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22.08.2021 | 01:03 | Rapsmarkt 

Matif-Raps weiter auf Rekordjagd

Paris / Washington - An der Pariser Terminbörse für Raps hat der Future mit Fälligkeit im November 2021 im Zuge seines mittelfristigen Aufwärtstrends einen neuen Rekordwert erreicht.

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Dezemberkontrakt 2021 nähert sich der Linie von 600 Euro - USDA-Bericht sorgt für „bullische“ Stimmung - Washingtoner Fachleute erwarten für 2021/22 deutlich weniger Raps aus Kanada - Bedarfsdeckung der EU dürfte zur Herausforderung werden - UFOP: Zurückhaltende Abgabebereitschaft der deutschen Landwirte - Rückenwind durch US-Sojafutures - Pessimistischere Prognose für US-Sojabohnenernte. (c) proplanta

Am Montag (16.8.) kostete der Kontrakt in der Spitze 578 Euro/t; das war das bislang höchste Niveau aller Zeiten. Bis zum Folgetag gegen 16.15 Uhr verbilligte sich das Papier allerdings auf 574 Euro/t. Analysten begründeten die unter dem Strich weiterhin sehr feste Entwicklung des Rapsfutures unter anderem mit dem „bullischen“ Ölsaatenbericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA).

Die Washingtoner Experten korrigierten ihre Prognose für das globale Rapsaufkommen 2021/22 um 4,1 Mio t auf 70 Mio t nach unten; damit würde die Vorjahresmenge um 1,8 Mio t verfehlt. Vor allem die Schätzung für die kanadische Rapsernte fiel mit jetzt 16,0 Mio t deutlich pessimistischer aus; im Juli waren noch 20,2 Mio t erwartet worden.

Die Fachleute führten als Grund die Einschätzung mit Hitze und Trockenheit in wichtigen Canola-Anbaugebieten in dem nördlichen Nachbarland an. Deshalb wurde für den voraussichtlichen Durchschnittsertrag ein Abschlag von fast 20 % vorgenommen. Außerdem dürfte die Erntefläche in Kanada kleiner ausfallen als bislang gedacht, weil sich der Drusch den Experten zufolge wegen der Ertragseinbußen vielerorts nicht mehr lohnt.

Kanadas Lagerbestand auf niedrigem Niveau



Die kanadischen Lagerbestände an Raps für Ende 2021/22 sieht das USDA jetzt nur noch bei 710.000 t; bislang waren hier 1,1 Mio t erwartet worden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt würde dies ein Minus von fast 400.000 t bedeuten. In Kombination mit dem erwarteten Erzeugungsrückgang würde sich das niedrigste Inlandsangebot seit fast zehn Jahren ergeben.

Weil die kanadischen Lagerbestände bereits in der zurückliegenden Vermarktungssaison im Zuge der lebhaften Nachfrage um 2,4 Mio t auf ein sehr geringes Niveau abgebaut wurden, dürfte die diesjährige Inlandsverarbeitung der schwarzen Ölfrucht im Vergleich zu 2020/21 um 1 Mio t eingeschränkt werden. Noch kräftiger könnte der Rückgang der Canola-Ausfuhren des nordamerikanischen Landes ausfallen; die Fachleute prognostizieren eine Abnahme um 3,7 Mio t auf nur 6,9 Mio t.

Globale Bestände auf Vierzehnjahrestief



Derweil wird das globale Rapssaatangebot 2021/22 - ohne die USA und Kanada - nach Einschätzung der Washingtoner Fachleute im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um mehr als 2 % steigen. Deshalb sei damit zu rechnen, dass ein Teil der für die laufende Saison erwarteten Exporteinschränkung Kanadas durch die Ausfuhr osteuropäischer und australischer Ware ausgeglichen werden könnte.

Allerdings seien in den vergangenen vier Jahren mehr als 60 % der Rapslieferungen am Weltmarkt auf Kanada entfallen, so dass vor allem wichtige Importeure wie China und die Europäische Union bei der Deckung ihres Bedarfs in dieser Saison vor großen Herausforderungen stehen dürften.

In der Folge seien hier nicht nur weiterhin geringe Lagerbestände, sondern auch eine steigende Substitution von Rapsprodukten durch andere proteinhaltige Mehle und Öle zu erwarten. Die weltweite Rapsnachfrage 2021/22 beziffern die Washingtoner Marktexperten aktuell auf 71,1 Mio t, nach 74,0 Mio t im Vorjahr. Dennoch dürften die globalen Rapslager bis zum Ende der laufenden Vermarktungssaison im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt um 1,1 Mio t auf insgesamt 4,6 Mio t abgestockt werden; dies wäre das niedrigste Niveau seit 2007/08.

UFOP: Erzeugerpreise weit gestreut



Unterdessen berichtete die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) in Berlin mit Blick auf den bundesdeutschen Kassamarkt für Raps, dass sich die Abgabebereitschaft der Erzeuger vorrangig auf vertraglich gebundene Mengen beschränke. Teilweise werde sogar direkt an die Ölmühlen geliefert.

