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14.02.2013 | 07:31 | Illegale Tierschlachtung 
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Ist Rumäniens Pferdefleisch-Mafia noch am Werk?

Bukarest - Die Region am östlichen Karpatenknie ist berüchtigt für illegale Tierschlachter. Behörden sehen das Problem behoben, ein örtlicher Reporter sieht jedoch eine «Pferdefleisch-Mafia» am Werk.

Pferde
(c) proplanta

Knallgelb, bonbonrosa und himmelblau leuchten die Fassaden in Homocea, einem Dorf am Rand der südöstlichen Karpaten - so präsentiert sich die Gemeinde auf Fotos bei Facebook. Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern in Rumänien sind die Gassen hier geteert. Den Menschen geht es wohl besser als anderswo in dem EU-Land, das sich jetzt wegen des europaweiten Skandals um als Rind getarntes Pferdefleisch an den Pranger gestellt sieht.

Im Herbst 2010 ist in Homocea eine vierköpfige Bande aufgeflogen, die massenhaft Pferde geschlachtet und das Fleisch an Supermärkte in der Hauptstadt Bukarest verkauft hatte - und zwar als Rind deklariert. Denn auch in Rumänien mag kaum jemand Pferdefleisch essen. Fleisch vom Pferd ist billiger als Rind.

Im Jahr 2012 sind die vier Männer zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden - sie sind also auf freiem Fuß. Die Lokalzeitung «Ziarul de Vrancea» titelte nun angesichts des Pferdefleisch-Skandals: «Kommt es etwa aus Homocea?»

Schon während der Hungerjahre des späten Kommunismus in den 80er Jahren, seien viele Rumänen nach Homocea gepilgert, um von Bauern unter der Hand Fleisch von Schweinen, Rindern oder Schafen zu kaufen, berichtete die Bukarester Zeitschrift «Flacara» im Mai 2012. Demnach soll es hier eine lange Tradition im schwarzen Schlachten geben.

Auch heute nehme die Polizei immer wieder illegale Schlachter fest, sagt der Polizeireporter Gabriel Sava von «Ziarul de Vrancea» der Nachrichtenagentur dpa. Im Visier ist dabei nicht nur Fleisch vom Pferd, sondern auch von anderen Tieren, das unter möglicherweise unhygienischen Bedingungen produziert worden sei.

Einmal sei eine Pferdefleisch-Bande aus Homocea sogar am anderen Ende des Landes, in der westlichen Region Alba, gefasst worden, sagt Sava. Ein Zeichen dafür, dass es sich um eine landesweit agierende Mafia handelt?

Für die Behörden in der Region Homocea ist an der Fleischfront alles in Ordnung. Alle 14.910 Pferde seien registriert und trügen seit dem Jahr 2004 auch immer einen Chip zur elektronischen Lokalisierung im Ohr, sagte am Dienstag der stellvertretende Chef des Amts für Tiermedizin und Verbraucherschutz (ANSV) in der Kreishauptstadt Focsani, Doru Calistru.

Im vergangenen Jahr seien in seinem Bereich nur vier Pferde geschlachtet worden. Man habe sie eingeäschert, weil sie krank gewesen seien. Auch Calistru kennt den Fall der 2010 aufgeflogenen Pferdefleisch-Bande. Er sagt, dass die Polizei inzwischen das illegale Treiben in Homocea im Griff habe.

Regierung, Behörden und verdächtigte Betriebe beteuern, dass kein falsch etikettiertes Pferdefleisch exportiert worden sei. Der im aktuellen Pferdefleisch-Skandal von der französischen Firma Comigel beschuldigte rumänische Fleischproduzent CarmOlimp streitet alle Vorwürfe ab. Man habe 2012 gar kein Rindfleisch exportiert - demnach habe man auch kein Pferdefleisch als Rind etikettieren können.

Vielmehr habe CarmOlimp im vorigen Jahr 60 Tonnen Pferdefleisch mit ordentlichen Papieren nach Bulgarien und in die Niederlande geliefert. Grundsätzlich schlachte man nur dann Pferde, wenn es Bestellungen gebe. Die Tiere kämen von Bauern, die ihre Pferde verkaufen, weil sie Geld brauchen.

Rumänien exportiert jährlich Pferdefleisch im Wert von zehn bis zwölf Millionen Euro. Hauptabnehmer ist Italien. In den ersten acht Monaten 2012 umfasste der Export 8,5 Millionen Euro, neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt.

Landesweit ist der Pferdebestand in den vergangenen Jahren erheblich gesunken: Im September 2012 gab es etwa 600.000 Pferde in Rumänien - im Jahr 2008 waren es dagegen noch rund 800.000.

Der Journalist Sava ist nach wie vor überzeugt, dass es im Land eine Pferdefleisch-Mafia gebe. «Die Banden sind sehr gut organisiert», sagt er. Die Justiz arbeite mangelhaft. Die Bandenchefs schöben immer wieder Sündenböcke vor, die strafrechtlich kaum belangt werden könnten: Kinder und Behinderte kämen vor den Richter, während ihre Verwandten weiter illegal schlachteten. (dpa)
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Kommentare 
Natalia schrieb am 17.02.2013 00:21 Uhrzustimmen(115) widersprechen(115)
Das ist echt grausam, wie man mit diesen schönen Tieren (http://www.pferde-der-erde.com/das-pferdeland-rumanien/) umgeht..
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