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28.07.2015 | 06:48 | Eiweißinitiative 

Soja in Baden-Württemberg: Anbau 2015 nahezu verdoppelt

Stuttgart - Die Eiweißinitiative des Landes ist ein wichtiger Beitrag, die gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg auch für die Zukunft zu sichern.

Eiweißinitiative
(c) proplanta

„Unsere Initiative hat wesentliche Impulse zur Ausdehnung des Anbaus von heimischen Eiweißpflanzen wie Soja oder Erbsen in Baden-Württemberg gegeben. Sie unterstützt den Anbau von Eiweißpflanzen (Leguminosen) durch intensive Beratung und Begleitung des Anbaus in Demonstrationsbetrieben. Die Initiative ist von großer Bedeutung, wenn es darum geht, das Land unabhängiger von Importen gentechnisch veränderter Futtermittel aus dem Ausland zu machen“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde am Montag (27. Juli 2015) bei der Besichtigung von Sojaflächen auf dem Mühlfeldhof der Familie Back in Philippsburg (Landkreis Karlsruhe).

„Pflanzliches Eiweiß brauchen wir vor allem zur Fütterung unserer Nutztiere. Der Eiweißbedarf kann nicht vollständig aus heimischer Produktion gestillt werden – aber die Importe müssen verringert werden, um Baden-Württemberg unabhängiger von Eiweißlieferungen aus dem Ausland zu machen. Gerade in Süd- und Nordamerika ist Gentechnik bei Soja fast immer die Regel. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher bei uns im Land wollen aber keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf ihren Tellern. Für gentechnikfreie Lebensmittel ist es wichtig, dass auch Futtermittel ohne Gentechnik zum Einsatz kommen. Daher ist es sehr erfreulich, dass der Sojaanbau in Baden-Württemberg im Vergleich zum vergangenen Jahr nahezu verdoppelt wurde. Im Land werden jüngsten Zahlen zufolge nun auf über 5.800 Hektar Sojapflanzen angebaut“, berichtete Bonde.

Das Land unternehme viele weitere Schritte, um Agrogentechnik aus Baden-Württemberg fernzuhalten. „Wir führen ein umfangreiches Saatgut-Monitoring bei Mais, Sojabohnen und Raps durch, um die Gentechnikfreiheit des Saatguts vor der Aussaat prüfen zu können. In unseren landwirtschaftlichen Landesanstalten, die Tierhaltung betreiben, verfüttern wir ausschließlich gentechnikfreies Futtermittel. Und durch die Novellierung des Landesnaturschutzgesetz schützen wir mit einem 3.000-Meter-Gürtel naturschutzfachlich hochwertige Flächen vor Beeinträchtigungen durch einen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen“, erklärte der Minister.

Von Beratung bis Forschung: Umfangreiche Eiweißinitiative



Ziel der Eiweißinitiative sei es, den Anbau von Eiweißpflanzen in Baden-Württemberg weiter auszudehnen. Zentrale Elemente der Initiative des Landes seien eine intensive Beratung sowie die Demonstration von Anbauverfahren für Landwirtinnen und Landwirte, die in den Anbau von Eiweißpflanzen neu einsteigen wollten, so Bonde weiter. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Karlsruhe und das Landwirtschaftliche Zentrum in Aulendorf unterstützten diese Betriebe bei Fragen rund um den Acker- und den Futterbau. Dazu sei ein Netz von rund 20 konventionellen und ökologischen Demonstrationsbetrieben eingerichtet worden, die intensiv vom Land betreut werden – einer dieser Vorzeigebetriebe sei derjenige der Familie Back in Philippsburg.

Bei den Demonstrationsbetrieben gehe es vor allem darum, auf den Anbauerfahrungen aufzubauen und praktische Tipps zu vermitteln, wie Eiweißpflanzenbau erfolgreich umgesetzt werden könne, so der Minister weiter. „Mit der Vernetzung von Landwirtinnen und Landwirten und Produzenten mit dem Handel und der Lebensmittelwirtschaft gelingt es Wertschöpfungsketten zu schaffen, die für eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion stehen – von Anbau und Erzeugung über Ernte, Aufbereitung und Verfütterung bis hin zur Vermarktung der regional erzeugten gentechnikfreien Produkte. Durch die Zunahme des Eiweißpflanzenanbaus wird auch die Fruchtfolge unserer Betriebe wieder vielfältiger: Bodenfruchtbarkeit, Humusbilanz und Verfügbarkeit von Nähstoffen können so verbessert werden“, sagte der Minister. Daher sei der Anbau von Eiweißpflanzen auch ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Biodiversität und des Landschaftsbildes, so Bonde.

