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08.08.2010 | 12:15 | Versorgung gesichert - Berechtigte Hoffnung auf höhere Erlöse 

Getreideernte 2010 in Österreich um 5 % kleiner als im Vorjahr

Wien - Die österreichische Getreideernte wird heuer geringer ausfallen als ursprünglich erwartet, die Witterungsextreme machten den ersten Prognosen einen Strich durch die Rechnung.

Getreideernte 2010 in Österreich um 5 % kleiner als im Vorjahr
Die Agrarmarkt Austria geht in ihrer heute präsentierten Prognose von einer Gesamternte von rund 2,9 Mio. t ohne Mais aus (-2,4 % gegenüber 2009). Inklusive Mais wird eine Menge von etwa 4,6 Mio. t erwartet, das sind um 5 % weniger als im Vorjahr.Im langjährigen Vergleich kann aber von einer durchschnittlichen Menge gesprochen werden. Aufgrund des heuer kleineren Angebots dürfen sich die Bauern Hoffnungen auf höhere Preise machen, was aufgrund der Einbußen in den vergangenen beiden Jahren auch dringend notwendig wäre, stellte der Vorsitzende des AMA-Verwaltungsrates, Franz Stefan Hautzinger, fest.


Extremer Witterungsverlauf - unterschiedliche Qualitäten 

"Das Getreidejahr 2010 war vom Anbau bis zur Ernte geprägt durch einen extremen Witterungsverlauf", fasst Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der AMA, die Ergebnisse der Ernte 2010 zusammen. Die guten Ergebnisse im Frühdruschgebiet (nördliches Burgenland) ließen die Erwartungen auf eine große Ernte zu. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass dieser Trend nicht gehalten werden kann. Die nasskalte Witterung im Mai und Juni sowie die folgende Hitzewelle im Juli mit einer Reihe von Tropentagen waren der Grund für die regional unterschiedlichen Erträge. Zusätzlich wurde der Ernteverlauf in den Hauptanbaugebieten durch Regentage immer wieder verzögert und erschwert. "Je länger die Ernte gedauert hat, umso länger sind auch die Gesichter der Bauern geworden", schilderte Hautzinger die Situation.

Bei den Mengen und Qualitäten zeigt sich ein differenziertes Bild. Bei Gerste sind geringere Erträge mit schwachen Hektolitergewichten vor allem bei der Sommergerste zu verzeichnen. Die Braugerste ist durch eine schwache Siebung gekennzeichnet. Mengenmäßig liegt der Weizen unter den Erwartungen, die erreichten Qualitäten sind dagegen bisher zufriedenstellend.


Vermarktung der Ernte zu besseren Bedingungen 

"Das geringere Angebot lässt berechtigte Hoffnungen auf höhere Erlöse für die Landwirte zu, obwohl auch heuer wieder die Vermarktung eine Herausforderung für die Landwirtschaft und den Getreidehandel darstellt", unterstrich Hautzinger. Derzeit gehe man von Deckungsbeiträgen zwischen EUR 250,- und 300,- aus. Die Bäume würden aber auch heuer nicht in den Himmel wachsen.

Die Notierungen der Landwirtschaftlichen Produktenbörse in Wien dieser Woche bestätigen die Annahme, dass die Preise heuer höher ausfallen werden. So notiert beispielsweise Qualitätsweizen mit EUR 173,- bis 193,- je t, und damit um rund EUR 49,- höher als im Vorjahr. Futtergerste notiert mit EUR 120,- bis 130,- und somit um EUR 31,- über dem Wert von 2009. 

Hautzinger stellte in diesem Zusammenhang zu aktuellen Pressemeldungen, wonach aufgrund höherer Getreidepreise auch Brot und Bier wesentlich teurer würden, klar fest, dass der Rohstoffkostenanteil am Konsumentenpreis in diesem Fall sehr gering sei. Allerdings seien andere, wichtigere Faktoren wie etwa die Personalkosten oder Energiepreise ebenfalls gestiegen, und die Bäcker würden darauf auch in ihren Preiskalkulationen Bezug nehmen.


