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14.11.2006 | 14:23 | Zuckerrübenanbau 

Neustrukturierung am EU-Zuckermarkt

Bonn - In der ersten Saison nach der Reform des Zuckermarktes in der Europäischen Union ist die Produktion deutlich zurückgegangen.

Zuckermarkt
(c) abcmedia - fotolia.com

Während die Zuckererzeugung in früheren Jahren EU-weit bei etwa 20 Millionen Tonnen lag, wird sie sich im Wirtschaftsjahr 2006/07 auf knapp 18 Millionen Tonnen ermäßigt haben. Von dieser Menge darf wiederum gut eine Million Tonnen nicht mehr zu Nahrungszwecken verwendet werden, sondern muss der Verarbeitungsindustrie – chemische Industrie, aber vor allem Bio-Ethanolproduktion – zugeführt werden. Als Folge der geringeren Produktion übersteigen die Zuckerimporte die Exporte.

In früheren Jahren gehörte die Europäische Union zu den weltweit bedeutendsten Exportregionen. Jährlich wurden fünf bis sechs Millionen Tonnen Zucker ausgeführt. Künftig wird es deutlich weniger sein, exportiert werden dürften nur noch 0,8 bis eine Million Tonnen. Gleichzeitig steigen die Importe bei sinkendem Außenhandelsschutz; sie könnten das Doppelte der vormaligen zwei Millionen Tonnen erreichen.

Anfang Oktober dieses Jahres hat die EU-Kommission eine weitere Schätzung der Zuckerbilanz 2006/07 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in der EU-25 einschließlich der Winterkulturen in Spanien, Italien und Portugal, der Verzuckerung von Melasse und der Vorträge aus dem Vorjahr von 632.000 Tonnen eine Zuckerproduktion von gut 17,8 Millionen Tonnen zusammenkommt. Das sind 1,1 Millionen Tonnen mehr als man zunächst vermutet hatte.

Später Erntebeginn – hohe Erträge
Laut Ernte- und Erzeugungsschätzung der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker haben die deutschen Landwirte den diesjährigen Zuckerrübenanbau um 15,4 Prozent auf 355.800 Hektar eingeschränkt, damit die Produktion nicht über die zugestandene Schwelle von rund 3,1 Millionen Tonnen hinausgeht; hierbei ist bereits der Zucker für die Verwendung außerhalb des Nahrungsmittelsektors berücksichtigt.

Nach dem heißen und trockenen Sommer gingen Beobachter zunächst davon aus, dass nur eine kleine Menge für diesen Zweck verfügbar wäre. Inzwischen allerdings mussten die Produktionsschätzungen nach oben korrigiert werden. Denn die mittleren Rübenerträge liegen mit schätzungsweise 59,2 Tonnen pro Hektar nur wenig unter den vorjährigen 60,3 Tonnen.

Einschließlich der Übertragung aus dem Vorjahr und der Zuckererzeugung aus Melasse könnte sich die hiesige Zuckererzeugung auf 3,33 Millionen Tonnen belaufen, so dass die für andere als für Nahrungszwecke produzierte Mente etwa 235.000 Tonnen ausmachen wird.

Die diesjährige Kampagne startete zum Monatswechsel September/Oktober vergleichsweise spät, damit die im Sommer zurückgebliebenen Zuckerrüben noch etwas wachsen konnten. Dadurch hinken bislang auch Ernte und Verarbeitung den Mengen in normalen Jahren hinterher. Waren am 21. Oktober 2005 bereits 9,5 Millionen Tonnen Rüben angeliefert worden, waren es ein Jahr später 6,2 Millionen Tonnen.

Mehr Zucker in den Nichtnahrungssektor
Die Zuckerquote der Europäischen Union umfasst 17,4 Millionen Tonnen. Um allerdings den internationalen Verpflichtungen gerecht zu werden, also den Zuckerexport auf die zugestandenen 1,3 Millionen Tonnen zu begrenzen und gleichzeitig das Gleichgewicht am Markt nicht zu stören, wurde im März dieses Jahres für jedes einzelne Land eine Produktionsschwelle eingeführt, ab der Zucker außerhalb des Nahrungsmittelbereichs zu verwenden ist.

Für die EU beträgt der Schwellenwert 14,28 Millionen Tonnen, für Deutschland 2,86 Millionen Tonnen. Hinzu kommen für Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien Zusatzkontingente sowie die auf das laufende Jahr angerechneten Winterkulturen in Südeuropa, so dass die Produktionsschwelle insgesamt bei gut 15,4 Millionen Tonnen liegt.

Bei der erwarteten EU-Produktion von 17,8 Millionen Tonnen bleibt somit ein Überschuss von 2,4 Millionen Tonnen. Dieser ist in einigen EU-Staaten wie beispielsweise Deutschland bereits vollständig als Industriezucker wie Ethanol verbucht. 1,3 Millionen Tonnen allerdings werden außerhalb der Quote anfallen, die in den betroffenen Ländern für 2007 einen zusätzlichen Kürzungsfaktor der Produktionsschwelle bedeuten könnten.

Frühzeitige Entscheidungshilfen erhofft
Während der Umfang der Produktionsschwelle für das Zuckerwirtschaftsjahr 2006/07 endgültig ist, gibt es für den folgenden Zeitraum noch keine Entscheidung von Brüssel. Diese wird der neuen Zuckerordnung zufolge davon abhängen,wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im nächsten Wirtschaftsjahr eingeschätzt wird.

Ein wesentlicher Baustein dabei ist der Erfolg der Restrukturierung: Unter Gewährung einer Strukturprämie von 730 Euro je Tonne Zucker in den Jahren 2006 und 2007 werden Quoten herausgekauft, um die Zuckererzeugung in der EU zu drosseln.

Für das laufende Wirtschaftsjahr war ein Umfang von 3,2 Millionen Tonnen geplant. Bisherigen Erkenntnissen zufolge kommt aber nur eine Quotenrückgabe von bis zu 1,5 Millionen Tonnen zusammen. Da im nächsten Jahr die Strukturprämie noch unverändert ist, verschieben Unternehmen wohl die Schließung von Standorten um ein Jahr, so dass möglicherweise im nächsten Wirtschaftsjahr ein deutlich größerer Abgang von Quoten als die geplanten eine Million Tonnen zusammenkommt.

Die Entscheidungen darüber müssten bis Ende Januar des nächsten Jahres getroffen sein. Ab 2008/09 sinkt dann die Strukturprämie, eine Quotenrückgabe würde deutlich weniger attraktiv. Trotzdem ging die Europäische Kommission in ihren Vorausschätzungen auch für die Jahre 2008/09 und 2009/10 von weiteren Quotenrückgaben im Gesamtumfang von 1,8 Millionen Tonnen aus. Das ursprüngliche Ziel lautete, von den anfänglichen 17,4 Millionen Tonnen effektiver Quote auf 12,4 Millionen Tonnen herunterzukommen.

Marktbeteiligte hoffen, dass bis Ende Januar 2007 mehr Erkenntnisse über das Verhältnis von Zuckererzeugung und -verbrauch innerhalb der EU im folgenden Wirtschaftsjahr vorliegen. Diese sind aus Sicht der Landwirte zu diesem Zeitpunkt auch dringend erforderlich, um den Anbauumfang 2007 einigermaßen planen zu können. Endgültig festgelegt wird die Produktionsschwelle aber erst im Oktober 2007, doch dann läuft längst die nächste Kampagne.

Quelle: ZMP Agrarmarkt 14.11.2006
© ZMP


 
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