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05.08.2021 | 05:28 | Waldbrände am Mittelmeer 

Flammen im Urlaubsparadies

Athen / Istanbul / Rom - Meterhohe Flammen fressen sich an den Hängen der türkischen Riviera durch Wälder und Büsche, schwarze Rauchschwaden verdunkeln den blauen Himmel.

Waldbrände
Trockene Böden und Hitzerekorde befördern verheerende Brände am Mittelmeer. In Athen erreichten die Feuer bereits die Vorstädte, die Hauptstadt liegt unter Rauch. Meteorologen machen wenig Hoffnung auf baldige Besserung. (c) Evgeny Dubinchuk - fotolia.com

An der Mittelmeerküste des Landes - eigentlich um die Jahreszeit Urlaubsparadies für einheimische wie ausländische Touristen - wüten seit Tagen verheerende Brände. Auch in Italien und Griechenland, wo auch die Hauptstadt Athen betroffen ist, hinterlassen Flammen ganze Landstriche verkohlt.

Die Feuerwehr in Griechenland spricht von einem Teufelskreis: Der Wind in der Brandregion im Norden Athens ließ am Mittwoch nach, so dass das Feuer weitgehend eingedämmt werden konnte. Dafür steckt die ganze Stadt jetzt unter einer gewaltigen Rauchglocke, die sich mangels Wind auch nicht verflüchtigt. Wer auf den Balkon tritt, merkt das sofort: Die Augen tränen, die Luft kratzt im Hals, das Atmen fällt schwer. Helfen würden nur frische Böen, doch die könnten das Feuer neu entflammen. Die vorläufige Ruhe ist momentan also nur das: vorläufig.

Mehr als 80 Häuser in der Region sind den Flammen bisher zum Opfer gefallen, seit der Brand am Dienstag seinen Lauf nahm. Einwohner hatten in Panik die betroffenen Gebiete verlassen. «Hinter uns ist die Hölle», rief ein Einwohner aus seinem Auto heraus Reportern vor Ort zu.

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sprach bei einem Besuch in der Region am Mittwochmorgen von einem «Alptraumbrand». Gleichzeitig herrscht große Erleichterung, weil der Brand nach jetzigem Stand keine Menschenleben gefordert hat. Die Bewohner der evakuierten Orte wurden vorerst auf Staatskosten in Hotels untergebracht, Mitsotakis versprach den Wiederaufbau der Häuser.

Feuer gab es auch auf der Halbinsel Peloponnes und den Urlaubsinseln Rhodos und Kos sowie auf der Insel Euböa. Insgesamt kämpfte die Feuerwehr in Griechenland gegen 40 größere Brände, wie der Zivilschutz am Dienstagabend mitgeteilt hatte. Landesweit sind ersten Schätzungen zufolge Hunderte Häuser verbrannt oder beschädigt worden.

Auch in Italien kämpfte die Feuerwehr weiter gegen Flammen. Die Einsatzkräfte sprachen von landesweit 530 Waldbrandeinsätzen am Dienstag. Mehr als die Hälfte davon gab es in Sizilien, Kalabrien und Apulien. Die Flammen loderten an Ständen, Ferienorten, in Wäldern und um Wohngebiete. Die Zivilschutzbehörde stufte die gesamte Insel Sizilien in die höchste Brandrisikostufe ein. Zudem sagte sie für Palermo und Catania Hitzewellen mit Temperaturen um 40 Grad Celsius voraus.

In der Türkei kam für acht Menschen jede Hilfe zu spät. Unter den Toten war auch ein deutsch-türkisches Ehepaar, wie türkische Medien berichteten. Der Mann und die Frau seien leblos auf einem Weg in der Nähe ihres Hauses in Manavgat in der Region Antalya gefunden worden. Der regierungsnahen türkischen Nachrichtenagentur Demirören Haber Ajansi (DHA) zufolge hatte das in Deutschland geborene Paar versucht, zu einem nahe gelegenen Brunnen zu fliehen.

Derart große Brände habe es in der Türkei seit mehr als zehn Jahren nicht gegeben, sagte Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität der Deutschen Presse-Agentur. 2008 habe es zuletzt Feuer ähnlicher Ausmaße gegeben. Das türkische Forstamt teilte am Mittwoch mit, acht Brände seien weiterhin nicht unter Kontrolle.

Die Feuer wüten seit Tagen an der bei Touristen beliebten Mittelmeerküste. Besonders betroffen sind die Regionen Antalya und Mugla. Etliche Menschen mussten vor den Bränden fliehen. In türkischen Fernsehsendern erzählten Betroffene von ihrer Flucht vor den Flammen. Landwirte der Region berichteten, sie hätten teilweise ihr Vieh dem Feuer überlassen müssen und all ihr Hab und Gut verloren.

«Die Wälder in der Mittelmeerregion werden von einer neuen Generation von Bränden heimgesucht», hieß es in einer Mitteilung des WWF. Die Umweltorganisation befürchtet, «dass im gesamten Mittelmeerraum in diesem Jahr erneut mehr als eine halbe Million Hektar Wald in Flammen aufgehen werden».

Die Türkei und Griechenland erfasst seit Tagen eine Hitzewelle mit Extremtemperaturen. Es herrschen teilweise über 40 Grad, «die Böden trocknen aus, es ist lang kein Niederschlag gefallen», sagte Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der Deutschen Presse-Agentur.

Auslöser für die Brände kann es viele geben. In Italien etwa haben Polizisten zwei Brandstifter auf Sizilien festgenommen. Die Carabinieri hätten die beiden Männer im Alter von 80 und 25 Jahren am Montag auf frischer Tat in der zentralen Provinz Enna ertappt, hieß es in einer Mitteilung. Demnach waren sie dabei, einen Brand im Gebiet des Gebirges Monti Nebrodi zu legen, einem bekannten Naturareal Siziliens, das teils unter Naturschutz steht.

In der Türkei befördern die Brände auch die politische Debatte. Von Beginn an wurde besonders in den sozialen Medien Kritik an der Ausstattung der Einsatzkräfte laut. Zu wenige Löschflugzeuge, zu wenig Vorbereitung auf derartige Krisen. Laut dem türkischen Luftfahrtverband verfügt die Türkei über 3 Löschflugzeuge und 17 Helikopter. Zum Vergleich: Griechenland verfügt über mehr als 40 Löschflugzeuge und 25 Hubschrauber.

Mit der großen Hitze steigt in den Ländern auch der Stromverbrauch. Das griechische Energieministerium rief alle Bürger auf, die Klimaanlagen nicht auf ganz niedrige Temperaturen zu stellen. In der Türkei fiel am Montag bereits in zahlreichen Orten des Landes der Strom aus, Grund sei der mit der Hitze stark gestiegene Verbrauch, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums für Energie und natürliche Ressourcen.

Niederschlag sei auch bis Ende der kommenden Woche in allen drei Ländern nicht in Sicht, hieß es vom DWD. Für die nächsten zehn Tage halte das trocken-heiße Wetter an. Die Brandgefahr werde angesichts der Dürre auch nach dem Ende dieser Hitzewelle enorm sein, warnten Meteorologen: Wenn Winde einsetzten, könne es zu verheerenden Feuern kommen.
dpa
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