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15.06.2015 | 10:00 | Antibiotika-Resistenz 
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Tödliche Keime im Kommen

Karlsruhe/Hohenheim - Das Problem der Antibiotika-Resistenz ist auf höchster Ebene angekommen. Nicht nur politische und wirtschaftliche Themen wurden beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau erörtert, auch global wichtige Themen zur Gesundheit und erstmals sogar des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermast standen im Mittelpunkt des Treffens.

Antibiotikaresistenz
(c) Peter Hermes Furian - fotolia.com

Die Berliner Uniklinik Charité hat in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut das Problem von Antibiotika-Resistenzen in Deutschland angepackt und kam dabei zu der Erkenntnis, dass das Problembewusstsein in der Bevölkerung recht hoch ist. Demgegenüber steht aber ein spärliches Faktenwissen. Das Fazit der Charité-Forscher: "Um die Resistenzproblematik in den Griff zu bekommen, müssen wir besser informieren als bisher".

Unter Antibiotika versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch Arzneistoffe oder Arzneimittel zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten. Eine Antibiotika-Resistenz ist die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegen diese Medikamente, die entweder primär vorhanden ist oder durch Gewöhnung entsteht. Zu letzteren kommt es durch zu häufige, unsachgemäße Anwendung.

Wichtig zu wissen ist, dass Antibiotika nicht bei viralen Erkrankungen - wie das meistens bei Atemwegsinfekten der Fall - wirksam sind. Im internationalen Vergleich verordnen deutsche Ärzte relativ wenige Antibiotika. Wie Studien jedoch zeigen, ist jede dritte  Verordnung zumindest als fragwürdig einzustufen.

Dass durch intensive Aufklärung manches möglich ist verdeutlicht Frankreich. Mit einer flächendeckenden Medien-Kampagne konnte die Antibiotika-Verordnung in der ambulanten Krankenversorgung um 26,5 Prozent reduziert werden.

Beim Menschen verursachen aber auch antibiotische Rückstände in tierischen Lebensmitteln Resistenzen, wozu die Antibiotika-Verabreichung bei Nutztieren erheblich beiträgt. Deutschland gehört EU-weit zu den größten Verbrauchern beim Einsatz von Antibiotika in der Tiermast, so die Charité-Hygienikerin Dr. Elisabeth Meyer. Nach ihren Angaben wurden 2013 in Deutschland 1.452 Tonnen Antibiotika in der Tiermast eingesetzt - zwei Jahre zuvor sogar noch 1.706 Tonnen. Neun von zehn Masthähnchen (siehe Proplanta: "Skandal im Hühnerstall: Turbohühner durch Antibiotika-Einsatz") und Puten werden nach ihren Angaben antibiotisch behandelt - oft mit mehreren zeitgleich verabreichten Antibiotika.

„Ein so hoher Verbrauch kann und sollte deutlich reduziert werden", fordert sie. Meyers Prognose: "Wenn man die Entwicklung der Resistenzraten fortschreibt und wirksame Gegenmaßnahmen unterlässt, werden antibiotikaresistenten Keime weltweit gesehen im Jahr 2050 zu den Haupttodesursachen gehören - mit Schwerpunkt in Asien und Afrika."

In Europa dürfte sich die Zahl der Todesfälle durch antibiotikaresistente Keime von derzeit 23.000 auf knapp 400.000 im Jahr 2050 erhöhen. Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern sind Antibiotika noch häufig ohne Rezept erhältlich, weshalb die deutsche Bundesregierung weltweit eine Verschreibungspflicht fordert.

Fazit
Die weltweite Zunahme von Resistenzen gegen Arzneimittel, die bei bakteriellen Erkrankungen nicht mehr wirksam sind, ist beängstigend. Krankheiten, die bisher gut behandelbar waren, werden dadurch wieder gefährlich. In Krankenhäusern existieren bereits die sogenannten “ MRSA“ (Multiresistente Keime, gegen die es keine wirksame Medikamente gibt). Dieser unsägliche Trend ist nur zu stoppen, wenn alle diejenigen, die mit Antibiotika umgehen, über ausreichendes Fachwissen verfügen (hierzu gehören auch Lebensmittelverbraucher, Patienten,  Landwirte, Tierzüchter, Humanmediziner, Veterinäre etc.).

Auf keinen Fall dürfen in der Tiermast Antibiotika, oft in Kombination mit anderen, die ein breites Spektrum abdecken nur zu Gewinnmaximierung verabreicht werden. Hier sind in Sonderheit die Züchter und Tierärzte gefordert. Besonders muss in den Ländern (Asien und Afrika), wo keine Rezeptpflicht besteht, dringend eine Änderungen erfolgen, da auch deren tierische Produkte in den Welthandel gelangen.

Wenn wir nicht in die Vorpenizillinära zurückfallen wollen (dort setzte 1928der Engländer Fleming Penizillin zum ersten Mal ein und konnte damit eine Vielzahl von bakteriellen Infektionskrankheiten heilen und Leben retten) muss, außer Neuentwicklungen von Antibiotika, auch der Umgang mit diesen Arzneimitteln gravierend geändert werden. (Hr)


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Facharzt für Allgemeinmedizin-Sportmedizin,
Dr. med. H. Rüdinger
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Kommentare 
PK Group schrieb am 28.09.2015 15:15 Uhrzustimmen(8091) widersprechen(126)
Sehr geehrter Herr Dr. Rüdinger, auf der Suche nach umweltverträglichen Reinigungsmitteln sind wir auf Produkte in der Stallhygiene gestoßen, die auf der Basis von nützlichen Mikroorganismen für ein gesünderes Stallklima sorgen und damit auch vorbeugend (z.B. in der Geflügel- oder Schweinemast) eingesetzt werden können. Bisswunden entzünden sich deutlich weniger oder Hühnerfüße werden seltener krank, weil die pathogenen Keime sozusagen neutralisiert werden. Mäster, die diese, Produkte einsetzen, benötigen weniger krankheitsbedingte Einsätze der Tierärzte. Produkte des Herstellers sind in der Betriebsmittelliste aufgeführt. Materialkosten pro Masthuhn nach der Nutztier Tierschutzverordnung: ca 3 Cent.
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