Versorgung der Österreicher ist sichergestellt 

Die in den letzten beiden Jahren geschaffenen alternativen Verarbeitungswege mit dem Ethanolwerk in Pischelsdorf und dem Stärkeerzeuger Jungbunzlauer sind für den österreichischen Getreidemarkt ein nicht mehr wegzudenkender Faktor. Vor allem werden hierfür schwächere Weizenqualitäten, Mais, Triticale sowie Futtergerste verarbeitet. "Trotz einer gegenüber den Vorjahren schwächeren Ernte kann Österreich auch die traditionellen Exportmärkte bedienen", beruhigte Hautzinger und stellte unmissverständlich klar: "Für die Landwirtschaft hat sich die Prioritätenliste nicht geändert - zuerst kommt die Versorgung mit Lebensmitteln, dann kommen die Futtermittel und zuletzt die Belieferung des Energiebereiches. Das Prinzip 'Teller - Trog - Tank' gilt weiterhin. Die Versorgung ist sichergestellt, alle Bereiche können mit Getreide bedient werden", so der Vorsitzende des AMA-Verwaltungsrates. 

Die Ausweitung der inländischen Verarbeitungskapazitäten schaffe für die österreichische Landwirtschaft die Möglichkeit, sowohl eine Qualitätsstrategie als auch eine Mengenstrategie zu verfolgen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeige, dass zwei Vermarktungsschienen für Landwirt, Handel und Verarbeiter durchaus bestehen können: einerseits der Anbau von Qualitätsgetreide für die österreichischen Mühlen sowie für den Exportmarkt in Italien und andererseits die Versorgung der Mischfutterindustrie und des Bioethanolwerkes mit ertragreichen Getreidesorten.

Die Intervention werde heuer keine Rolle spiele, ergänzte Hautzinger, allerdings sei auch weiterhin auf EU-Ebene ein Mindestmaß an Marktsteuerung notwendig, schon allein, um die immer stärker werdenden Preisvolatilitäten zu bremsen. Darüber hinaus sei auch mit Interventionsware Geld zu verdienen.


Getreideanbaufläche österreichweit um 2,6 % kleiner 

Nach Angaben der AMA ist die Getreideanbaufläche heuer österreichweit gegenüber dem Vorjahr um 2,6% verringert worden. Die Bioflächen überschritten heuer erstmals die 100.000 ha Grenze. Entgegen den Erwartungen wurden die Weichweizenflächen zurückgenommen, auch Wintergerste, Triticale und Roggen wurden weniger angebaut. Stark reduziert wurde erneut die Fläche bei Sommergerste, und zwar um 11,5%. Bei den Ölsaaten schrumpfte die Rapsfläche, bei Körnererbse wurde ebenfalls ein Minus verzeichnet. Einen deutlichen Flächenzuwachs konnten hingegen Sojabohne und Ölkürbis erreichen. Die Stilllegungsflächen (Grünbrache, Blühflächen) sind gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig.


Hartweizen: Sehr unterschiedliche Erträge 

Die Durumfläche wurde heuer gegenüber dem Vorjahr um 3,7 % auf zirka 17.500 ha ausgedehnt. In den traditionellen Hartweizenanbaugebieten Ostösterreichs zeigt sich ein geteiltes Bild: Bei Winterdurum sind die Ergebnisse enttäuschend, hingegen werden bei Sommerdurum zufriedenstellende Erträge und Qualitäten erwartet, die ungünstigen Vegetationsbedingungen im Frühjahr hatten hier weniger Auswirkung. Die Erträge bewegen sich bei Winterdurum im Durchschnitt bei knapp über 40 dt/ha, bei Sommerdurum wurden bis zu 55 dt erzielt.


