Mittwoch, 22.09.2021 | 13:01:41
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
10.01.2015 | 14:15 | Neobionten 
 2

Mehr und weniger willkommene Natur-Neulinge in Sachsen

Leipzig - Sachsens Wälder und Wiesen sind in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden. Dazu haben auch einst ausgerottete Tiere beigetragen, die sich wieder angesiedelt haben.

Riesenbärenklau
Manche ausgerotteten Tierarten kehren nach Sachsen zurück. Trotz Problemen mit ihnen haben sie ein historisches «Bleiberecht». Zugewanderte und eingeschleppte Neulinge können dagegen der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt gehörig zusetzen. (c) proplanta

So gibt es den Wolf und auch der Uhu findet Brutstätten, wie der Naturschutzbund (Nabu) beobachtet. Daneben breiten sich aber Tiere und Pflanzen aus, die hierzulande nie heimisch waren, wie etwa Marderhund und Nutria, Riesenbärenklau und Ambrosia. Die Konsequenzen sind nicht immer willkommen - im Gegenteil.

Aktuell sind in Sachsen nach Angaben des Kontaktbüros der Wolfsregion Lausitz zwölf Wolfsfamilien oder -paare nachgewiesen. Davon haben zehn ihr Territorium überwiegend im Freistaat. Das sogenannte Spremberger Rudel sei grenzübergreifend auch in Brandenburg unterwegs, das Hohwald-Rudel in der Tschechischen Republik, wissen die Spezialisten.

Das Rudel in der Annaburger Heide wiederum habe sein Territorium überwiegend in Sachsen-Anhalt und werde deshalb dort gezählt. Doch auch jenseits der bekannten Wolfsgebiete wurde Isegrim in den Landkreisen Zwickau und Nordsachsen gesichtet.

Nicht unumstritten ist die Wiederansiedlung der Raubtiere unter den Tierhaltern in Sachsen. Tatsächlich sind 2014 in 47 Fällen, in denen Schafen oder Ziegen gerissen wurden, Wölfe als Verursacher nachgewiesen worden oder konnten zumindest nicht als solche ausgeschlossen werden. In diesen Fällen wurden laut Kontaktbüro 86 Nutztiere getötet oder als vermisst gemeldet und 6 Schafe verletzt.

Galten Uhus nach 1918 in Sachsen als ausgestorben, so hat sich ihr Bestand mittlerweile deutlich erholt. «Seit den 1970er Jahren steigt die Zahl der Brutpaare langsam wieder an», berichtete Ina Ebert vom Nabu Sachsen. Hochrechnungen zufolge dürften derzeit 70 bis 100 Brutpaare im Land leben. Ansässig sind die scheuen und großen Eulen vor allem im Erzgebirge und in der Sächsischen Schweiz.

Ebenfalls wieder heimisch geworden ist der Lachs. 1994 war ein Programm zur Wiederansiedlung des Edelfisches ins Leben gerufen und dafür Wildlachseier aus Schweden geholt worden. Seitdem werden jedes Jahr Tausende Junglachse in den Nebenflüssen der Elbe ausgesetzt. Sie bleiben eine Zeit lang in der Region und wandern dann über Elbe und Nordsee in den Atlantik, bevor sie nach etwa drei Jahren zum Laichen zurückkehren.

Die ersten Rückkehrer der Saison wurden Anfang November registriert: Im Lachsbach bei Bad Schandau wurde ein Lachs-Weibchen von 80 Zentimetern Länge und 3.842 Gramm Gewicht kurzzeitig festgehalten.

Sind die Rückkehrer meistens durchaus willkommen, so machen manche Neuankömmlinge, die eine Studie der TU Dresden untersuchte, eher Ärger. Häufig aus Pelzzuchten entkommene oder freigelassene Waschbären werden bis in die Städte hinein zur Plage, wenn sie zum Beispiel Mülltonnen nach Nahrung durchsuchen. Nutrias - auch bekannt als Biberratten oder Sumpfbiber - können schwere Schäden an Deichanlagen anrichten.

Breit gemacht hat sich auch der ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau, der mehr als zweieinhalb Meter hoch werden kann. Er verdrängt andere Pflanzen und sein Pflanzensaft kann auf der Haut von Menschen Verbrennungen dritten Grades auslösen.

Aus Nordamerika eingeschleppt, kann die Ambrosia bei Allergikern schwere Reaktionen hervorrufen. Und oft ist es der Mensch selbst, der dem Kraut den Weg ebnet: Ohne es zu ahnen, streut er es selbst aus - mit verunreinigtem Vogelfutter.

