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01.08.2016 | 07:52 | Wetterrückblick Juli 2016 

Juli in Österreich war wechselhaft - warm und nass

Wien - Vorläufige Monatsbilanz der ZAMG: Einer der 15 wärmsten Juli-Monate der rund 250-jährigen Messgeschichte (1,2 °C über dem Mittel). Österreichweit gesehen 25 Prozent mehr Regen als in einem durchschnittlichen Juli.

Wetter im Juli 2016
(c) proplanta

Sonnenscheindauer mit plus zwei Prozent knapp über dem vieljährigen Mittel.

Der bisherige Verlauf des Sommers 2016 wird von vielen Menschen sehr unterschiedlich empfunden. Die subjektiven Eindrücke reichen von „ziemlich verregnet" bis „eigentlich ganz gut".

Alexander Orlik, Klimatologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), erklärt diese vermeintlichen Widersprüche an Hand einer ersten Julibilanz: „Einerseits haben wir einen der 15 wärmsten Sommer der rund 250-jährigen Messgeschichte erlebt. Er lag um 1,2 °C über einem durchschnittlichen Juli der Vergleichsperiode 1981 bis 2010. Vielen Menschen sind aber sicher die noch extremeren Ausreißer der jüngsten Vergangenheit im Gedächtnis, wie zum Beispiel mit 2015 der wärmste und mit 2013 der drittwärmste Juli der Messgeschichte."

Stellenweise mehr als doppelt so viel Regen wie im Mittel



In den letzten Jahren brachten viele Juli-Monate auch relativ trockenes Wetter. Das war im Juli 2016 deutlich anders, sagt Klimatologe Orlik: „In der österreichweiten Auswertung brachte dieser Juli 25 Prozent mehr Regen als im vieljährigen Mittel. In einigen Regionen gab es sogar mehr als doppelt so viel Regen wie im Mittel, wie im niederösterreichischen Donauraum mit plus 130 Prozent mehr Niederschlag."

Viel Regen in kurzer Zeit



Beachtlich sind im Juli 2016 auch die großen Regenmengen in kurzer Zeit, die häufig zu Überschwemmungen und Muren geführt haben. „An 114 der rund 270 Wetterstationen der ZAMG gab es in diesem Juli zumindest ein Mal über 40 Millimeter Regen in 24 Stunden. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Regenmenge in einem gesamten Juli liegt im österreichweiten Mittel bei rund 130 Millimeter."

Tornado im Waldviertel



Am späten Abend des 21. Juli 2016 streifte eine heftige Gewitterzelle in Tschechien das nördliche Waldviertel und brachte starken Hagel, Sturmböen und einen kurzen aber heftigen Tornado. Das Schadensbild im Raum Karlstein an der Thaya (NÖ) lässt auf einen Tornado mit Windspitzen bis 220 km/h schließen. Er zog zog rund zehn Kilometer weit. Eine private Wetterstation in der Region registrierte Orkanböen bis 170 km/h bevor sie zerstört wurde.

Relativ wenige Blitze



Trotz einiger heftiger Gewitter und Unwetter brachte der Juli 2016 insgesamt relativ wenige Blitze. 42.339 Mal schlug bisher in diesem Juli ein Blitz in Österreich ein. Das ist in der 25-jährigen Messgeschichte des österreichischen Blitzortungssystems ALDIS nur Rang 16. Zum Vergleich: Der Juli im Vorjahr (2015) brachte 69.806 Blitzeinschläge in Österreich. Der Juli-Rekord stammt aus dem Juli 2006 mit 113.766 Wolke-Erde-Blitzen.

„Die kleinräumigen Unwetter, wie in diesem Juli, wirken sich in der österreichweiten Blitzstatistik nicht so stark aus", sagt Wolfgang Diendorfer, Leiter von ALDIS, „für große Blitzzahlen sind vor allem Kaltfronten verantwortlich, die mehrere hundert Kilometer lang sind und ganz Österreich überqueren. Derartige Gewitterfronten gab es heuer nur wenige. Daher ist 2016 auch insgesamt bisher ein sehr blitzarmes Jahr.

Von Jänner bis Juli 2016 schlug bisher 79.998 Mal in Österreich ein Blitz ein. In den 25-Messjahren von ALDIS gab es in diesem Zeitraum erst sieben Mal weniger Blitzeinschläge." (Hinweis: alle Blitzdaten mit Stand 29.7.2016, 11 Uhr)

Der Juli 2016 im Detail

Temperatur



Verglichen mit dem Vorjahr war der Juli 2016 im Mittel um 1,9 °C kühler. Und dennoch zählt dieser Juli mit einer Abweichung von +1,2 °C zum klimatologischen Mittel zu einem der fünfzehn wärmsten der österreichischen Messgeschichte. Denn abgesehen von einem massiven Kaltlufteinbruch um die Monatsmitte, lag die Lufttemperatur weitgehend über den Normalwerten.

Die Temperaturabweichungen von +0,5 bis +1,5 °C verteilen sich relativ gleichmäßig über das Bundesgebiet. Nur von Unterkärnten bis in das Südburgenland sowie vom Waldviertel bis zu den Ennstaler Alpen waren die Abweichungen mit +1,5 bis +2,3 °C noch etwas höher. Die relativ kühlste Region war in diesem Juli das Obere Inntal mit Abweichungen von +0,3 bis +0,5 °C.

Die höchsten Temperaturen traten verbreitet am 11. Juli 2016 auf. An insgesamt 194 Wetterstationen wurde an diesem Tag das jeweilige Monatsmaximum erreicht. In Krems stieg die Lufttemperatur mit 36 °C auf den Monats- bzw. momentanen Jahreshöchstwert.

Niederschlag



Im Gesamten betrachtet war der Juli 2016 ein niederschlagreicher Monat. Verteilt über Österreich fiel um 25 Prozent mehr Niederschlag als in einem durchschnittlichen Juli. Solche Niederschlagsmengen kommen in einem Juli häufig vor. Regional gab es aber doch erhebliche Unterschiede. So lagen die Niederschlagsmengen in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, in Teilen Kärntens und der Steiermark nahe am klimatologischen Mittel. In Oberkärnten sowie in den Landesteilen nördlich der Mur bzw. Mürz fiel verbreitet um 25 bis 75 Prozent mehr Regen. Im niederösterreichischen Donauraum summierte sich um 75 bis 130 Prozent mehr Niederschlag.

Im Mittel fielen diese Regenmengen innerhalb von 15 Tagen. Jedoch gab es auch hier regionale Unterschiede. Vor allem entlang und nördlich des Alpenhauptkammes von Salzburg bis zum Wechselgebiet fiel an 17 bis 23 Tagen zumindest 0,1 mm oder mehr Niederschlag. Aber auch an den Orten mit den wenigsten Niederschlagstagen regnete es zumindest an 9 Tagen.

Durch die vielen Gewitter summierten sich auch beträchtliche Regenmengen in kurzer Zeit. An insgesamt 114 der rund 270 ZAMG-Wetterstationen wurde im Juli zumindest einmal binnen 24 Stunden eine Niederschlagsmenge von mehr als 40 mm gemessen. In Bad Zell (O, 554 m) fiel in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli binnen 12 Stunden 132 mm Regen, 128 mm alleine innerhalb von nur 3,5 Stunden.

Sonne



Obwohl der Juli 2016 relativ niederschlagsreich ausfiel, schien in nahezu allen Regionen die Sonne entsprechend den klimatologischen Mittelwerten. In Vorarlberg und im nördlichen Weinviertel gab es mit 10 Prozent mehr Sonne als im Mittel sogar einen leichten Überschuss. Das Salzkammergut und der Flachgau waren mit einem Defizit von 10 bis 25 Prozent die relativ sonnenärmsten Regionen Österreichs.

Juli 2016: Übersicht Bundesländer

(Stand bis 28.7.16)

Vorarlberg

Niederschlagsabweichung: 8 %
Temperaturabweichung: +1.0 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 14 %
Temperaturhöchstwert: Laterns (1.559 m) 35.3 °C am 20.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Lech (1.442 m) 0.8 °C am 14.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Schoppernau (839 m) 3.7 °C am 16.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Rohrspitz (395 m) 20.8 °C, Abw. k.A.
höchste Sonnenscheindauer: Rohrspitz (395 m) 257 h, Abw. k.A.

