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18.04.2017 | 09:02 | Vom Waldsterben zum Atomausstieg 
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Naturschützer Hubert Weiger feiert 70. Geburtstag

München - Er hat den Begriff Waldsterben mitgeprägt, und er war Deutschlands erster Zivi im Umweltschutz.

Naturschutz
Er ist einer der prominentesten Naturschützer Deutschlands: Hubert Weiger, langjähriger Chef und Mitbegründer des Umweltverbandes BUND, gehört zu den Pionieren der ersten Stunde. Jetzt wird er 70 Jahre alt - und hat sich noch einmal weitreichende Ziele gesteckt. (c) proplanta

Vor fast einem halben Jahrhundert begann Hubert Weiger Anfang der 1970er Jahre in Nordbayern als Zivildienstleistender beim damals noch kleinen Bund Naturschutz in Bayern (BN).

Seit nunmehr 15 Jahren ist er dessen Vorsitzender, seit zehn Jahren führt er auch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), den er vor gut 40 Jahren mitbegründete. Der promovierte Forstwirt hat sein Leben dem Naturschutz verschrieben. Am 21. April wird er 70 Jahre alt.

Mancher hatte erwartet, Weiger werde sich von der Spitze der inzwischen mächtigen Verbände nun langsam zurückziehen. Doch im vergangenen Jahr ließ er sich wieder im Amt bestätigen. Weiger hat in der Politik inzwischen eine unüberhörbare Stimme - und die will er zu den anstehenden Wahlen noch einmal einsetzen.

Es gehe jetzt darum, «die Energiewende zu retten» - und den Ausstieg aus fossiler Energie und Atomkraft samt Ausbau erneuerbarer Energien zu meistern, sagt er. Für Bayern hat der Forstwirt zudem ein Herzensziel: Die Ausweisung des Steigerwalds mit seinen uralten Buchenbeständen als Nationalpark. Momentan sieht es dafür nicht gut aus. Aber: «Wir werden nicht aufgeben, bis wir den Nationalpark Steigerwald haben.»

Als Weiger sein Forstwirtschaftsstudium begann, gab es kein Umweltministerium, und Naturschutz interessierte nur einige Wenige. Dabei war der Wald schwer geschädigt, Waldgebiete und Wiesen wurden betoniert und asphaltiert.

Zum Schutz des Nürnberger Reichswaldes initiierte Weiger, unterstützt von seiner Frau, 1973 das erste Waldfest. Fast 10.000 Menschen kamen - die Nürnberger waren mobilisiert. 1980 wurde der Reichswald als erster Bannwald ausgewiesen und so dem Zugriff für Baumaßnahmen weitgehend entzogen. Das damals erlassene Bayerische Waldgesetz sei bis heute das weitreichendste in Deutschland, sagt Weiger.

1981 organisierte Weiger, der zeitweise eine Professur in Kassel hatte und als Dozent an der Uni München arbeitete, gemeinsam mit dem Forstbotaniker Peter Schütt die allererste Pressefahrt in einen kranken Wald - der Begriff Waldsterben wurde geprägt. Das Bewusstsein wuchs. Kraftwerke wurden umgebaut und Emissionen herausgefiltert.

Der Wald hat sich inzwischen erholt. Die Themen sind vielfältiger geworden, komplexer - und kontroverser: Bei der Frage, wie Umweltschutz mit Landschaftsschutz beim Bau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen in Einklang gebracht werden kann, geraten sich auch Naturschützer in die Haare.

Wütend verließ etwa das BUND-Gründungsmitglied Enoch zu Guttenberg, Vater des Ex-Verteidigungsministers, 2012 den Verband - mit dem Vorwurf, der unterstütze die Zerstörung der deutschen Landschaftsschutzgebiete und Naturparks. «Das macht natürlich betroffen», sagt Weiger heute noch.

Dennoch sei der Weg richtig. «Ich kann Windkraftanlagen nun mal nicht verstecken. Aber ich kann sie vernünftig planen.» Die Bürger müssten an der Energiewende beteiligt werden, etwa über Energiegenossenschaften, «damit sie auch Vorteile davon haben».

Die Betroffenen einbeziehen: «Die Grunderfahrung meines Lebens ist, wenn wir als Naturschützer etwas bewirken wollen, müssen wir vor Ort sein», sagt Weiger. «Wir müssen unser Anliegen darlegen, uns der Kritik stellen und Gegenargumente ernst nehmen.»

Gelernt habe er das beim Rhein-Main-Donau-Kanal, der fertig gebaut wurde - für Weiger die größte Schlappe seiner Laufbahn. Den Kampf für eine freifließende Donau zwischen Straubing und Vilshofen konnten Naturschützer dann als Erfolg verbuchen. 2013 entschied die Staatsregierung gegen eine Staustufenkanalisierung.

2020 endet seine derzeitige Amtszeit als Chef von BN und BUND. Seine Ziele allerdings reichen weiter: «Meine Vision ist, dass wir 2050 nachhaltig leben, das heißt, dass wir nur noch Produkte haben, die sich in den Kreislauf der Natur zurückführen lassen.» Es gehe um den Weg «von eine Raubbauwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft».
dpa
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Kommentare 
cource schrieb am 18.04.2017 09:14 Uhrzustimmen(16) widersprechen(13)
ein forstwirt/volkswirtschaftler kann nicht wie ein naturschützer denken/handeln, denn er wird immer die ziele der volkswirtschaft gegenüber den naturschutzzielen abwägen, deshalb hat man ihn ja auch auf dem einflußreichen posten sitzen gelassen und er wird dafür gut bezahlt, dass er den widerspruch in seinem naturschutzherzen aushält
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