlstandswelten teilweise vollkommen sinnbefreit verplempert werden indem die Biomüllproduktionen sektorenübergreifend -derzeit angesiedelt bei jährlich einem Drittel mit kontinuierlich weiterhin steigender Tendenz, bei Teilen unserer Erzeugnisse schon heute bis zu 50 %(!)- unbeirrt angeheizt bleiben sollen. Zu welchem Zweck!? Noch immer leidet heute jeder 7. Erdenbürger, der nicht in das richtige Fleckchen auf unserem Blauen Planeten hineingeboren wurde, Hunger. // Billigend in Kauf genommen wird für das Umsatzziel der Weltmarktführerschaft nur einiger handverlesener Agrargiganten, dass die weltweite Sortenvielfalt rasant verarmt. Alte robuste, dem Standort angepasste Kultursorten müssen den sündhaft teuren „modernen“ Hochleistungssorten weichen. Welche Freude aber kommt auf, wenn gerade letzteres extrem verengte Sortenspektrum infolge zunehmender Wetterunbilden nicht über eine entsprechende Eignung durchgängig verfügt, um Missernten in großem Stil ausschließen zu können!? (Gelbrost lässt heuer bereits zum zweiten Male in kürzester Zeit grüßen!) Können innerhalb dieser insbesondere egozentrischen Money-Maker-Systeme sodann wirkliche Anbaualternativen parat gehalten werden!? Ruhen selbige lediglich verstaubt in deren Schubladen, um im Bedarfsfalle jederzeit reaktiviert zu werden!? Zu welchen Bedingungen!? // SUPER EIN- u. AUSBLICKE in die landwirtschaftliche Zukunft für WEN!? Das kleine Bäuerlein jedenfalls als absolutes Schlusslicht innerhalb dieser hohe Renditen verheißenden Wertschöpfungskette bleibt der lemmingenhaft treudoofe Subventionsempfänger bar jedweden zugestandenen eigeninitiativen „Unternehmergeistes“, seine berufliche Existenz orientiert sich gerade mal am betriebswirtschaftlichen Minimum, wo die ihm willkürlich administrativ vorgegebenen strengen Qualitätsparameter einzig gesichert das Fluten der Kapital-Pipelines von nur noch 2-3 Monopolisten innerhalb des Weltmarktgefüges zu manifestieren verhelfen!!!(?) // Wo führen derzeit nun aber bereits die gnadenlosen Wachsen-oder-Weichen-Strategien innerhalb der Urproduktion denn hin!!! Schützt bloße Größe bei überhitzten Wachstumsschritten automatisch die güldenen Blendwerke jedes fresswütigen Agrargiganten im Weltmarktgefüge oder könnte auch ein solcher Olymp geflissentlich infolge menschlicher Selbstüberschätzung innerhalb der dortigen Manageretagen gefährlich ins Wanken geraten!? / Gerade auf dem Saatgutmarkt ist die Thematik „gesunder Wettbewerb“ doch hinlänglich bekannt bereits heute bloße Makulatur. Wer im eigentlichen schützt hier noch das bäuerlich geistige Eigentum, das unsere Vorfahren im Verlaufe der letzten Jahrhunderte erworben haben!? Allgemeingut, doch wohl von diesen wahrlich nicht mit der Abgreiflizenz an die Agrarkonzernriesen weitervererbt, damit selbige hier durch hochpreisige Segmente den Nachkommen auf den Höfen betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen vollends entziehen können!? -„Advancing together“ wollte man SO garantiert nicht definiert wissen!
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