Tirol

Niederschlagsabweichung: 9 %
Temperaturabweichung: +0.8 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: -3 %
Temperaturhöchstwert: Imst (773 m) 34.1 °C am 10.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Brunnenkogel (3.437 m) -10.9 °C am 16.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Ehrwald (982 m) 5.6 °C am 17.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Innsbruck-Uni. (578 m) 19.8 °C, Abw. +0.6 °C
höchste Sonnenscheindauer: Lienz (661 m) 226 h, Abw. -8 %

Salzburg

Niederschlagsabweichung: 9 %
Temperaturabweichung: +1.0 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: -7 %
Temperaturhöchstwert: Bischofshofen (550 m) 34.4 °C am 10.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Sonnblick (3.109 m) -5.4 °C am 16.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Saalbach (975 m) 6.2 °C am 14.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Salzburg/Freis. (418 m) 19.8 °C, Abw. +0.7 °C
höchste Sonnenscheindauer: Mattsee (502 m) 191 h, Abw. -21 %

Oberösterreich

Niederschlagsabweichung: 36 %
Temperaturabweichung: +1.2 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 0 %
Temperaturhöchstwert: Schärding (307 m) 34.3 °C am 11.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Feuerkogel (1.618 m) 3.0 °C am 14.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Freistadt (539 m) 6.8 °C am 7.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Linz (262 m) 21.1 °C, Abw. +1.2 °C
höchste Sonnenscheindauer: Enns (317 m) 240 h, Abw. k.A.

Niederösterreich

Niederschlagsabweichung: 53 %
Temperaturabweichung: +1.4 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 9 %
Temperaturhöchstwert: Krems (203 m) 36.0 °C am 11.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Rax/Seilbahn (1.547 m) 3.8 °C am 16.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Zwettl (502 m) 6.5 °C am 7.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Gumpoldskirchen (219 m) 22.1 °C, Abw. +1.3 °C
höchste Sonnenscheindauer: Brunn (291 m) 269 h, Abw. k.A.

Wien

Niederschlagsabweichung: 67 %
Temperaturabweichung: +1.1 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 2 %
Temperaturhöchstwert: Donaufeld (160 m) 34.8 °C am 11.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Wien-Jubiläumsw. (450 m) 10.0 °C am 15.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Wien-Mariabrunn (225 m) 9.2 °C am 7.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Wien-Innere Stadt (177 m) 23.1 °C, Abw. +1.0 °C
höchste Sonnenscheindauer: Wien-Stammersd. (191 m) 261 h, Abw. k.A.

Burgenland

Niederschlagsabweichung: 33 %
Temperaturabweichung: +1.4 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 3 %
Temperaturhöchstwert: Eisenstadt (184 m) 34.7 °C am 11.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Kleinzicken (265 m) 9.0 °C am 4.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Andau (118 m) 23.0 °C, Abw. +1.5 °C
höchste Sonnenscheindauer: Eisenstadt (184 m) 270 h, Abw. -1 %

Steiermark

Niederschlagsabweichung: 24 %
Temperaturabweichung: +1.3 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 2 %
Temperaturhöchstwert: B. Radkersburg (207 m) 33.3 °C am 11.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Schöckl (1.443 m) 4.5 °C am 14.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Seckau (872 m) 5.6 °C am 15.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: B. Radkersburg (207 m) 22.3 °C, Abw. +2.3 °C
höchste Sonnenscheindauer: B. Radkersburg (207 m) 262 h, Abw. +1 %

Kärnten

Niederschlagsabweichung: 25 %
Temperaturabweichung: +1.3 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 5 %
Temperaturhöchstwert: Pörtschach (450 m) 33.8 °C am 11.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Villacher Alpe (2.117 m) 0.6 °C am 15.7.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Weitensfeld (704 m) 4.7 °C am 15.7.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Pörtschach (450 m) 21.4 °C, Abw. +1.6 °C
höchste Sonnenscheindauer: Feldkirchen (546 m) 248 h, Abw. k.A.

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