Donnerstag, 27.01.2022 | 10:12:10
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
09.09.2020 | 05:19 | Energiemarkt 

Niedriger Ölpreis stellt Opec vor Herausforderungen

Wien - «Wir haben einen sehr exklusiven Klub gegründet.» Stolz verkündete der Ölminister Venezuelas, Perez Alfonso, die Einigung in Bagdad.

Ölmarkt
Aus organischen Partikeln ist über viele Millionen Jahre Erdöl geworden. Der Bodenschatz hat viele Opec-Staaten reich gemacht. Doch das vor 60 Jahren gegründete Kartell steht von einer ungewissen Zukunft. (c) proplanta
Iran, Irak, Saudi-Arabien, Kuwait und Venezuela hatten es satt, bei ihren Öleinnahmen von den westlichen Ölmultis abhängig zu sein. Die Konzerne hatten die Förderung des schwarzen Goldes in ihrer Hand, die Länder selbst bekamen nur einen kleinen Teil der Einnahmen.

Die Gründung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) vor 60 Jahren (14. September 1960) war ein Befreiungsschlag - und der Beginn einer Geschichte von Macht und Ohnmacht eines Kartells.

Heute kontrolliert die Opec zusammen mit ihren neuen Partnern in der Opec+ mehr als 40 Prozent der weltweiten Ölförderung. Das Bündnis funktioniert - und ist nicht zuletzt wegen der mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise doch bedroht.

«Je länger Öl so wenig kostet, desto wahrscheinlicher wird eine Belastungsprobe für das Bündnis», sagt Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Zu hoch seien die Ölpreise, die die derzeit 13 Mitglieder des Kartells für einen ausgeglichenen Staatshaushalt erzielen müssten.

Zwar hielten sich selbst sonst eher weniger disziplinierte Länder wie der Irak, Nigeria und Angola aktuell an die beschlossenen Förderkürzungen, die den Preis um die 45 Dollar pro Barrel (je 159 Liter) pendeln ließen. Aber nicht einmal finanziell starke Mitgliedsländer könnten sich ein solches Preisniveau über lange Zeit leisten. Allein Saudi-Arabien hat nach eigenen Angaben von April bis Juni 32,5 Milliarden Dollar weniger mit seinen Ölexporten eingenommen als im Vorjahreszeitraum.

Im Grundsatz glänzt der Bodenschatz Öl nach Überzeugung von Experten auch in Zeiten der Klimakrise und des Kampfes gegen fossile Energieträger. «Der Treibstoff der Globalisierung ist und bleibt Öl», sagt der Energieexperte Andreas Goldthau von der Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt. Allerdings werden die Karten auf dem Ölmarkt laut Goldthau in den nächsten Jahrzehnten in mehrfacher Hinsicht neu gemischt.

«Es wird darum gehen, das Öl umweltfreundlicher zu machen», so der Experte. Das beginne zum Beispiel schon am Bohrloch, wo klimaschädliche Gase wie Methan frei werden. Das könne man im Sinne des Klimas ändern. «Öl ist außerdem nicht gleich Öl.»

Das leichtere Öl aus Saudi-Arabien sei weniger umweltbelastend als das schwere Öl Venezuelas, das deutlich weniger zukunftsfähig sei. Trotz aller Anstrengungen in Sachen Energiewende vor allem in Europa scheint es wenig Zweifel zu geben, dass mittelfristig der Ölbedarf noch wächst.

Die Opec selbst geht bisher zumindest bis 2040 von einem deutlichen Plus bei der weltweiten Ölnachfrage aus - getrieben durch Länder wie China und vor allem Indien sowie den Bedarf an Kunststoffen.

Das Geschäft mit dem Öl hat einigen Opec-Staaten sagenhaften Reichtum gebracht. Zu Zeiten der besonders hohen Ölpreise von fast 150 Dollar pro Barrel wie Mitte 2008 summierten sich die Einnahmen der Opec nach Schätzungen der US-Energiebehörde auf 970 Milliarden Dollar (nach aktuellem Kurs 820 Mrd Euro), Saudi-Arabien allein soll in diesem Rekordjahr fast 300 Milliarden Dollar eingenommen haben.

Auf lange Sicht gesehen sind die Schwankungen des Ölpreises trotz aller Anstrengungen des Kartells gewaltig. In den vergangenen Jahren hat der Boom der US-Schieferölindustrie - aktuell steckt sie wegen der niedrigen Weltmarktpreise tief in der Krise - die Marktmacht der Opec arg beschnitten. Immer wieder fiel der Preis wie jetzt in der Corona-Krise dramatisch.

Ein zentrales Ziel der Opec, wie sie bei ihren halbjährlichen Sitzungen in Wien betont, ist die Balance des Marktes. Liefer- wie Verbraucherländer sollen von einer stabilen Versorgung bei einem für beide Seiten tragbaren Preis profitieren. Denn Öl ist nicht nur ein einträgliches, sondern auch teures Geschäft. Von den oft sehr kostspieligen Testbohrungen bringen nur wenige die ersehnten Erträge.

Zum Schreckgespenst für deutsche Autofahrer und die Weltwirtschaft wurde die Opec 1973. Das Kartell griff als Strafe für die westliche Unterstützung Israels im Krieg gegen Ägypten zur Ölwaffe. Es verdoppelte über Nacht fast den Preis für Öl und kündigte Produktionskürzungen an.

Angesichts einer drohenden Öl-Knappheit beschloss der Deutsche Bundestag in Windeseile drastische Maßnahmen: Ein Fahrverbot an vier Sonntagen im November und Dezember und - fast vier Monate lang - ein Limit von Tempo 100 auf den Autobahnen.

Heute kann die Opec den Preis nicht mehr einfach diktieren. Aber das Ende 2016 etablierte Zweckbündnis mit zehn weiteren ölproduzierenden Ländern wie dem Rohstoff-Giganten Russland zur Opec+ war ein strategisch wichtiger Schritt. Damit ziehen abgesehen von den USA nun mit Saudi-Arabien und Russland zwei der drei wichtigsten Ölförderländer mehr oder weniger an einem Strang.

Die Steuerung des Ölpreises soll über ein auf den Markt abgestimmtes dosiertes Auf- und Abdrehen des Ölhahns funktionieren. Das ist schwer. «Schon allein deshalb, weil niemand wirklich nachprüfen kann, ob die Länder ihren Verpflichtungen nachkommen», sagt Goldthau. So ist der Experte mit Blick auf die Zukunft der Opec eher skeptisch. «Diese Klubs sind nicht für ewig.»
dpa
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Energiebranche fordert schnelle Abschaffung der EEG-Umlage

Öko-Energieversorger: Lichtblick will komplett klimaneutral werden

Ampel-Partner beraten frühere Abschaffung der EEG-Umlage

Dieselpreis steigt auf Allzeithoch

Senkung der EEG-Umlage kommt bei Endverbrauchern nicht an

  Kommentierte Artikel

Frankreich streitet um sein liebstes Brot

Bundesregierung stoppt Förderung für energieeffiziente Gebäude

Grain Club mahnt zu pragmatischer Agrarpolitik

Keine Abschussgenehmigung für Wolf in Bayern

Fehlende Planungssicherheit drückt auf die Stimmung

Özdemir sichert Landwirten bessere Planbarkeit zu

Neue grün-grüne Freundschaft: Cem Özdemir und Steffi Lemke

Ministerin Lemke stimmt Bauern auf Kurswechsel in deutscher Agrarpolitik ein

Tempolimit: Für Wissing ein ganz kleines Thema?

Zugang zu Wirtschaftshilfen für Schweinehalter anpassen

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt