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21.04.2022 | 03:09 | Düstere Konjunkturerwartungen 

Weltwirtschaftsinstitut rechnet mit Rezession

Hamburg - Angesichts des Krieges in der Ukraine und steigender Verbraucherpreise haben sich die Aussichten auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise in Hamburg und ganz Deutschland verschlechtert.

Konjunkturbericht
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Nach zwei Jahren Corona erwarteten Wirtschaftswissenschaftler für dieses Jahr eigentlich eine konjunkturelle Erholung. Eigentlich. Doch nicht nur Omikron macht den Vorhersagen einen Strich durch die Rechnung, sondern nun auch der Krieg in der Ukraine. (c) JensHN - fotolia.com
Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) senkte am Mittwoch seine Konjunkturerwartungen und warnte vor einer tiefen Rezession.

In der Hamburger Wirtschaft herrsche große Verunsicherung, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, Malte Heyne, bei der Vorlage des aktuellen Konjunkturberichts von Handelskammer und HWWI. Jedes dritte Unternehmen rechne mit einer Verschlechterung der eigenen geschäftlichen Lage in den kommenden Monaten.

«Zum allerersten Mal in zwölf Jahren werden die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko genannt», sagte er. Sieben von zehn Unternehmen sähen dies so. Damit hätten die Preissteigerungen den Fachkräftemangel als Risikofaktor auf Platz zwei verdrängt.

«Wir müssen konstatieren, dass voraussichtlich auch im ersten Quartal 2022 das deutsche Bruttoinlandsprodukt gesunken sein wird», sagte Michael Berlemann, wissenschaftlicher Direktor des HWWI. Da auch im Schlussquartal 2021 das BIP gesunken sei, «befinden wir uns definitionsgemäß bereits in einer Rezession, aller Voraussicht nach.»

Zusätzliche Unsicherheit schafften drohende Embargos gegen russisches Öl oder Gas. «Bei anhaltendem Krieg in der Ukraine und zunehmendem Umfang gegenseitiger Sanktionen droht die Gefahr einer tiefen Rezession», sagte er.

Heyne betonte, dass gerade die Industrie von weiter steigenden Energiepreisen oder ausbleibenden Energielieferungen betroffen wäre. «Jeder vierte Arbeitsplatz in Hamburg ist von der Industrie abhängig.» Er warnte vor den Auswirkungen eines Gasembargos - auch in Hinblick auf die Möglichkeiten Deutschlands, die Ukraine zu unterstützen. «Helfen kann nur, wer sich selbst nicht in Gefahr bringt. Und deshalb müssen wir darauf achten, dass wir unsere Wirtschaft wirklich stark halten.»

Auch Europas größte Kupferhütte Aurubis sei von den volatilen Energiepreisen betroffen, sagte Ulf Gehrckens, Executive Vice President Energy & Climate Affairs der Aurubis AG. «Wir können das aktuell durch das sehr hohe Niveau der Metallpreise und angesichts der weiterhin sehr hohen Nachfrage nach unseren Produkten und noch funktionierender Lieferketten sehr gut aushalten.»

Er warnte aber davor, im Falle eines Stopps der Gaslieferungen aus Russland der Industrie den Hahn zuzudrehen. «Russland liefert immer noch etwa 40 Prozent des deutschen Gases und etwa 40 Prozent ist auch der Bedarf der Industrie. Wenn das zuerst abgeschaltet werden würde, wäre das aus unserer Sicht eine Horrorvorstellung. Man muss alles dafür tun, dass das ersetzt wird.»

Im Sinne einer sicheren und diversifizierteren Versorgung unterstütze Aurubis daher die Bestrebungen, schnellstmöglich schwimmende LNG-Terminals in Deutschland zu installieren, sagte Gehrckens. «In Hamburg-Moorburg finden sich durch die bereits vorhandene Weiterleitungsinfrastruktur die besten Voraussetzungen für eine mögliche Inbetriebnahme noch diesen Herbst.»

Zudem wolle man bei Aurubis nach Möglichkeit Wasserstoff oder Ammoniak einsetzen. «Wir machen im Moment auch Versuche, dass wir das Erdgas durch LPG ersetzen.» Bei LPG handelt es sich um ein durch Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan - auch als Autogas bekannt. «Das ist technisch gar nicht so schwierig, das ist nur genehmigungstechnisch schwierig», sagte Gehrckens und forderte schnellere Genehmigungsverfahren.

HWWI-Direktor Berlemann trat Erwartungen entgegen, dass der inflationäre Druck, der durch den Preisanstieg bei Energie und Rohstoffen entstehe, schnell wieder abebben könnte. In Bezug auf die Endverbraucherpreise gebe es eine Wirkungsverzögerung von circa drei Monaten. «Wir werden in den nächsten Monaten weiterhin kräftige Preissteigerungen bei Endprodukten sehen», sagte er.

Vor diesem Hintergrund wäre es «sehr wünschenswert», dass die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik überdenkt, um eine drohende Lohn-Preis-Spirale zu verhindern.
dpa
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