Verlierer und Gewinner im Tierreich in Thüringen



Dutzende Tierarten wie Rebhuhn, Feldhamster, Feldlärche oder Edelkrebs sind in Thüringen stark bedroht. Dass Schutzmaßnahmen helfen können, zeigt die Wiederansiedlung von Wildkatze, Biber oder Otter. Doch auch nicht willkommene Arten wie der Waschbär oder aus Amerika eingeschleppte Krebsarten zählen zu den Gewinnern.

Besonders gute Nachrichten gab es zum Jahresbeginn von der Wildkatze: In einer aktuellen Erhebung wurden allein in der Rhön 200 Exemplare gezählt. «Eines der zentralen Probleme ist die stetige Intensivierung des Ackerbaus», sagt Mike Jessat, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Thüringen.

Auch bei der Wiederansiedlung des streng geschützten Wolfs ist Thüringen einen wichtigen Schritt vorangekommen. Die voriges Frühjahr erstmals auf einem Truppenübungsplatz in Ohrdruf bei Gotha gesichtete Wölfin sei nicht weitergezogen, teilte der Wolf-Experte des Nabu Thüringen, Silvester Tamás, am Freitag mit. Das habe anhand neuer Kotproben sowie eines Videos belegt werden können. «Wir gehen davon aus, dass die junge Wölfin vorerst in Thüringen bleibt», sagte Tamás. Sie sei nun das erste und bisher einzige Tier, dass sich auf natürliche Weise hierzulande wieder angesiedelt habe.

Untersuchungen hatten ergeben, dass das Jungtier einem Rudel in der Lausitz entstammt und über die Region Zwickau nach Thüringen gewandert ist. Nun hat es offensichtlich an dem Truppenübungsplatz einen Rückzugsraum gefunden. Laut Tamás kommt es darauf an, dass es dort möglichst ungestört bleibt.

Bis sich der erste Nachwuchs einstellt, wird es nach Einschätzung des Experten aber noch etwas dauern. Zunächst werde die Wölfin wohl noch allein bleiben. Da Wölfe weite Strecken wandern, sei es aber sehr wahrscheinlich, dass sich eines Tages auch noch ein männliches Tier zu ihr gesellen werde. Erst in zwei bis fünf Jahren könnte sich um diese «Pionier-Wölfin» ein Rudel bilden, wie Tamás erläuterte.

Waschbären überschwemmen Berlin



Waschbären haben sich in Berlin im vergangenen Jahr weiter vermehrt. Mittlerweile gebe es bis zu 800 Exemplare in der Stadt, sagte ein Sprecher der Berliner Forsten der Deutschen Presse-Agentur. Von Krankheiten wie der Staupe im Sommer 2013 hätten sich die Tiere gut erholt. Waschbären ernähren sich oft von Müll und sind vor allem in Spandau, Reinickendorf, Marzahn und Treptow-Köpenick zu Hause.

Vögel wie Dohlen und Saatkrähen würden dagegen in Berlin seltener: Eine Ursache könnte die Bebauung von Freiflächen und das dadurch veränderte Nahrungsangebot sein, sagte Nabu-Artenschutzreferent Jens Scharon. (dpa)
Kommentieren Kommentare lesen ( 2 )
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


Kommentare 
Tierfreundin schrieb am 12.02.2015 15:56 Uhrzustimmen(102) widersprechen(92)
Ja vielleicht hatten Romeo und Julia in Biologie nicht aufgepasst? "Die Lerche war`s und nicht die Nachtigall" ... die in den Lärchenzweigen sang :)
Vulpes Vulpes 1.0 schrieb am 11.01.2015 18:08 Uhrzustimmen(115) widersprechen(84)
Feldlärche eine neue Baumart ????
  Weitere Artikel zum Thema

Neuer Wolfs-Managementplan für Mecklenburg-Vorpommern: Keine aktive Jagd

Schutz vor Wölfen: Tierhalter in MV erhalten bald Betriebskostenzuschuss

SPD und CDU streiten um Bejagung von Wölfen

Klöckner für regionale Bejagung von Wölfen

Mecklenburg-Vorpommern: CDU-Landesvorsitzender fordert Regelung für Wolfsjagd

  Kommentierte Artikel

Schweinehalter in Existenzkrise

Mühlen suchen verzweifelt nach Hartweizen

Agrarminister fordert Aberkennung der Gemeinnützigkeit für Peta

Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft beklagt Kostendruck

2.000 Quadratmeter zum (Über-)Leben?

Zuckerrüben: Zuckerwirtschaft geht von guter Entwicklung aus

Getreideaufkommen auf 42,1 Millionen Tonnen veranschlagt

Mehr Starkregen: Vor allem Städte müssen umdenken

Nur unterdurchschnittliche Getreidernte in Baden-Württemberg 2021

Schwankungen und Starkregen: Schwächere Ernte 2021

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt