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27.09.2022 | 09:20 | Aktueller Rat Pflanzenschutz 

Winterraps: Erfolg stets im Blick

Karlsruhe - Heute gibt der amtliche Pflanzschutzberater T. Kielmann vom Landwirtschaftsamt in Göppingen wichtige Tipps um die Winterrapsflächen erfolgreich über den Winter zuführen.

Rapsanbau
(c) proplanta

Aus Sicht des Göppinger Experten ist die Kultur nahezu überall im Landkreis sehr schön aufgelaufen und wächst ordentlich. Die Bestände befinden sich je nach Region und Saattermin momentan zwischen dem 2- und 6- Blattstadium.

Besatzorientierter Herbizideinsatz: Wer seinen Raps noch nicht gegen Unkräuter und Ungräser behandelt hat, kann dies auch im Nachauflauf ab dem 2- bis zum 4- Blattstadium mit dem blattaktiven Herbizid Belkar Power Pack (Vorlage 0,25 Liter/ha Belkar + 0,25 Liter/ha Synero, gefolgt ab BBCH 16 von weiteren 0,25 Liter/ha Belkar) noch erledigen.

Wichtig ist, dass erst gefahren wird, wenn auch die kleinsten Pflanzen das 2-Blattstadium erreicht haben. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr waren sehr zufriedenstellend. Allerdings gibt es Einschränkungen bei der Wahl des Gräserherbizides: Nur Focus Aktiv Pack, Panarex bei der 1. und 2. Anwendung sowie nur bei der 1. Anwendung Select + Radiamix und Vextadim + Vexzone sind für Mischungen mit Belkar Power freigegeben.

Als Fungizide bzw. zur Wuchsregulierung sind die Fungizide Tilmor (bis 1,0 Liter/ha), Toprex (bis 0,5 Liter/ha) und Folicur (bis 0,75 Liter/ha) zur Beimischung zur 2. Splittingvariante freigegeben. Tankmischungen mit allen anderen Gräsermitteln und Fungiziden und dem Herbizid Fox sind nicht möglich. Ein Abstand von 7 Tagen bei Spritzfolgen ist zwingend einzuhalten. Achtung: Wenn Belkar eingesetzt wird, darf nachfolgend im Herbst kein metconazolhaltiges Fungizid (z.B. Carax, Caramba, …) mehr eingesetzt werden. Mischungen mit allen zugelassenen Insektiziden sind wie auch mit Bordüngern möglich.

Praxistipps: alle Auflagen des einzusetzenden Mittels gilt es zwingen zu beachten. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Hangneigungsauflage zu erwähnen. Bei >2% Hangneigung muss ein 20 m breiter bewachsener Randstreifen zwischen Acker und Gewässer vorhanden sein. Es finden Kontrollen statt!

Bedarfsorientierter Wachstumsreglereinsatz: Der richtige Termin zur Einkürzung des Rapses ist das 4- (6) Blattstadium. Bei verzetteltem Auflauf kann eine Fungizidmaßnahme den Bestand „gleichziehen“, da die größeren Blätter mehr Wirkstoff aufnehmen und dann auch stärker eingekürzt werden. Bei normalen Beständen sind Produkte einzusetzen, die sowohl einkürzen als auch eine gute Fungizidwirkung mitbringen, wie etwa Folicur bzw. Orius mit ca. 0,75 Liter/ha oder 0,35 Liter/ha Toprex. Bei Tilmor ist die Fungizidwirkung im Vergleich zur Einkürzung im Vordergrund. Carax (Metconazolhaltig) kürzt am stärksten ein, bringt im Vergleich aber etwas weniger Fungizidwirkung mit.

Achtung: Beachten Sie immer die direkten Auflagen der jeweiligen Mittel, da auch bei gleichen Wirkstoffgehalten, je nach Zulassung unterschiedliche Auflagen gelten können.

Integrierter Insektizideinsatz: Der Rapserdfloh ist unterschiedlich stark vorhanden, meist jedoch noch deutlich unterhalb der Schadensschwelle. Die aktuell kühle und feuchte Witterung sollte die Entwicklung zusätzlich verlangsamen. Daher sollte jeder Schlag intensiv beobachtet und mit Gelbschalen (Pflicht in Landschafts-, Vogel- und FFH-Gebieten nach IPSplus siehe Infoservice 10) überwacht und z.B. in der Dokumentation Pflanzenschutz oder in angehängter Excel-Tabelle werden.

Bis zum 2-Blattstadium dürfen nicht mehr als 10% der Keim-/Laubblätter durch Fraß zerstört sein. Ab dem 3-Blattstadium des Rapses sollten nicht mehr als 50 Käfer in 3 Wochen pro Gelbschale gefangen werden. Bei Überschreiten der Schadensschwelle ist ein Pyrethroid, bspw. Karate Zeon, Nexide oder Lamdex Forte einzusetzen.

Es scheinen sich hier weitere Pyrethroid-Resistenzen auszubreiten, so dass das BVL eine Notfallgenehmigung für die im Kalenderjahr einmalige Anwendung der Insektizide Exirel und Minecto Gold (beide Wirkstoff Cyantraniliprole) erteilt hat. Ein Einsatz ist erst nach Ende des Zuflugs am sinnvollsten. Die Beizung mit Lumiposa (auch Cyantraniliprole) gilt hier nicht als Anwendung.

Praxistipp: Vermeiden Sie im Hinblick auf Nützlingsschonung und Resistenzvermeidung unnötige und zu frühe Spritzungen unterhalb der Schadensschwelle.

Praxistipps:
  • Grundsätzlich ist im Raps auf eine gute Bor-Versorgung zu achten, um die Winterfestigkeit zu erhöhen.
  • Ausfallgetreide und Ackerfuchsschwanz sollten nicht zu spät behandelt werden. Dies kann im 2- bis 4- (6) Blattstadium der Gräser zum Beispiel mit Agil-S, GramFix oder Fusilade Max erfolgen. Bei schwer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz ist der Einsatz sog. DIM-Produkte wie beispielsweise Select oder Focus Ultra zu bevorzugen.
  • Bei bestehenden Ackerfuchsschwanzresistenzen an den Einsatz von propyzamidhaltigen Produkten, wie z.B. Kerb Flo oder Milestone im Herbst zum Vegetationsende im Auge haben. Bodentemperatur nachhaltig unter 10°C erforderlich. Die Ware scheint wieder knapp zu sein!
  • Rapsbestände regelmäßig auf Schneckenbesatz kontrollieren. Unbedingt beachten, dass nach größeren Regenmengen die Wirkung des Schneckenkorns stark nachlässt. In den o.g. Schutzgebieten ist eine Überwachung nach IPS+ mit „Schneckenfolie“, Säcken oder Brettern Pflicht! Dokumentieren nicht vergessen!
(Informationen des Landkreis Göppingen vom 23.09.2022)
LTZ Augustenberg
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