Weichweizen: 25 bis 30 % Premiumqualität erwartet 

Bei Weichweizen, der insbesondere bei der Erzeugung von Mehl, Brot und Gebäck Verwendung findet, wurde die Anbaufläche gegenüber 2009 um zirka 6.700 ha verringert (-2,3 %). Das Ertragsniveau wird derzeit österreichweit im Durchschnitt auf 52 dt/ha geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass der heurige Weizen zu 25 bis 30 % Premiumqualität (über 15 % Protein), zu 30 bis 40 % Qualitätsweizen- (mindestens 14 % Protein) und zu etwa 30 % Mahl- und Futterqualität aufweist. Laut ersten Berichten der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung aus den Frühdruschgebieten zeigen die Weizenpartien sehr gute Qualitäten, konkret ein durchschnittliches Hektolitergewicht von 80 kg sowie Fallzahlwerte von über 300 Sekunden). Auch die traditionelle Schiene des Qualitäts- und Premiumweizenexportes nach Italien wird mit der heurigen Ernte ausreichend bedient werden können.

Die heurige Roggenanbaufläche ist mit 45.700 ha um 5,8 % deutlich reduziert worden. Die Erträge werden bei durchschnittlich 38 dt/ha liegen. Die bereits geernteten Qualitäten sind laut AMA zufriedenstellend. Abzuwarten ist aber noch die Ernte und deren Ergebnisse aus dem Waldviertel.


Wintergerste: Qualitäten zum Teil enttäuschend 

Der Anbau der Wintergerste wurde gegenüber dem Jahr 2009 reduziert. Die Fläche beträgt heuer zirka 85.500 ha (-2 %). Das Ertragsvolumen schwankt zwischen 45 und 60 dt/ha. Die Qualitäten sind jedoch zum Teil enttäuschend, die Hektolitergewichte bewegen sich nur zwischen 57 und 62 kg.


Braugerste: Versorgung dürfte gesichert sein
 
Bei der Sommergerste, die in der Malz- beziehungsweise Biererzeugung verwendet wird, wurde die Fläche um 11,5 % auf rund 83.300 ha reduziert. Diese Kultur war am stärksten vom heurigen Witterungsverlauf betroffen und lässt nur enttäuschende Erträge von 30 dt/ha erwarten. Der Braugerstenanteil dürfte sich nur zwischen 30 und 40 % bewegen, 20 bis 30 % sind Brauhoffnungsgerste. Trotzdem dürfte die Versorgung gesichert sein.

Triticale entwickelt sich neben seinem Hauptverwendungszweck als betriebseigenes Futtermittel immer mehr als wertvoller Rohstoff für die Ethanolproduktion. Dennoch wurde die Anbaufläche heuer um 2.800 ha auf 47.800 ha (-5,6%) verkleinert. Erträge von 50 dt/ha werden erwartet, wobei die Qualitäten zufriedenstellend sind.


Weniger Ölraps und mehr Sojabohnen angebaut 

Der Rapsanbau ist gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Die Fläche von 54.000 ha zeigt ein Minus von 5,5 %. Im gesamten Anbaugebiet wurden eher durchschnittliche Erträge erzielt, wobei sich die hohen Erwartungen nicht erfüllten. Die Erträge bewegen sich bei zirka 30 dt/ha. Sojabohnen befinden sich dagegen weiterhin im Aufwärtstrend. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Fläche um 36 % auf 34.300 ha ausgedehnt. Die gestiegenen Betriebsmittelkosten und das schwache Preisniveau bei Gerste haben zu einem verstärkten Anbau geführt. Die derzeitigen klimatischen Verhältnisse schaffen für die Sojabohne ausgezeichnete Wachstumsbedingungen.


Körnermaisfläche etwas größer

Der Anbau von Körnermais wurde auf einer Fläche von 180.000 ha geringfügig um 0,7 % ausgedehnt. Die Bestände zeigen sich momentan in sehr unterschiedlichem Zustand, die extremen Wetterbedingungen mit nasskalter Witterung im Mai und Juni sowie der Hitzewelle im Juli haben die Kulturen nicht recht entwickeln lassen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Kulturen in den kommenden Monaten noch erholen können.


Quelle: Lebensministerium Österreich
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