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08.06.2010 | 06:48 | Nutztier Honigbiene 
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Pflanzen- und Tiervielfalt ist Lebensgrundlage

Wachtberg - In Kooperation mit dem Deutschen Imkerbund e. V. fand vom 28.- 30.05.2010 in der Evangelischen Akademie Loccum (Niedersachsen) eine Tagung zum Thema „Biodiversität rund um das Nutztier Honigbiene“ statt.

Pflanzen- und Tiervielfalt ist Lebensgrundlage
Das dreitägige Seminar besuchten ca. 75 Teilnehmer, darunter Wissenschaftler, Mediziner, Imker, Forstbeamte, Saatguterzeuger, Landwirte, Obsterzeuger, Mitarbeiter von Behörden und Studenten. Die Veranstaltung gliederte sich in Vorträge zu Schwerpunktthemen, Diskussionsforen und eine Abschluss-Podiumsdiskussion. U. a. konnten folgende Referenten für die ersten beiden Tage gewonnen werden:


Schwerpunktthema 1: „Was ist „biologische Vielfalt“ in Bezug auf tierische Bestäuber und „ihre“ Pflanzen“

Vorträge dazu waren: „Wie hängt die Vielfalt der Bestäuber mit der Diversität der (Nutz)Pflanzen zusammen?“ Prof. Dr. Dieter Wittmann, Uni Bonn sowie „Biodiversität der Wild- und Nutzbienen“, Dr. Christoph Saure, Gutachter für Naturschutz, Berlin. Durch die beiden Vorträge erhielten die Anwesenden interessante Einblicke in die Zusammenhänge von Bestäubern und Pflanzen, Insektenarten, den Artenrückgang und Pollenmangel.

Derzeit gibt es in Deutschland ca. 33.000 Insektenarten und ca. 560 Bienenarten. Jedoch sind Wildbienen aufgrund fehlender Lebensräume stark reduziert. Das bringt die „Rote Liste“ mit gefährdeten Arten zum Ausdruck. Auch die europäische Wildbiene gibt es in der ursprünglichen Art nicht mehr, sondern „apis mellifera mellifera“ ist domestiziert. Interessant waren auch Aussagen zum Blütenpollen, von dem 20 – 70 % bei Äpfeln, Birnen, Aprikosen und insbesondere bei Kirchen aus nicht bekannten Gründen taub oder vertrocknet seien und so die Bestäubung teilweise nur zufällig erfolge.


Schwerpunktthema 2: „Intensive Flächenbewirtschaftung und Biodiversität - Wie geht das zusammen?“

Dazu informierte Hartmut Schlepps, Landesbauernverband Hannover, im Vortrag „Biodiversität als landwirtschaftliches Produktionsziel“ über bestehende Abkommen und Beschlüsse und nationale Strategien und betonte, man könne Biodiversität nicht einfach verordnen, sondern Wirtschaft und Gesellschaft müssten dieses Thema zu ihrer eigenen Sache machen.

Im weiteren Vortrag erläuterte Dr. Catrin Westphal, Uni Göttingen, die an der europäischen Studie „ALARM“ mitarbeitete (Artenrückgang von Pflanzen und Insekten) das Thema „Wie managen wir die Ökosysteme der tierischen Bestäuber?“. Die Studie zeige, dass durch die Veränderung der Ökosysteme (Flurbereinigung, Intensivierung der Landwirtschaft usw.) mittlerweile weltweit 50 % der 25.000 Bienenarten bedroht seien und mit dem Verschwinden einer Pflanzenart zehn Tierarten verschwänden, so die Referentin. Als Ursachen nannte sie u. a. die Landnutzungsänderungen und den Pestizideinsatz. Blühstreifen helfen zur Verbesserung der Biodiversität, notwendig seien aber Blühflächen, so Westphal weiter.

Den dritten Vortrag zu diesem Schwerpunkt hielt Dr. Werner von der Ohe, LAVES Bieneninstitut Celle, zum Thema: „Reinkulturen, Energiepflanzen und neue Züchtungen - Stress trotz Blütenmeer?“.Insbesondere ging von der Ohe auf den Einfluss von Stressoren wie mangelndes Pollen- und Nektarangebot, Krankheiten, Pflanzenschutzmittel sowie Varroazide auf die Bienenvitalität ein. Negative Folgen seien z. Bsp. Immunschwäche, mangelnde Robustheit, Kannibalismus und verminderte Vermehrung.

Im vierten Vortrag beleuchtete Dr. Beatrice von Saan-Klein, Diplom-Biologin und Umweltbeauftragte der Diözese Fulda das Thema biologische Vielfalt von der ethischen Seite und appellierte an den verantwortungsvollen Umgang mit den genetischen Ressourcen unserer Natur.

Als letzter Beitrag zum zweiten Schwerpunkt referierte Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Leuphana-Uni Lüneburg, zum Thema: „Wie bedeutend ist Bestäubung im internationalen Handel und für die Welternährung?“ Grundsätzlich erläuterte sie dazu, dass Bestäubung wichtiger sei als Wasser und Nährstoffe und allein zehn Prozent (rd. 150 Mrd. Euro) des gesamten monetären, globalen Wertes ohne Bestäuber durch den Verlust in der Kulturpflanzenproduktion verloren gehen würden. Wie wichtig Bestäubung für eine ausgewogene Ernährung sei, zeige sich am Beispiel von Mandeln, Äpfeln, Avocados, Birnen, Pfirsichen und Buchweizen, wo 65% des Ertrages, bei Paranüssen, Kiwis, Kürbissen, Kakao, Wassermelonen und Passionsblumen sogar 100 % des Ertrages durch Bestäubung erzielt würden.

