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18.06.2020 | 15:57 | Trockenheit 

Grundwasser in NRW wird knapp - Einstellen auf Wasserkrise

Hannover - Es ist wie ein Bankkonto, von dem unterm Strich mehr abgehoben als eingezahlt wird: Die Grundwasserreserven in Niedersachsen werden angesichts der trockenen Sommer 2018 und 2019 immer knapper.

Wassermangel
In der Wahrnehmung vieler Niedersachsen gab es eines in Norddeutschland im Überfluss: Wasser war immer da, in den Bächen, den Flüssen, den Mooren - und den Böden. Schon seit 20 Jahren ändert sich das, inzwischen unverkennbar. Die Lage ist ernst - für alle. (c) proplanta

Auch für dieses Jahr erwarten die Experten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) laut einem am Mittwoch präsentierten Sonderbericht eine ähnlich angespannte Lage wie im Vorjahr.

«Der Klimawandel ist angekommen in Niedersachsen», kommentierte Umweltminister Olaf Lies (SPD) das Experten-Gutachten.

Wie ist die Situation?

Der NLWKN verfügt über ein Netz von 1.430 Messstellen, die Daten von 1.354 davon wurden ausgewertet. Im «hydrologischen Jahr» 2019 (November bis Oktober) hat sich der Grundwasserstand im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich verschlechtert: An zwei von drei Messstellen waren die Grundwasserstände niedriger als 2018, obwohl die Trockenheit weniger extrem war.

Und auch, wenn der Winter 2019/20 relativ niederschlagsreich war, ist der Grundwasserstand in vielen Regionen Niedersachsens aus Expertensicht auch in diesem Jahr angespannt. Sorgen macht vor allem Ostniedersachsen. Relativ gut stehen hingegen die Niederungs- und Küstenregionen da.

Was sind die Folgen?

Ernteausfälle, vertrocknete Felder, Probleme mit der Wasserversorgung, extrem tiefe Wasserstände bis hin zum Trockenfallen und in den Wäldern das Absterben ganzer Baumarten. Bäume werden im Trockenstress durch Käfer zusätzlich geschädigt. Selbst den alten Laubbäumen fehlt mittlerweile der Anschluss an die tieferen Wasserschichten in den Böden. Waldbauern denken über eine völlig neue Baumartenwahl nach, da hiesige Waldbestände mit dem Klima kaum mehr zurechtkommen.

Die immer knapper werdende Ressource Wasser sorge für Interessenkonflikte, heißt es vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Die Ziele der öffentlichen Trinkwasserversorgung könnten nicht nur mit den Interessen von Anrainern und Landwirten, sondern auch mit den Zielen des Naturschutzes kollidieren, sagt der VKU-Vizepräsident und Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes OOWV, Karsten Specht.

Was heißt das für die Bürger?

Tatsächlich bemerken erste Bürger die gesunkenen Grundwasserstände schon am Tröpfeln aus dem Wasserhahn. In den vergangenen beiden Sommern gab es in einzelnen Orten Probleme, jeden Haushalt zu Stoßzeiten sicher mit Wasser zu versorgen. Grund ist aber nicht die Knappheit des Trinkwassers, sondern die hohe Nachfrage.

«Eine wesentliche Rolle für Rekordabgaben spielen die Gartenbewässerung und die Befüllung von größeren Pools mit Leitungswasser», sagt OOWV-Sprecher Gunnar Meister. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrage in seinem Verbandsgebiet im Durchschnitt 115 Liter pro Tag.

«Ein Rasensprenger verteilt dagegen in einer Stunde bis zu 800 Liter», sagt Meister. Das bringe die Versorgungsinfrastruktur an ihre Grenzen. Sperrungen von Schwimmbädern oder Badeseen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen könnten den Verbrauch weiter steigen lassen, wenn die Menschen im eigenen Planschbecken Erfrischung suchen.

Was heißt das für die Landwirtschaft und die Industrie?

Gerade auch die Landwirte seien besorgt über die sinkenden Grundwasserstände, sagt Landvolk-Sprecherin Gabi von der Brelie. Wichtig sei es, unter anderem die Winterniederschläge optimal für die Grundwasserneubildung zu nutzen, indem Abflüsse an der Oberfläche vermieden werden.

Die Gesellschaft insgesamt müsse ihre Wassernutzung überdenken, beispielsweise die Flächenversiegelung wieder zurückfahren oder Brauchwasser einsetzen, wenn es möglich sei. «Die Trinkwasserversorgung genießt eindeutig Priorität», betont von der Brelie. Sie sagt aber auch: «Landwirtschaft «nutzt» Wasser und verbraucht es nicht, es wird zur Nahrungsmittelerzeugung eingesetzt.»

Welche Strategie hat das Land?

Umweltminister Lies will Konzepte für ein umfassendes Wassermanagement in ganz Niedersachsen erarbeiten lassen - fast drei Millionen Euro stehen dafür im Haushalt bereit. Notwendig seien neue Infrastrukturen zur Wasserrückhaltung, zur Grundwasseranhebung, Brauchwassernutzung und Wassereinsparung - von Speicherbecken und Zisternen, wassersparender Beregnungstechnik in der Landwirtschaft bis zur intelligenten Steuerung von Entwässerung.

Niemand habe noch bis vor Kurzem mit solch dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt gerechnet, sagt Lies: «Viele dachten, nach zwei schlechten Jahren wird's wieder besser. Falsch.»

Was sagen Opposition und Umweltschützer?

Die Grünen-Umweltpolitikerin Imke Byl kritisiert, dass das Land im vergangenen Jahr die Wasserkontingente der Bauern zur Beregnung, die normalerweise für 10 Jahre gelten, wegen der Trockenheit auf 15 Jahre verlängert hatte. Sie weist auch auf die vielerorts im Land hohe Nitratbelastung des Grundwassers hin. Es brauche daher eine «grundlegende Neuausrichtung» der Wasserpolitik, die den Schutz der Ökosysteme in den Mittelpunkt stelle. Auch die Naturschützer des BUND fordern ein Umdenken.

Die Entwicklung gesunder, naturnaher Gewässer müsse Priorität haben. Ein nachhaltiges Wassermanagement in der Landwirtschaft sei dafür unerlässlich. «Die zunehmende Knappheit an Wasserressourcen, sinkende Grundwasserstände, die Erwärmung und der schlechte Zustand der Flüsse und Seen sind Folge des Umgangs mit unseren Gewässern», sagt Landesgeschäftsführerin Susanne Gerstner.
dpa/lni
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