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04.05.2021 | 01:39 | Fünf Cent pro Mahlzeit 

Wird mehr Tierwohl das Essen teurer machen?

Berlin - Tierfreund ist jeder gern. Aber wenn es ans eigene Portemonnaie geht, sieht es manchmal anders aus.

Fleisch mit Tierwohl-Abgabe?
Den Start der Grillsaison bremsen Kontaktbeschränkungen und kühles Wetter. Doch bald wird die Lust auf Fleisch und Wurst vielleicht von höheren Preisen gebremst. Die kämen nicht ohne Grund. (c) proplanta

Den angestrebten Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland jedenfalls werden Supermarkt-Kunden auch an der Kasse spüren - darauf laufen die Bemühungen der Bundesregierung hinaus. Denn sie will den Bauern unter die Arme greifen, wenn sie hohe Investitionen in neue Ställe stemmen.

«Wir haben über alle Szenarien hinweg berechnet, dass das ungefähr drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr kosten wird», sagt der Leiter des bundeseigenen Thünen-Instituts, Folkhard Isermeyer, bei der Präsentation einer Studie in Berlin. Dieses Geld müsse für eine Investitionsförderung und für eine Tierwohlprämie für die Landwirte aufgebracht werden. «Wenn man es umrechnet auf eine Mahlzeit pro Tag, sind es fünf Cent pro Mahlzeit.»

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hält es nach eigenen Worten für machbar, dafür entweder die Mehrwertsteuer für tierische Produkte von 7 auf 19 Prozent zu erhöhen oder eine Tierwohlabgabe einzuführen. «Es gibt kein Recht auf Billigstfleisch», sagt die CDU-Politikerin. Fleisch werde aber auch kein Luxusprodukt für Reiche werden. Sie glaube, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher bereit seien, Mehrkosten zu tragen.

Eine Kommission unter Leitung des früheren Ressortchefs Joachim Borchert hatte im vergangenen Jahr Empfehlungen vorgelegt, wie die Tierhaltung verbessert werden kann. Das Thünen-Institut legte nun im Auftrag des Ministeriums eine Folgenabschätzung vor.

Grundsätzlicher Widerspruch kommt aus Opposition und Landwirtschaft nicht mehr - wohl aber die Forderung, nun endlich in die Gänge zu kommen. Noch vor den Bundestagswahlen müsse den Betrieben ein verlässlicher Weg aufgezeigt werden, verlangt etwa die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Denn die Kollegen sind verunsichert, was ihre Proteste seit Monaten zeigen. Es geht um Vorgaben beim Düngen und Pflanzenschutz, um wachsenden Druck und Stress in den Betrieben. Und um fehlende Anerkennung für die Bauernfamilien. «Bauern werden ruiniert, Essen wird importiert», warnt ein Transparent am Brandenburger Tor.

Es gehe nicht auf Knopfdruck, sagt Klöckner. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Tierhaltung aus Deutschland verdrängt werde und anschließend Fleisch und Milch aus Ländern eingeführt werde, wo es den Tieren schlechter gehe. Denn die Vorschläge würden nicht nur bedeuten, dass Bauern vielfach neue Ställe bauen müssen. Es würde für sie bis 2040 auch 10 bis 20 Prozent teurer, Fleisch und Milch zu erzeugen, ergab die Thünen-Studie.

Mehr Platz für Tiere, besseres Futter, Beschäftigungsmöglichkeiten und Stroheinstreu - das alles erhöht Arbeitsaufwand und Kosten. Eine Tierwohlprämie soll den höheren Aufwand großteils ausgleichen. «Wir müssen hier nah an die 100 Prozent kommen», mahnt Borchert.

Wichtig für die Bauern ist Planungssicherheit. «Wer einen Stall umbaut oder neu baut, der nimmt richtig Geld in die Hand», sagt Klöckner. Ein Regierungswechsel dürfe die Finanzierung nicht gefährden. «In vier Jahren hat man die Sache nicht gewuppt.» Klöckner will den Bauern deshalb Verträge mit der Regierung ermöglichen, in denen die Tierwohlprämie festgeschrieben wird.

Keiner hat mehr die Illusion, dass Supermarktkunden an der Kühltheke konsequent zum besseren Produkt greifen und so die Tierhaltung zum Besseren wenden. «Das Ziel lässt sich nicht erreichen, indem man auf die Marktkräfte vertraut», macht Isermeyer deutlich. Denn über Tierwohl zu reden ist das eine, danach zu Handeln das andere. In Umfragen sagten die meisten, dass sie für Tierwohlprodukte mehr ausgeben würden. Experimente zeigten aber, dass ein großer Teil der Menschen vorwiegend preisorientiert einkaufe, konstatiert die Studie.

Die Landwirte sind nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes grundsätzlich bereit, den vorgeschlagenen Weg mitzugehen. Neben einem verlässlichen und langfristigen Förderkonzept sei eine verbindliche Haltungs- und Herkunftskennzeichnung nötig, an der Verbraucher höhere Tierwohlstandards erkennen, außerdem ein einfacheres Baurecht für Ställe. Das verlangt auch die FDP, die zudem auf europäische Lösungen dringt.

Die Linke vermisst unterdessen eine Antwort darauf, wie Verarbeitungs- und Vermarktungskonzerne an den Umbaukosten beteiligt werden. «Fairer Handel gehört zu den Voraussetzungen für gesunde Tierbestände, und diese sind wiederum Voraussetzung für gesunde Lebensmittel.» Die Grünen stellen fest, es gebe nun zahlreiche Detailstudien. «Der Stein zum Umbau der Tierhaltung muss nun endlich ins Rollen kommen.»

Ob die Deutschen eines Tages weniger Fleisch und Milch verbrauchen, da sind sich die Thünen-Autoren nicht sicher. Eine bessere Tierhaltung kann demnach auch dazu führen, dass Veganer oder Vegetarier wieder auf den Geschmack kommen.
dpa
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