Donnerstag, 23.09.2021 | 13:21:08
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
06.07.2014 | 14:01 | Bienengesundheit 
 1

Weißtannenhonig wegen Bienensterben in Gefahr

Karlsruhe - In den Christbaum-Kulturen liegen tote Bienen am Boden: «Den Rüssel raus, die Flügel in Engelstellung - das sind typische Vergiftungserscheinungen», sagt der Präsident des Landesverbands Badischer Imker, Ekkehard Hülsmann.

Honig-Vielfalt
(c) proplanta

Dabei sollen die Honigbienen doch den begehrten Weißtannenhonig produzieren, ein Markenzeichen des Schwarzwalds.

Dafür müssen bestimmte Rindenläuse an den Tannen, die Lachniden, ausreichend Honigtau produzieren, der von den Bienen aufgenommen wird. Schuld am Tod der Bienen seien Pflanzenschutzmittel in den Nadelbaum-Kulturen, klagt Hülsmann.

Josef Gmeiner vom Christbaumverband Baden-Württemberg weist das zurück: Die Bäume würden schon im Februar und März mit Insektiziden behandelt, um die Wintereier von Milben, Blattläusen und Schildläusen zu zerstören - «da fliegen keine Bienen.» Er sei selbst auch Imker gewesen und achte daher bei der Schädlingsbekämpfung besonders auf die Bienenverträglichkeit.

Wenn es um das Bienensterben geht, hat jeder Experte eine andere Meinung. Wissenschaftliche Studien kommen bislang zu keinen klaren Befunden.

In diesem Jahr gibt es Hinweise, dass der bislang im Herbst auftretende massenhafte Tod der Insekten schon im Sommer einsetzt. Nach dem milden Winter hat sich das Ende Juli beginnende Bienenjahr um etwa sechs Wochen nach vorn verschoben. Da die Belastung mit Milben hoch sei, «können schon jetzt kritische Grenzwerte überschritten werden, was dann zum Zusammenbruch von Völkern führen kann», erklärt Gerlinde Nachtigall vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig.

Die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim in Stuttgart befürchtet, dass in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Völker durch Varroa-Milben zugrunde gehen. Dieser aus Asien eingeschleppte Parasit befällt die Honigbienen meist schon in der Brutzelle.

«Befallene Bienen erkennt man an verkrüppelten Flügeln oder verkürztem Hinterleib - und in diesem Jahr häufen sich solche Beobachtungen bereits extrem früh im Jahr in besorgniserregendem Maße», erklärt der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim, Peter Rosenkranz.

«Die Milbenpopulation ist durch den milden Winter viel größer als in den vergangenen Jahren», bestätigt der Karlsruher Imker Marc La Fontaine von der Imkerei BieVital in Karlsruhe. Er setzt auf eine Doppelstrategie gegen die Milben: Zum einen entfernt er sie manuell durch konstantes Ausschneiden der Drohnenbrut und der Behandlung der Bienen mit Puderzucker.

Zum anderen versucht er, seine Bienenvölker genetisch zu stärken: «Der Schlüssel zu einer Varroa-resistenten Biene liegt in der Genetik, die durch natürliche Auslese und imkerliche Eingriffe innerhalb eines Bienenjahres entsteht.»

Bienenforscher Rosenkranz hält das für einen sinnvollen Ansatz, ist aber nicht sehr optimistisch: Da 98 Prozent der Honigbienen in Imkerhand seien, fehlten die Bedingungen einer natürlichen Selektion.

Für Verbandspräsident Hülsmann sind die Pflanzenschutzmittel das große Problem, und da vor allem die Neonicotinoide. Diese könnten schon in geringen Dosen das Navigationssystem der Bienen stören: «Die Biene fliegt aus und findet nicht mehr zum Stock zurück.»

Ein Neonicotinoid, der Wirkstoff Clothianidin, war verantwortlich für das massenhafte Bienensterben vor sechs Jahren am Oberrhein - seitdem ist die Beizung von Maissaat mit diesem und zwei verwandten Mitteln in Deutschland verboten. In der EU trat Anfang Dezember 2013 zudem eine Art Moratorium in Kraft, das zwei Jahre lang den Einsatz von Neonicotinoiden erheblich einschränkt, zum Beispiel nur die Verwendung nach der Blütezeit erlaubt.

Bei Verdacht auf Vergiftungen durch Pflanzenschutzmittel analysiert die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen am Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig die Proben für ganz Deutschland. Jährlich gehen dort 100 bis 150 Schadensmeldungen ein.

Davon ist je nach Jahr ein bis zwei Drittel auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen. Abgesehen von diesen Fällen sei bei der Bienenhaltung insgesamt aber der Varroa-Milben-Befall das größere Problem, erklären die JKI-Experten.

Die Honigbiene sei nur eines von vielen Tieren, das unter dem Einsatz chemischer Gifte leide, sagt der Karlsruher Imker La Fontaine. Da sie viele landwirtschaftlich genutzte Pflanzen anfliege, sei sie aber besonders betroffen. Die Biene ist damit ein Frühindikator für ökologische Probleme - Probleme, die langfristig auch der Mensch zu spüren bekommen könnte. (dpa)
Kommentieren Kommentare lesen ( 1 )
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


Kommentare 
Paul schrieb am 06.07.2014 16:08 Uhrzustimmen(210) widersprechen(128)
"...Abgesehen von diesen Fällen sei bei der Bienenhaltung insgesamt aber der Varroa-Milben-Befall das größere Problem, erklären die JKI-Experten..." Hm, wer nicht erst seit drei Tagen Bienen hält, der weiß mehr. Es ist erschreckernd, zu welch einfältiger Äußerung Fach-Experten zu einem komplexen Sachverhalt fähig sind.
  Weitere Artikel zum Thema

Prozess um Glyphosat in Honig zieht sich in die Länge

Amerikanische Faulbrut in Berlin

Mit Kaugummi-Automaten gegen das Bienensterben

  Kommentierte Artikel

Schweinehalter in Existenzkrise

Mühlen suchen verzweifelt nach Hartweizen

Agrarminister fordert Aberkennung der Gemeinnützigkeit für Peta

Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft beklagt Kostendruck

2.000 Quadratmeter zum (Über-)Leben?

Zuckerrüben: Zuckerwirtschaft geht von guter Entwicklung aus

Getreideaufkommen auf 42,1 Millionen Tonnen veranschlagt

Mehr Starkregen: Vor allem Städte müssen umdenken

Nur unterdurchschnittliche Getreidernte in Baden-Württemberg 2021

Schwankungen und Starkregen: Schwächere Ernte 2021

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt