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30.12.2010 | 09:16 | Biosprit 

Was bringt der neue Biosprit?

Berlin - Mit Biosprit ist es so eine Sache. Die einen sehen ihn als Garant für mehr Klimaschutz im Verkehr. Die andern verweisen auf eine unselige Konkurrenz zwischen Tank und Teller - und fürchten höhere Spritpreise.

Biosprit
«Die Förderung des Biosprits hat Hungerkrawalle mitverursacht», sagt etwa der Chef des Münchener ifo-Instituts, der Ökonom Hans-Werner Sinn. So sei durch den hohen Mais-Bedarf auch die Tortilla-Krise 2007 in Mexiko entstanden. Biosprit sei ein teurer Irrweg, wettert Sinn.

Nun kommt 2011 ein neuer Biokraftstoff an die deutschen Tankstellen, im Fachjargon E10. Statt einer bisherigen fünf- prozentigen Beimischung von Ethanol zum Sprit werden dabei Superbenzin zehn Prozent Ethanol beigemischt. Allerdings könnte das Bioethanol-Gemisch vielerorts erst im Laufe des ersten Quartals an den Zapfsäulen erhältlich sein, da die Umstellung für Mineralölkonzerne und Tankstellen aufwendig ist.

Bundesregierung und Bundesrat hatten im Herbst den Weg frei gemacht für die Einführung des neuen Bio-Super-Sprits, mit dem eine EU-Richtlinie umgesetzt wird. 90 Prozent der Autos können E10 tanken - in der Regel alle Autos ab Baujahr 1990, bei Marken wie Audi, Ford, Opel, VW oder BMW sind fast alle Modelle E10-tauglich. Bei Mercedes fast alle nach 1985 produzierten Wagen. Rund 3,5 Millionen Autos vertragen den neuen Sprit aber nicht - im Zweifelsfall fragt man am besten beim Hersteller nach.

«Wer nicht ganz sicher ist, sollte weiterhin das normale, mit fünf Prozent Bioethanol versetzte Benzin tanken», sagt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Bis 2013 ist dieser herkömmliche Sprit weiterhin erhältlich.

Die Biokraftstoffbranche betont, Ethanol sei nicht viel teurer als normales Benzin. Zudem müsse die Mineralölindustrie ein Interesse daran haben, E10 zu verkaufen, denn sie sei gesetzlich verpflichtet, Biosprit in den Markt zu bringen. In der Mineralölbranche sieht man das anders. E10 werde wegen der vorgeschriebenen Einspeiseverpflichtung das Benzin verteuern, heißt es unisono. Ethanol ist bisher teurer als herkömmlicher Sprit nur aus Erdöl.

Es ist in diesem Fall ein wenig wie in der Strombranche, wo die Platzhirsche die Ökoenergien für Preissprünge verantwortlich machen - selbst aber in ihrer Preisgestaltung oft intransparent sind.

E10 soll neben dem Klimaschutz aber auch gerade dazu dienen, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Wird dieses knapper und teurer, dürfte Biosprit langfristig stark preisdämpfend wirken.

Wegen des niedrigeren Energiegehalts von Ethanol wird E10 aber in jedem Falle etwas den Spritverbrauch steigern - was es für den Autofahrer so oder so teurer macht. Letztlich werden die Verbraucher an der Tankstelle entscheiden, ob sich E10 durchsetzt.

Die Umweltschützer vom NABU halten andere Instrumente für besser, um das Klima zu schonen, da für den Biokraftstoffanbau teils auch klimaschützende Waldflächen gerodet würden und daher das ganze ein Nullsummenspiel sei. Sinnvoller seien spritsparendere Autos und neue CO2-freie Technologien. «Bis 2020 verursachen Ethanol und Biodiesel erhebliche Klimagasemissionen», sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Zudem sei für die Erreichung der EU-Biokraftstoffziele ein zusätzlicher Flächenbedarf von bis zu 6,9 Millionen Hektar nötig.

Der Präsident des Biokraftstoff-Verbands, Claus Sauter, betont hingegen, nach einer Berechnung der Weltbank würden nur 1,5 Prozent der Ackerflächen für die Biokraftstoffproduktion genutzt. Und mit Blick auf die Tank/Teller-Kritik von ifo-Chef Sinn sagt Sauter, in Europa würden lediglich zwei Prozent der Getreideernte für Ethanol eingesetzt. Weltweit stünden noch ausreichend Brachen und degradierte Flächen zur Verfügung, um Biokraftstoff herzustellen.

Mit dem Biokraftstoffquotengesetz von 2007 wurde die Beimischung zu fossilen Kraftstoffen in Deutschland verankert, bis 2020 soll EU- weit zehn Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr mit Öko-Energien abgedeckt werden. Verbandschef Sauter hält die Einführung von E10 daher für nicht ausreichend. Die Regierungspläne sähen für die kommenden Jahre einen praktisch gleichbleibenden Anteil von Biokraftstoffen vor, «der ab 2017 sprunghaft ausgebaut werden müsste, um das Zehn-Prozent-Ziel im Jahr 2020 zu erreichen». (dpa)
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