Hintergrundinformationen:



Seit dem Jahr 2005 ist die Anbaufläche von Sojabohnen in Baden-Württemberg von knapp 300 Hektar kontinuierlich gewachsen. Nach den jüngsten Anbauzahlen auf Basis des Gemeinsamen Antrags konnte der Sojabohnenanbau in diesem Jahr gegenüber dem Jahr 2014 nahezu verdoppelt werden (2015: 5.897 Hektar / 2014: 2.843), wie auch der Anbau von Erbsen (2015: 6.529 Hektar / 2014: 2.983).

Neue Anreize für den Anbau von Eiweißpflanzen sind auch auf europäischer Ebene durch die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik und das Greening geschaffen worden. Das Land hat sich erfolgreich für die Anerkennung der Leguminosen-Anbaufläche als Ökologische Vorrangfläche eingesetzt. In Baden-Württemberg werden auf knapp 17 Prozent dieser Flächen Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen angebaut.

Mit dem neuen Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) wird in Baden-Württemberg der Leguminosenanbau zusätzlich mit der Maßnahme Fruchtartendiversifizierung gefördert, die sehr gut in der Praxis angenommen worden ist. Bei dieser Maßnahme sind jährlich mindestens 5 verschiedene Kulturen auf der Ackerfläche notwendig und der Anteil der Leguminosen beträgt mindestens 10 Prozent.

Das Land Baden-Württemberg nutzt seine Möglichkeiten konsequent aus, um den Anbau gentechnisch veränderter Organismen in Baden-Württemberg auch weiter zu verhindern. Unter anderem sollen folgende Maßnahmen dazu dienen:

- Baden-Württemberg ist seit 2012 Mitglied im Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen Europas, dem über 60 Regionen in verschiedenen Ländern Europas angehören.

- Landeseigene Flächen werden nur mit der Verpflichtung verpachtet, keine gentechnisch veränderten Organismen anzubauen.

- In den landwirtschaftlichen Landesanstalten, die Tierhaltung betreiben, werden ausschließlich GVO-freie Futtermittel verfüttert.

- Mit einem umfangreichen Saatgut-Monitoring bei Mais, Sojabohnen und Raps wird die Gentechnikfreiheit des Saatguts vor der Aussaat geprüft.

- Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher liefert ein in Deutschland einmaliges Ernte-Monitoring bei heimisch erzeugtem Mais, Soja, Raps und Leinsaat Hinweise auf mögliche Verunreinigungen durch gentechnisch veränderte Organismen.

- Die amtliche Futtermittel- und Lebensmittelüberwachung überprüft regelmäßig Rohstoffe, Futtermittel und Lebensmittel auf das Vorhandensein gentechnisch veränderter Organismen und die korrekte Kennzeichnung.

- Für Lebensmittel, die mit dem Qualitätszeichen Baden-Württemberg gekennzeichnet sind, gilt: Alle pflanzlichen Produkte erfüllen den gesetzlichen Ohne-Gentechnik-Standard. Seit dem 1. Januar 2015 erfüllen diesen Standard alle Produkte aus den Bereichen Lammfleisch, Eier, Mastgeflügel, Honig und Fische aus Aquakultur. Die Bereiche Milch und Milchprodukte, Rind-, Kalb- und Schweinefleisch sollen möglichst rasch, spätestens bis zum 31. Dezember 2017, Schritt für Schritt praxis- und marktorientiert auf die Anforderungen Ohne Gentechnik umgestellt werden.

- Das novellierte Landesnaturschutzgesetz schützt mit einem 3.000-Meter-Gürtel naturschutzfachlich besonders hochwertige Flächen vor Beeinträchtigungen durch einen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. (mlr-bwl)
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