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19.09.2010 | 08:26 | Getreidemärkte  

Verwettet und versteigert: Weltgetreidereserve gefordert

Bonn - Die Nahrungsmittelkrise 2007/2008 ist noch nicht vergessen und schon wieder steigen die Preise für Weizen und Gerste auf Rekordhöhen.

Verwettet und versteigert: Weltgetreidereserve gefordert
Internationale Agrarökonomen sprechen die angesichts der starken Schwankungen von einer "riskanten Situation". "Die strukturellen Probleme sind weiter ungelöst: Der Klimawandel schreitet voran, die Feuer in Russland und die Flut in Pakistan sind ein Menetekel dafür", so Professor Joachim von Braun, Leiter des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn in einem Interview des Spiegel. "Die Bevölkerungszahl wächst, der Boden wird knapp, ebenso das Wasser, die Menschheit isst mehr Fleisch. Das alles treibt die Nachfrage und begrenzt das Angebot." Außerdem sei es nicht mehr alleine die reale Menge von Angebot und Nachfrage, die die Preise bestimme - der spekulative Einsatz von Finanzkapital treibe sie zusätzlich in die Höhe, insbesondere in den Preisspitzen.

Von Braun sieht die Krux vor allem in den starken Schwankungen der Weltmarktpreise, die langfristige Investitionen hemmen würden. Der Prozess habe bereits 2004 nach der Deregulierung der Finanzmärkte begonnen, das Ergebnis sei dann erstmals 2008 im großen Stil zu sehen gewesen: Vietnam schloss den Reismarkt, am folgenden Tag schossen die Preise um 30 Prozent in die Höhe. "Ein solcher Sprung lässt sich mit keinem ökonomischen Modell erklären, das nur mit den herkömmlichen Faktoren Produktion, Nachfrage oder Lagerhaltung arbeitet", erläutert von Braun. Als Verursacher macht er vordergründig die Banken aus, aber hinter den Banken stünden beispielsweise Pensions- oder Versicherungsfonds, die Milliarden anlegen müssten. Sie investierten in Rohstoffe, die als eigene Anlageklasse interessant würden.

Man müsse sich aber fragen, ob es moralisch vertretbar sei, ausgerechnet auf die Knappheit von Nahrungsmitteln zu spekulieren. Als Ausweg schlägt von Braun vor, eine Art Club der wichtigsten Getreide-Exportländer zu bilden, die eine Reserve auf globaler Ebene anlegen - eine echte Weltgetreidereserve. Zusätzlich könne eine "virtuelle Getreidereserve" aus einem Kapitalfonds gebildet werden, der in Krisensituationen einsetzbar sei, um mit Terminkontrakten große Mengen Weizen, Mais und Reis zu kaufen. Für falsch hält von Braun hingegen, die Spekulation auf Nahrungsmittel ganz zu verbieten: "gute" Spekulation liefere auch wichtige Signale, um beispielsweise eine reale Knappheit vorauszusagen. (aid)
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