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28.02.2021 | 00:51 | Superfood 

Je grüner, desto besser: Mikroalgen als Nahrungsmittel?

Rockstedt - Gemächlich und glucksend strömt das Wasser durch die langen ovalförmigen Becken. Schaufelräder sorgen für die richtige Fließgeschwindigkeit.

Algen
Mikroalgen werden als Superfood gehandelt. Reich an Proteinen und Vitaminen werden sie in Asien und Afrika schon lange hoch geschätzt. Als Pulver im Müsli, flüssig im Smoothie oder als Spirulina-Eis findet die Alge auch in Deutschland mehr und mehr Freunde. (c) proplanta

Es herrschen tropische Temperaturen in dem großen Gewächshaus im niedersächsischen Rockstedt (Kreis Rotenburg). Das Wasser ist satt-grün. Genau so soll es sein. Denn Maarten Heins und sein Vater Johannes Heins sind nicht nur Landwirte, sondern seit 2016 auch Algenzüchter.

Der Heins-Hof zwischen Bremen und Hamburg ist ein klassischer konventioneller Landwirtschaftsbetrieb. «Ackerbau mit Getreide und Mais, Schweinemast auf Stroh, Legehennen für die Direktvermarktung», zählt Maarten Heins auf, der mit 24 Jahren schon Landwirtschaftsmeister ist. Für ihn war klar, dass er so früh wie möglich eigenständig Projekte in die Wege leiten will. Seit 2012 befasste sich Vater Johannes mit dem Thema Mikroalgen. Das fand auch der Sohn gut. Beide tüfteln gerne.

Ein gebrauchtes Gewächshaus wurde gesucht, in den Niederlanden gefunden und gekauft. 2016 startete die Produktion auf 2.500 Quadratmetern Fläche. Heute werden in 18 rund 20 mal vier Meter großen offenen Becken Mikroalgen bei Wassertemperaturen von etwa 25 bis 30 Grad gezüchtet. «Zuerst hatten wir Chlorella», sagt Maarten Heins mit Blick auf die Gattung. «Dann haben wir auf Spirulina umgestellt.» Diese ist spiralförmig und größer als die Chlorella. Beide vermehren sich ständig durch Zellteilung.

Rund zwei Tonnen Mikroalgen werden in Rockstedt pro Jahr produziert. Im Sommer manchmal 300 Kilogramm im Monat, im Wintermonaten sind 100 bis 150 Kilogramm. Geerntet wird täglich beziehungsweise pro Becken drei Mal in der Woche mit einer speziellen Ansaugpumpe. Es wird jeweils nur ein Drittel entnommen, damit es immer genügend Algen zur Vermehrung gibt. Das Wasser wird dabei durch einen feinen Filter gespült, die Algenmasse setzt sich ab und tropft als grüne Paste in einen Behälter.

Diese Paste wird dann auf Blechen in einem auf 45 Grad erhitzten Raum getrocknet. «Die Wärme beziehen wir vom Nachbarn, der eine Biogasanlage betreibt», so Heins. Das Roh-Endprodukt sind dann grüne harte Flocken-Chips, die salzig schmecken, beim Verzehr knacken und gerne am Gaumen kleben bleiben. Ein Kilo Algen-Chips kostet 35 Euro. In Asien werden sie für 6 bis 7 Euro je Kilo angeboten.

Verbraucherschützer dämpfen derweil allzugroße Spirulina-Euphorie. «Das prinzipiell hochwertige Eiweiß ist aufgrund der geringen Tagesmengen als Nahrungsergänzungsmittel nicht von Bedeutung», gibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu Bedenken. Zwar sei der Nutzen als Eiweiß-, Eisen- und Vitamin A-Quelle beispielsweise in Indien oder Burkina Faso laut der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) unbestritten. Daran allerdings herrsche in Deutschland kein Mangel.

Im Internet gibt es dennoch einen regelrechten Algen-Hype. Im Angebot etwa: Spirulina-Erdbeereis am Stiel, Spirulina-Guacamole, Spirulina-Granulat als grüner Farbtupfer auf dem Essen. Es gibt Rezepte, Fotos, Kochbücher und Tipps für Smoothies, Cocktails oder grünen Kaffee-Shake. Zuhauf finden sich auch Angebote für Spirulina- oder Chlorella-Bio-Tabletten als Nahrungsergänzungsmittel gegen Erschöpfung und Müdigkeit.

Dabei verbinden die meisten Menschen wohl beim Wort Algen die grün zerzausten Fädenknäuel am Sandstrand des Meeres. Doch diese Makroalgen sind etwas ganz anderes als Mikroalgen. «Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie den Begriff Alge im Namen haben und Pflanzen sind», sagt der Meeresbiologe Bela Buck vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Aber auch Makroalgen sollen bald in Rockstedt im Rahmen eines Forschungsprojektes in einem kleineren Becken gedeihen. Es geht dabei um den zur Ulva-Gattung gehörenden «Meersalat».

Im Rahmen des mit Bundesmitteln geförderten «Mak-Pak Scale-Up»-Projekts untersuchen Buck und sein Team, wie Makro-Algen landbasiert in großem Rahmen produziert werden können. Hintergrund ist das vorangegangene zweijährige Projekt («Mak-Pak») mit der Hochschule Bremerhaven und der Restaurantkette Nordsee, um To-Go-Verpackungen etwa für Backfisch mit Remoulade und Kartoffelbeilage aus leicht abbaubarem oder sogar essbarem Algenmaterial statt Plastik herzustellen.
dpa/lni
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