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30.03.2014 | 13:05 | Marienkäfer 

Glückskäfer in Gefahr?

Stuttgart/Hohenheim - Nur wenige Insekten liegen in der Beliebtheitsskala so hoch wie der Marienkäfer. Während viele andere Sechsbeiner verscheucht oder zerquetscht werden, können die bunten Glücksboten meist mit einem herzlichen Willkommen rechnen.

Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata)
Doch seit einigen Jahren befürchten Naturschützer, dass der heimische Glückskäfer durch einen Neueinwanderer, dem ebenfalls sehr dekorativen Asiatischen Marienkäfer, verdrängt werden könnte.

Warum gilt der Marienkäfer als Glücksbringer?



In Deutschland gibt es etwa 80 Marienkäferarten, weltweit immerhin über 4.500. Der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata) ist bei uns am bekanntesten. Er galt früher als Himmelsbote der Mutter Gottes - daher der Name „Marienkäfer“. Die bunten Krabbeltiere sollten die Kinder beschützen und die Kranken heilen. Doch auch ihre Nützlichkeit in der Landwirtschaft dürfte wohl eine Rolle gespielt haben, dass sie von den Bauern als Geschenk der Maria betrachtet wurden.

Die Zahl Sieben gilt schon lange als mystische Zahl - sie kombiniert die irdischen vier Elemente mit der göttlichen Dreizahl. Nach einer anderen Vorstellung sollen sich die sieben Punkte auf den Flügeldecken des Käfers auf die sieben Tugenden der heiligen Maria beziehen.

Mit dem Alter des Käfers hat die Zahl der Punkte allerdings gar nichts zu tun. Sie ist für die Dauer seines ganzen Lebens gleich.

Wo kommt der Asiatische Marienkäfer her?



Anstelle des schmucken Siebenpunkts finden sich in den letzten Jahren immer mehr bunte Marienkäfer, die nicht nur rot, sondern oft auch schwarz oder gelb sind und meist mehr als sieben (0 bis 21, oft 19) Punkte auf ihren Flügeln tragen. Dieser Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), wegen seiner Farbenvielfalt auch Harlekin-Käfer genannt, unterscheidet sich zudem durch sein Halsschild, das bei ihm im Gegensatz zum Siebenpunkt eine schwarze W- bzw. M-förmige Zeichnung auf weißem Grund aufweist.

Der Asiatische Marienkäfer wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Blattläusen aus Fernost nach Süd-Frankreich eingeführt. Der Neubürger aus Ostasien ist bedeutend gefräßiger als sein heimischer Kollege, der nur rund 50 Blattläuse pro Tag vertilgt. Der Harlekin kann 90 bis 270 Läuse täglich verdrücken. Auch die Larven beider Arten zeigen einen unterschiedlichen Appetit: Während die Siebenpunkt-Larven im Laufe ihrer Entwicklungszeit etwa 400 Blattläuse verzehren, braucht Harmonia axyridis zwischen 600 und 1.200 Läuse, um seinen Hunger zu stillen.

Doch einmal aus dem Gewächshaus ausgebüxt, haben sich die Tiere vielerorts explosionsartig vermehrt und über weite Teile Europas ausgebreitet. Bald schon wurden Befürchtungen laut, dass die Invasoren die alteingesessenen Marienkäferarten verdrängen könnten. Zudem wurde gemutmaßt, dass sie im Weinbau Schäden anrichten würden.

Wie kam es zum Siegeszug des Asiatischen Marienkäfers?



Dass sich der Harlekin hier so rasch etablieren konnte, ist nicht nur auf seinen enormen Appetit zurückzuführen. Seine Vermehrungsrate des Asiatischen Marienkäfers liegt erheblich über der seiner heimischen Verwandten. Die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum adulten Tier hängt bei beiden Arten stark von der Außentemperatur ab. Beim Siebenpunkt beträgt sie zwischen 30 und 60 Tagen und er hat meist zwei Generationen pro Jahr. Beim Asiatischen Marienkäfer ist die Gesamtentwicklungsdauer in der Regel kürzer, er kann daher bis zu drei Generationen jährlich hervorbringen. Die Lebenserwartung der heimischen Art liegt bei rund zwölf Monaten, der Neueinwanderer kann hingegen auch zwei bis drei Jahre alt werden.

Der Harlekin-Käfer verfügt zudem über ein äußerst robustes Immunsystem. Seine Körperflüssigkeit enthält einen stark antibiotischen Wirkstoff, das Harmonin, sowie antimikrobiell wirkende Peptide, die ihn weitgehend unempfindlich gegenüber Krankheitserregern machen. Harmonin wirkt sogar gegen die Erreger von Tuberkulose und Malaria, weshalb es als mögliches neues Medikament ins Visier der Wissenschaftler geraten ist.

Außer diesem Abwehrmechanismus haben Forscher der Universität Gießen und des Jenaer Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie letztes Jahr aber auch noch einen weiteren Erfolgsfaktor des Asiatischen Marienkäfers entdeckt: Im Körper des Tieres finden sich bestimmte pilzliche Einzeller. Diese sogenannten Mikrosporidien können Körperzellen parasitieren und damit ihren Wirt massiv schädigen.

Der Neobiont selbst scheint offenbar eine Resistenz gegen diese Parasiten zu besitzen. Wenn aber ein heimischer Marienkäfer die Eier und Larven der fernöstlichen Konkurrenz frisst, kann er sich mit dem Erreger infizieren, was dann für den Käfer tödlich endet.

Asiatischer MarienkäferBild vergrößern
Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis) (c) proplanta
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