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13.04.2011 | 03:38 | Geodaten  

KTBL-/LBEG-Tagung: Geoinformationstechnologien in der Landwirtschaft 2011

Hannover - Geoinformationstechnologien sind ein fester Bestandteil der modernen Landwirtschaft. Ob zur Ortung landwirtschaftlicher Maschinen oder der Beantragung von EU-Prämien, Geodaten nehmen eine zentrale Rolle ein.

Geoinformationssystem
(c) proplanta

Und die Bedeutung steigt rasant. Damit die Landwirtschaft ihr Potenzial voll nutzen kann, muss sie sich noch aktiver in den Entscheidungsprozess mit einbringen. Das ist das Ergebnis der vierten gemeinsam vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) und dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) durchgeführten Tagung am 23. März 2011 im Geozentrum Hannover. Den über 70 Teilnehmern aus Verwaltung, Wissenschaft, Verbänden und Wirtschaft wurde in 10 Vorträgen ein Überblick über die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, neue Anwendungsbereiche und Perspektiven aus der wissenschaftlichen Arbeit geboten.


INSPIRE-Beteiligungsprozess und Datenschutz

Den aktuellen Umsetzungsstand der EU-Richtlinie INSPIRE (Infrastructure for Spatial Information in Europe) stellten Dr. Martin Lenk, Leiter der Koordinierungsstelle der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE), und Dr. Dirk Hinterlang vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen vor. Die Richtlinie soll die Verfügbarkeit, Qualität, Organisation und die Zugangsmöglichkeiten von Geodaten erleichtern. Beide Referenten wiesen auf die bisher zu wenig genutzten Beteiligungsmöglichkeiten der Landwirtschaft in diesem europäischen Prozess hin. Die lebhafte Diskussion des Beitrags zeigte deutlich, dass landwirtschaftliche Belange möglichst kurzfristig in den bereits fortgeschrittenen nationalen Umsetzungsprozess eingebracht werden müssen.

Noch viele Fragzeichen bei der Datenschutzrelevanz von Geodaten machte Norman Rauthe von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in seinem Vortrag über Rechtsfragen und Datenpolitik im Kontext raumbezogener Daten aus. Neben Vorgaben, die den Zugang und damit den Nutzen von Geodaten erleichtern sollen, existieren im Bundesdatenschutzgesetz Regelungen, die diese Initiativen behindern könnten.


Kooperationen zur Bereitstellung von Geodaten

Einen kostengünstigen Zugang zu qualitativ hochwertigen Geodaten stellte Walter Mayer, Geschäftsführer der österreichischen Progis GmbH, in Aussicht. Sein Unternehmen wird durch ein vertragliches Abkommen mit Microsoft aktuelle Luftbilder über eine Flatrate auch landwirtschaftlichen Nutzern zur Verfügung stellen. Aus seiner Sicht sind solche Kooperationen der Schlüssel zur schnellen Lösung der aktuell noch vorhandenen Zugangsprobleme zu Geodaten.


Umsetzung von Cross Compliance mit Hilfe von Geodiensten

Im Rahmen der Cross Compliance (CC) Vorschriften müssen alle landwirtschaftlichen Flächen in Wind- und Wassererosionsgefährdungsklassen eingestuft werden. Dr. Walter Schäfer vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) berichtete, dass in Niedersachsen im Antragsjahr 2010 von ca. 600.000 Feldblöcken (Acker- und Grünland) 65.553 Feldblöcke in eine CC-Gefährungsklasse eingestuft wurden. Diese Bewertung, die über den Kartenserver des LBEG den Landwirten zugänglich ist, hat vorgeschriebene erosionsmindernde Maßnahmen auf diesen Flächen zur Konsequenz. Insgesamt haben 2.600 Betriebe mit ca. 10.000 Einwendungen die Möglichkeit zur Beantragung einer Korrektur ihrer Flächeneinstufung genutzt.

Dagegen sind in Österreich Erosionsschutzmaßnahmen nicht in den Cross Compliance Regelungen integriert, sondern werden vom Staat freiwillig gefördert. Darüber informierte Dr. Peter Strauß vom österreichischen Bundesamt für Wasserwirtschaft. Er schilderte darüber hinaus das Verfahren der flächendeckenden Bewertung der Erosionsgefährdung auf landwirtschaftlichen Flächen in Österreich und wies darauf hin, dass seiner Ansicht nach die im gesamteuropäischen Modell dargestellten Aussagen für Österreich nicht der Realität entsprechen.

Das Cross Compliance Erosionsschutzkataster Nordrhein-Westfalen wurde von Dr. Thorsten Becker, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, vorgestellt. Bei der Bewertung der Schutzwirkung von Windhindernissen, z.B. Hecken, im Rahmen der Einteilung in Erosionsgefährdungsklassen, wird das „Digitale Oberflächenmodell NRW“ (DOM) eingesetzt. So können die realen Dimensionen dieser Landschaftselemente in die Berechnungen einbezogen werden.


Internetportal für die Wallhecken-Nutzung

Dr. Frank Bröckling vom Planungsbüro planinvent und Dr. Alexander Meyer vom Büro [u] werk berichteten vom Wallhecken Informationssystem „WAllIS“, dass Eigentümer von Wallhecken und potenzielle Nutzer dieser Energiequelle (Hackschnitzel) über ein Geo- Internetportal zusammenbringt. Genutzt werden für dieses Portal ausschließlich kostenfreie OpenSource-Produkte, die den „OGC-Standards“ (Open Geospatial Consortium) entsprechen.


Ergebnisse der GeoFARMatics 2010 - internationale Abstimmung

Anforderungen an Geo-Informationen sowie an Informations- und Kommunikationstechniken in der Landwirtschaft aus Sicht von Politik, Landwirten und Industrie - mit diesem Thema beschäftigte sich Dr. Armin Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V. Münchberg in seinem Vortrag. Er fasste die wichtigsten Ergebnisse der Tagung „GeoFARMatics 2010“ zusammen, die vom 24. bis 26. November 2010 in Köln stattfand. Zentrale Aussagen sind in der “Kölner Erklärung“ dokumentiert, die unter http://www.geofarmatics2010.org/cologne.html zugänglich sind.


Technische und konzeptionelle Weiterentwicklungen

Dr. Andreas Müterthies, EFTAS Fernerkundung Technolgietransfer GmbH stellte in seinem Vortrag neue Satellitensensoren und Verfahren aus der europäischen Initiative GMES (Global Monitoring for Environment and Security) vor, die zukünftig zur Unterstützung landwirtschaftlicher Arbeitsprozesse eingesetzt werden können. Neben einem erheblichen Qualitätssprung der Geodaten ist auch eine deutliche Senkung der Kosten für die Nutzung von Fernerkundungsdaten durch diese europäische Initiative zu erwarten.

Eine besondere Herausforderung in der Integration von Daten zwischen Anwendungen in der Landwirtschaft liegt in der Überschneidung mehrerer fachlicher Domänen mit unterschiedlichen Datenformaten und Standards. Dieser Aufgabe widmete sich der Vortrag von Daniel Martini vom KTBL und Jens Wiebensohn von der Universität Rostock.

Methoden des Semantic Web können helfen, hierbei Brücken zu bauen und erlauben domänenübergreifende Verknüpfungen von Daten mit Hilfe der sogenannten Linked Open Data Technologien. Auch eine Einbindung von Geodatensätzen ist möglich und beispielsweise in Projekten wie LinkedGeoData.org, der GeoNames Ontology und der Linked Sensor Data realisiert. Auf dieser Grundlage können regelbasierte Systeme zur Entscheidungsunterstützung und Auswertung landwirtschaftlicher Maßnahmen implementiert werden.


Fazit

Die Einsatzmöglichkeiten von Geoinformationstechnologien haben sich auch im landwirtschaftlichen Sektor in beeindruckender Weise entwickelt. Die Hauptaufgabe liegt aber weiterhin in der Schaffung transparenter Regeln für den Zugang zu Geodaten.

Für den Bereich öffentlicher Geodaten soll der Umsetzungsprozess der EU-Richtlinie INSPIRE sorgen. Dabei muss die Landwirtschaft ihre Beteiligungsmöglichkeiten besser nutzen, denn es geht nicht nur um den Output in sondern auch um den Input aus der Landwirtschaft. Die Fragen des Personenbezugs von Geodaten und damit ihre Datenschutzrelevanz sind noch nicht abschließend geklärt. Insgesamt sollte sich nach Ansicht der Referenten und vieler Diskussionsbeiträge die landwirtschaftliche Geoinformationsszene noch stärker vernetzen und ihre Ansprüche an die weitere Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie abgestimmt formulieren.

Die einzelnen Beiträge werden in Kürze auf der KTBL-Homepage unter www.ktbl.de im „Downloadbereich“ der „Fachinfo“ verfügbar sein. (ktbl)
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