Derweil lagere der überwiegende Teil der Landwirte die Ware ein. Nur sehr vereinzelt würden die zuletzt deutlich gestiegenen Gebote wahrgenommen, um neuerntige Partien zu verkaufen oder schon Kontrakte „ex Ernte“ 2022 abzuschließen. Mit den Ergebnissen der diesjährigen Ernte seien die Bauern allerdings nicht vollends zufrieden; sowohl die Erträge als auch Ölgehalte seien nicht so hoch wie erwartet ausgefallen.

Der UFOP zufolge, die sich dabei auf Angaben der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) beruft, wird prompte Ware frei Erfasserlager in allen Regionen mit mehr als 500 Euro/t bewertet. Der durchschnittliche Rapspreis sei in der zweiten Augustwoche um fast 11 Euro auf 515 Euro/t gestiegen; das seien 43 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Jedoch gebe es nach wie vor eine weite Preisspanne zwischen den einzelnen Regionen; diese reiche von 490 Euro/t bis 535 Euro/t frei Lager. Für Rapssaat aus der Ernte 2022 sei zuletzt ein mittlerer Erzeugerpreis von 444 Euro/t registriert worden. Besprochen würden Preise zwischen 422 Euro/t und 453 Euro/t.

Wirksamer EU-Außenschutz erforderlich



Die UFOP begründete die zurückhaltende Abgabebereitschaft der Erzeuger mit den Erfahrungen bei der Vermarktung der Ernte 2020; damals hätten die Landwirte zu früh und zu viel Ware verkauft. Das aktuelle Niveau der Erzeugerpreise sei auch erforderlich, um die geringeren Erträge und die zugleich höheren Aufwendungen für den Pflanzenschutz zu kompensieren.

Das aktuelle Vermarktungsjahr gebe damit die notwendige Preisentwicklung für alle Kulturarten vor, wenn der Ackerbau als Folge der Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission an Produktivität verliere. Wenn die „pauschalen“ Vorschläge der Kommission trotz aller kritischen Hinweise in aktuellen Studien zur Folgenabschätzung tatsächlich umgesetzt werden, dann muss außerdem nach Ansicht der UFOP vorher ein wirksamer Außenschutz eingeführt werden. Anderenfalls werde das „Ambitionsniveau“ der Gemeinschaft durch Importe aus Drittstaaten unterlaufen, warnte die Förderunion.

Brasilianische Sojaerzeugung dürfte zulegen



Für Rückenwind bei den Rapsfutures sorgten auch die positiven Vorgaben der Sojabohnenfutures an der Terminbörse in Chicago. Der betreffende Kontrakt mit Fälligkeit im November 2021 kostete am Dienstag (17.8.) gegen 16.20 Uhr hiesiger Zeit 13,74 $/bu (429 Euro/t); gegenüber dem Anfang August erreichten Zwischentief war das ein Plus von 5 %.

Analysten rechneten zuletzt mit Ertragseinbußen bei der US-Sojabohnenernte als Folge von Trockenheit in den nördlichen Anbaugebieten. Das USDA bezifferte die Bohnenernte im eigenen Land im Rahmen seiner ersten, umfragebasierten Schätzung auf 118,1 Mio t; im Juli waren noch 1,8 Mio t Soja mehr erwartet worden. Dennoch würde damit die Vorjahresmenge um 5,5 Mio t oder 4,9 % übertroffen.

Für Brasilien, den größten Anbieter am Weltmarkt, wird sogar mit einem Erzeugungsplus von 7 Mio t oder 5,1 % auf 144 Mio t Bohnen gerechnet. Indes sagte die dem Agrarressort in Brasília zugeordnete Versorgungsgesellschaft Conab einen Zuwachs der Sojaproduktion im eigenen Land um 11,2 Mio t auf 136 Mio t voraus.

Versorgungslage auch 2021/22 unterdurchschnittlich



Die Sojabohnenerzeugung Argentiniens sieht das US-Landwirtschaftsministerium für 2021/22 bei 52 Mio t, was im Vorjahresvergleich einer Steigerung von 6 Mio t oder 13 % entsprechen würde. Die globale Sojaernte 2021/22 wird nun auf voraussichtlich 383,6 Mio t veranschlagt, nach nur 363,3 Mio t im Vorjahr. Damit würde der erwartete globale Verbrauch um 5 Mio t übertroffen.

In der Folge wäre mit einer Aufstockung der weltweiten Sojabohnenbestände bis Ende 2021/22 um 3,3 Mio t auf 96,1 Mio t zu rechnen. Diese Menge würde ausreichen, um den weltweiten Verbrauch fast 93 Tage zu decken. Damit würde sich die Versorgungslage auf dem Niveau von 2020/21 bewegen, während der Durchschnitt der vergangenen vier Jahre aber um zwölf Tage verfehlt würde.

Umrechnungskurs: 1 $ = 0,8495 Euro

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