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01.02.2016 | 02:02 | Medizin-Splitter 

Wie gefährlich ist das Zika-Virus wirklich?

Karlsruhe/Stuttgart - Das Zika-Virus, das eigentlich seit Jahrzenten bekannt ist, erlangt plötzlich eine solche Bedeutung, dass in dem berühmten englischen Fachmagazin „The Lancet“ das Virus als globale Bedrohung des aktuellen Jahres eingeschätzt wird.

Zika-Virus
Asiatische Tigermücke (c) U.S. Ministerium für Gesundheitspflege

Die Tourismusbranche ist alarmiert. Ebenso Gesundheitsbehörden wie das deutsche Robert-Koch-Institut in Berlin, in dem die Spezialisten für Infektionskrankheiten sich besorgt in der neuesten Ausgabe schreiben: “Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Reisende während eines Aufenthalts in Ländern mit einer Zika-Virus-Epidemie infizieren, ist gegeben“.

Seit vielen Jahren ist das Virus schon in Asien zu finden; seit 2013 in Inselstaaten des Pazifischen Raums und seit 2014 in Brasilien. Vermutlich wurde es während der Fußball-WM eingeschleppt. Inzwischen sind viele lateinamerikanische Länder betroffen. Die Fachleute machen sich Sorgen, da zwei Großereignisse in Brasilien in diesem Jahr anstehen: zum einen der Karneval im Februar, zum anderen die Olympiade.

Zika-Viren nutzen wie die Erreger des Denguefiebers die Mückenart Aedes aegypti. Wenn auch die Asiatische Tigermücke tatsächlich ein kompetenter Vektor für das Zika-Virus sein sollte, kann es auch in Europa zu Übertragungen kommen, da sich diese Mückenart im südlichen Europa und punktuell auch bis nach Süddeutschland ausgebreitet hat (siehe Proplanta: 

Exotische Mücken etablieren sich in Deutschland

).

Es sei außerdem auch nicht auszuschließen, dass es zu einer begrenzten Weiterübertragung des Zika-Virus durch invasive Mücken kommen könne, sollten in einem warmen Sommer virämische Reiserückkehrer und übertragungskompetente Mücken aufeinandertreffen. Fachleute des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten schätzen die Situation genauso ein.

Eigentlich ist die Krankheit durch das Zika-Virus in der Regel harmlos. Sie verläuft normalerweise wie ein grippaler Virusinfekt, in manchen Fällen sogar unbemerkt. Selten kann es auch zu mehr oder weniger schweren Lähmungen (Guillain-Barré-Syndrom) kommen. Wenn eine Schwangere infiziert ist, besteht aber die große Gefahr, dass es bei ihr zu einer Fruchtschädigung, die zu Hirnentwicklungsstörungen infolge Mikrozephalie (der Schädel kann wegen vorzeitigen Nahtverschlusses am Kopf nicht mehr wachsen), führt.

Die Sorge der Gesundheitsbehörden rührt daher, da seit Anfang 2015 zunächst eine zunehmende Zahl an Zika-Infektionen in Brasilien registriert wurde. Seit Oktober des vergangenen Jahres wurden über 11.000 Fälle in Kolumbien registriert. El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Puerto Rico, Paraguay und Venezuela melden ebenfalls Fälle. Waren es im Jahr 2014 noch 150 Fehlbildungen bei Neugeborenen, so stieg die Zahl  im vergangenen Jahr in Brasilien auf fast 3.000 Kinder an.

Derzeit werden in Brasilien, in den besonders betroffenen Regionen, sogar mit militärischer Hilfe Insektizide gegen diese Stechmücken eingesetzt. Die Zahl der Laborzentren in diesen großen, oft noch sehr unterentwickelten Ländern ist sehr begrenzt, so dass wahrscheinlich auch eine hohe Dunkelziffer vorliegt.

Da in Deutschland sich Tigermücken bereits etabliert haben, müssen wir hierzulande mit dieser Infektionskrankheit grundsätzlich rechnen. Wie bei den meisten Viruskrankheiten gibt es bei der Zika-Infektion keine spezifische Therapie. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Das Virus führt bei etwa 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen. Die Behandlung: Bettruhe, Flüssigkeitsgabe, Fiebersenkung, Schmerzmittel, Anti-Histaminika gegen juckende Hautauschläge - ist allein symptombekämpfend, also nicht kausal. Aspirin und NSAR (z.B. Diclofenac oder Ibuprofen) sollten allerdings nicht verabreicht werden, da bei der Infektion mit Flaviviren, zu dieser Gattung zählt auch das Zika-Virus, Störungen der Blutgerinnung auftreten können. Ein Impfstoff steht nicht zur Verfügung. Es befindet sich auch kein solcher in Sicht. 

Fazit
Das Zaki-Virus ist auf dem Vormarsch, meist eine relativ harmlose, grippeartige Erkrankung mit gelegentlichen schwerwiegender Komplikationen. Befällt das Virus aber Schwangere, besonders in den ersten Monaten, kann es zu folgenschweren Hirnentwicklungsstörungen führen, weil sich die Nähte am Kopf schließen und damit das Kopfwachstum unterbunden wird.

Da es bis jetzt weder eine Behandlung noch Impfung gibt, ist laut Auswärtigem Amt nur eine Vorbeugung möglich:

- Schwangere sollten möglichst von nicht zwingend notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen Abstand nehmen

- Während einer unvermeidbaren Reise ist auf die konsequente Einhaltung persönlicher Mückenschutzmaßnahmen zu achten z.B. lange bedeckende, möglichst helle Kleidung

- Mehrmals täglich Auftragen von Repellentien auf unbedeckte Hautflächen

- Aufenthalt in mittels Klimaanlage und Fliegengitter mückensicheren Räumen bzw. unter einem imprägnierten Moskitonetz.

Insbesondere schwangeren Reisenden wird eine Beratung durch einen Tropen-  oder Reisemediziner mit Kenntnis der jeweiligen aktuellen epidemiologischen Situation vor Abreise dringend empfohlen. Da die übertragenen Mücken auch bei uns vorkommen etabliert hat und durchaus auch eine weitere Verbreitung möglich ist, müssen wir auf der Hut sein.


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Facharzt für Allgemeinmedizin-Sportmedizin,
Dr. med. H. Rüdinger
Hr
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