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16.09.2021 | 12:17 | Pilzsaison 

Neue Pilzart in Brandenburg

Drebau - Er steht in Kiefernwäldern und kann leicht mit der Marone oder dem Steinpilz verwechselt werden: In Deutschland breitet sich eine neue Pilzart immer mehr aus, vor allem im Süden Brandenburgs.

Pilze sammeln
Pilzsuchende könnten in dieser Saison mehr Glück haben. Nach den vergangenen drei trockenen Jahren lassen sich in Brandenburger Wäldern schmackhafte Arten finden. Auch ein neuer Pilz ist dabei. (c) proplanta

Die «Falsche Rotkappe» - den Namen hat ihr der Erstfinder gegeben - sei aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt worden, berichtet Lutz Helbig vom Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen. Auf welchem Wege, sei nicht bekannt.

Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie kartiert Helbig ehrenamtlich Pilze und sorgt für deren Erfassung mit genauen Standorten. Momentan kann man diese Art an bestimmten Stellen auf hektargroßen Flächen im Wald finden, weiß er.

Helbig hat deshalb als Pilzberater momentan viel zu tun, um wissbegierigen Pilzsammlern den Unterschied zwischen der «falschen» und der «echten» Rotkappe zu erklären. Die neue Art aus Nordamerika falle durch einen massigen Fruchtkörper und eine längsrippige Musterung des Stiels auf, die der Sammler fühlen könne, erklärt er. Junge Exemplare werden erst semmelgelb, die größeren haben dann eine kräftige rotbraune Kappe.

Das feste Fleisch dürfte ihn als Speisepilz interessant machen, sagt Helbig, der den Pilz als schmackhaft beschreibt. Der Stiel werde allerdings leicht zäh. Bei der Speisepilzbewertung sei er noch vorsichtig, der Pilz sei aber essbar. «Wir wissen aber noch nicht genau, ob es Unverträglichkeiten gibt wie beispielsweise beim Butterpilz». Deshalb sollte man zunächst kleine Mengen probieren, rät er. In der deutschen Pilzliteratur ist die «Falsche Rotkappe» als Speisepilz allerdings noch nicht zu finden, dafür sei sie zu neu. Wahrscheinlich werde er in neuen Auflagen von Pilzbüchern zu finden sein.

Nachdem die Art im Jahr 2007 das erste Mal im Baltikum gefunden wurde, entdeckten Hobby-Mykologen den Pilz in Deutschland erstmals im Jahr 2014 bei Alt Schadow (Dahme-Spreewald). Die zweite Fundstelle war am Stausee in Spremberg, die dritte Stelle lag 2017 bei Drebkau (Spree-Neiße).

Mittlerweile gebe es deutschlandweit etwa 20 Fundorte, darunter auf der Insel Rügen, in Niedersachsen und vor allem in der Mitte der Lausitz, berichtet Helbig. «Wir beobachten, wie diese Art sich sukzessive weiter ausbreitet. Wer hat denn schon mal die Chance, in der Biologie, sowas zu beobachten - das hast du nur einmal im Leben», schätzt er ein.

Doch warum breitet sich der Pilz so schnell aus? Liegt das am Klimawandel? Wohl eher nicht, sagt der Hobby-Mykologe. «Wir können nur beobachten und beschreiben». Der Pilz brauche magere Böden, diese seien in den sandigen Kiefernwäldern zu finden. Davon gibt es besonders in den Bergbaufolgelandschaften im Süden Brandenburgs noch viele.

Helbig führt aber noch einen anderen möglichen Grund für die Ausbreitung an. Dem Experten zufolge ist das Aufkommen von Pilzarten eng verbunden mit ihrer Ernährung - so auch bei der neu entdeckten Art. Der Pilz sei ein Mykorrhiza-Pilz - das heißt, er geht eine Symbiose mit der Kiefer ein. Helbig hat die Theorie, dass die «Falsche Rotkappe» sich auch über Substratzersetzung ernähren kann.

«Aufgrund dieser Ernährungsweise kommt der Pilz mit extremeren Bedingungen besser klar. Er ernährt sich zweigleisig und verdrängt vielleicht auch als invasive Art andere Pilze.» Wissenschaftlich belegt sei das aber noch nicht.

Der Pilzsachverständige rechnet aufgrund von mehr Niederschlägen in Brandenburg mit einer besseren Pilzsaison als die vergangenen drei Jahre. Er räumt aber auch gleich mit der Mähr auf, dass nach Regengüssen gleich die «Pilze aus dem Boden schießen». Mindestens 10 bis 14 Tage brauche das Myzel, um sich zu entwickeln, weiß er.

Feuchte Böden und Temperaturen nicht über 25 Grad beförderten derzeit das Wachstum. Unter diesen Bedingungen könne es ein guter Pilzherbst werden. Helbig erinnerte noch einmal daran, dass nur so viele Pilze gesammelt werden dürfen, wie erlaubt sind. Die  Waldgesetze schreiben vor, dass nur für den individuellen Tagesbedarf gesammelt werden darf. Als Orientierung gelten Helbig zufolge etwa ein Kilogramm pro Person und Tag.

In Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie mehr als 11.700 Pilzarten, rund 4.600 davon in Brandenburg. Etwa 200 von ihnen können als Speisepilze bezeichnet werden. Helbig rät: Im Zweifel immer den Pilzberater aufsuchen.
dpa/bb
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