Im weiteren Verlauf des Tages konnten die Teilnehmer vier Diskussionsforen besuchen, deren Ergebnisse am 30. Mai vorgestellt wurden. Die Themen waren hier: „Welchen Stellenwert hat die natürliche Vielfalt in Nutzökosystemen?“, „Wie schützt man Pflanzen, ohne dass die Bienen sterben?“, „Ist wegen der Bestäuber anders mit gentechnisch veränderten Organismen umzugehen?“ und „Blühende Landschaften: Warum zählt der eigene (Kirch)Garten?“.

In der Diskussion wurde versucht, u. a. die Verantwortungsbereiche von Imkern, Landwirten und Gesetzgebern wie folgt zu definieren:

• Aufgaben der Imker:
   - Kommunikation zwischen Landwirt und Imker verbessern
   - Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit im Verband
   - Gute fachliche imkerliche Praxis (z. B. Selektion, keine Übernutzung)
   - unbedingte Meldung des Totenfalls
   - gemeinsame Vermarktungsstrategien für Produkte aus „fairer Landwirtschaft“
• Aufgaben der Landwirtschaft:
   - mehr Kultur- und Pflanzenvielfalt
   - blühende Beikräuter
   - gezielte Anlage von Blühstreifen
   - in landwirtschaftliche Ausbildung imkerliches Wissen einbringen
   - wo möglich, Anbautechnik ohne chemischen Pflanzenschutz
• Aufgaben an Gesetzgeber/Industrie:
   - Prüfung von Pflanzenschurzmitteln auf Bienenvolkgefährlichkeit
   - Umkehr der Beweislast berücksichtigen
   - Bienen als Stellvertreter für andere Bestäuber sehen
   - Forschung durch Gelder aus der öffentlichen Hand
   - Stärkung der Pflanzenschutzämter
   - Schaffung von Transparenz bei Prüfungsparametern

Am dritten Tag der Veranstaltung erfolgte nach der Vorstellung der Foren-Ergebnisse eine Podiumsdiskussion mit den Teilnehmern: MdL Christian Meyer, CDU, MdL Martin Bäumer, CDU /(Umwelt-Fachreferent), Helmut Meyer, Vizepräsident Landvolk Niedersachsen, Dr. Catrin Westphal, Uni Göttingen, und Peter Maske, D.I.B.-Präsident.


Zusammenfassende Inhalte der Statements waren:

Die Politiker brachten zum Ausdruck, dass die Bedeutung der Bestäuber erkannt und zahlreiche Maßnahmen zur Förderung angelaufen seien oder sich in der Umsetzungsphase befänden. Kritisch wurde angemerkt, dass es aber auch unrealistische Forderungen gäbe.

Von Seiten der Landwirtschaft wurde signalisiert, dass man z. B. bei der Grünlandbewirtschaftung mit Naturschützern und anderen Verbänden zusammenarbeite und bereit sei, Blühprogramme u. a. Maßnahmen umzusetzen. Jedoch scheitere die Realisierung oft an den Verordnungen und der damit verbundenen Bürokratie. Nach wie vor sei jedoch erste Aufgabe der Landbewirtschaftung die Ernährungssicherung.

D.I.B.-Präsident Maske forderte in seinem Beitrag Rechtssicherheit bei GVO und konsequentes Handeln bei illegalem Anbau. „Es sollte nicht nur eine anbaufreie Region in Bayern, sondern in ganz Deutschland und Europa geben“, so Maske. Auch Erfahrungen zum GVOAnbau aus anderen Ländern, wie den USA, sollten bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Besonders wichtig sei für den D.I.B. die Zusammenarbeit mit den Landwirten.“ Imker wollen echte Partner der Landwirte sein“, sagte der Präsident hierzu. Denn nicht nur Imker profitierten davon, sondern mehr Bienenvölker könnten auch das Einkommen der Landwirte steigern, z.B. beim Rapsertrag. Besonders wichtig sei ihm jedoch die Erhaltung des Nahrungsangebotes für die Bestäuber. So könne statt des Maisanbaus die Verwendung von mehrjährigen Blühpflanzen zur Biomassegewinnung dem Trachtmangel bei Bienen und anderen Blüten besuchenden Insekten entgegen gewirkt werden. (dib)
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Kommentare 
Biodiversität... schrieb am 08.06.2010 09:28 Uhrzustimmen(68) widersprechen(48)
Ergänzen ließe sich u.a. folgendes: Prof. Wittmann antwortete auf die Frage nach der Konkurrenz der Honigbienen für Wildinsekten in Naturschutzgebieten, dass Tests diese immer wieder geäußerte Befürchtung in keinem Falle bestätigt hätten und dass in einem Fall bei Anwesenheit der Honigbienen der Wildinsektennachwuchs sogar zugenommen habe. Dr. Saure gab zu bedenken, das toter Pollen auch für Insekten problematisch sein könne. Dr. v.d. Ohe berichtete, dass Pollenersatzstoffe Insekten nicht nützten. Bei Pollenimporten wies er auf die AFB-Gefahr (Seuchengefahr) hin, weshalb auch diese keine Alternative darstellten. Die Teilnehmer einer Diskussionsrunde zeigten auch Grenzen des Kommunikationsspektrums zwischen Imker und Landwirt auf, die vom Produktionsvolumen der Betriebe und durch die Tendenzen ihrer Entwicklung bestimmt würden. Ferner wurde darauf hingewiesen, dass in Deutschland die Standimkerei die traditionelle Form der Imkerei sei, was ein generelles Verstellen von Bienenvölkern in Problemfällen praktisch weitgehend ausschlösse. Alfred
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